Brauchen wir Kafka?

Gert Heidenreich
Brauchen wir Kafka?
Farce
4 D, 4 H, 1 Dek

Auch die Achtundsechziger sind bürgerlich und alt geworden und müssen sich darauf einstellen, auf weniger Quadratmetern Wohnfläche zu leben. "Brauchen wir Kafka?" entlarvt scheingebildetes Bürgertum und nimmt sich zugleich mit den Mitteln der Farce ein Thema vor, das im Zeichen der Digitalisierung von Texten und des "E-Books" noch länger aktuell bleiben wird. Die Fernseher werden immer größer und die Regale immer kleiner!


Der pensionierte Kulturredakteur und Möchtegernschriftsteller Prof. Kurt Kraemer glaubt noch an den Wert seiner Bücher. Doch man hat sich eingekauft in "Wohnen mit Service", die Schwiegereltern werden bei der Gelegenheit ins Pflegeheim verschoben, und eigentlich steht dem Verkauf der noch von der Großfamilie bewohnten Villa nichts im Wege – wären da nicht rund sechstausend Bücher. Von denen allenfalls sechshundert ins neue Altenleben mitgenommen werden können...


Der Sohn, der mit über Dreißig auf Vaters Tasche liegt, hat kein Interesse. Und seine Eltern scheitern bei dem Versuch, gemeinsam herauszufinden, welche Bücher beiden lieb genug sind, um mitgenommen zu werden. Stattdessen entrollen sich anhand der Titel Lebenslügen und Affären. Uralte Konflikte kochen hoch. Am Ende steht man vor Bücherhaufen und den Scherben der Ehe.


Der gewiefte Antiquar, in Begleitung einer sehr viel jüngeren, unbelesenen 'Assistentin', riecht den Braten und drückt den Preis so lange, bis er schließlich für die Übernahme der Bücher auch noch bezahlt werden will.


Im Tohuwabohu behält einzig die Älteste die Nerven. Kraemers fidele Schwiegermutter Lissy Straab, Ende Siebzig, hält sich mit Cocktails bei Laune, durchschaut die Manöver des Antiquars und dreht mit ihren frechen, nicht selten anzüglichen, Redewendungen die ausweglose Lage ins Groteske. Ihr und dem spät eintreffenden Sohn ist die überraschend tragikomische Auflösung des Konflikts zu verdanken.




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