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LASST MICH IN RUHE! von Klaus Pohl ist erfolgreich am St. Pauli Theater in Hamburg uraufgeführt worden. Die osteuropäische Migrantin Marta (Eva Mattes) sieht sich dem Stress mit ihrer wilden pubertären Tochter Charlotte (Edda Wiersch) nicht mehr gewachsen angesichts der enormen Anforderungen in der Schule und im Arbeitsleben. Sie schickt ihre Tochter schließlich auf ein Internat, wo sie mit Hilfe von Ritalin konditioniert werden soll für ein erfolgreiches Leben. „Einerseits ist LASST MICH IN RUHE! eine komplizierte Mutter-Tochter-Geschichte“, schreibt Irene Bazinger in der FAZ, „andererseits die Empörung des Autors über das, was heute als Krankheit gilt und der Pharmaindustrie die Taschen füllt. Angesichts der Kaputtheit, der Tristesse und der verkrampften Lustigkeit draußen auf der Reeperbahn mit ihren ruinierten Existenzen und zerstörten Träumen erscheint Klaus Pohls unerschrockener Abgesang sehr treffend. Und Ulrich Wallers klare, kluge Inszenierung passt so gut wie beklemmend auch, aber nicht nur, in diese Umgebung – ohne Furcht, ohne Hoffnung.“ Ein vollständiger Pressespiegel ist auf der Homepage des St. Pauli Theater einzusehen: https://www.st-pauli-theater.de/programm/lasst-mich-in-ruhe


Hundert Jahre nach Schnitzlers Reigen schafft Nina Raine mit STORIES (Deutsch von Michael Eberth) das tragikomische Abbild einer Gesellschaft, in der die „Agonie des Eros“, einst Begehren und Sehnsucht, Verführung und Liebe, zum Reigen des Bettelns um eine Samenspende mutiert.

Nach der erfolgreichen Uraufführung am National Theatre in London war STORIES am 16.03.2019 nun zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. "Das Kasseler Staatstheater zeigt die deutschsprachige Erstaufführung in der Regie von Maik Priebe. Zur Premiere im ausverkauften Schauspielhaus gab es am Samstagabend viel Applaus und Jubelpfiffe für die Schauspieler", schreibt die Hessische Niedersächsische Allgemeine.

"Die britische Dramatikerin Nina Raine stellt in ihrem Stück STORIES eine private Problematik auf die Bühne – und lässt im Gewand einer leichtfüßigen Komödie dennoch immer wieder große gesellschaftliche Themen aufscheinen", so die Kritik weiter. "Anna durchforstet ihren Bekanntenkreis und trifft sich mit allen Männern, die ansatzweise in Frage kommen, ihr zum Kinderglück zu verhelfen. Kurze Szenen bebildern diese Begegnungen – die Typen werden dabei sämtlich von Konstantin Marsch gespielt. Sehr variantenreich und teils kaum wiedererkennbar: herrlich witzig! Caroline Dietrich setzt den sehr detailreich gearbeiteten Text ebenso fein und präzise um – innerhalb weniger Sätze kann sich Anna von der selbstsicheren Frau in eine Bittstellerin verwandeln, die sich beim Smoothie-Trinken mit einem Typen, der es sicher nicht verdient, total erniedrigt. Es ist ein Verdienst Nina Raines, ein so authentisches Porträt der Frauengeneration um die 40 ausgeformt zu haben."

"Caroline Dietrich ist ein Ereignis!", schreibt auch ein Zuschauer auf nachtkritik.de über den "mit frenetischem Jubel aufgenommenen Premierenabend in Kassel". "Wenn dann Jürgen Wink als Dad seine Pointen knochentrocken in den Saal schickt, kennt das Gejohle und Gekicher keine Grenzen mehr."


Pavel-Kohout-Ausstellung

Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse wurde der Doyen der tschechischen Literatur, Pavel Kohout, mit der Eröffnung der Ausstellung des Gastlandes Tschechien geehrt, die den Titel trägt Pavel Kohout ‒ Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel. Aus diesem Anlass fand im Literaturcafé im Haus des Buches am Gutenbergplatz eine Lesung und ein von Marko Martin moderiertes Gespräch mit Pavel Kohout und Tereza Boučková statt. Pavel Kohout hat sein zur Leipziger Buchmesse erschienenes Werk AUS DEN TAGEBÜCHERN EINES EUROPÄERS in einem Gespräch mit Jaroslav Rudiš auf dem Blauen Sofa persönlich vorgestellt. Pavel Kohouts Dramatisierung seines Romans Die Henkerin, die 1979 zu seiner Ausbürgerung geführt hatte, ist am 5. April 2019 in Prag uraufgeführt worden.

Pavel Kohout

90. Geburtstag 2018

Pavel Kohout hat vor drei Jahren sein dramatisches und belletristisches Gesamtwerk in den Verlag JUSSENHOVEN & FISCHER gegeben. Die übertragenen Rechte betreffen alle Länder außer Tschechien und der Slowakei und alle Sprachen außer der tschechischen und slowakischen.

Mit seinem ersten Welterfolg, dem Theaterstück SO EINE LIEBE, hat Pavel Kohout schon 1957 zu erkennen gegeben, was die unverwechselbare Substanz seines Handelns als Schriftsteller und seinen Impetus als Dramatiker ausmacht. Der immer neue Wechsel ideologiegesteuerter autoritärer Systeme, die er erlebte, und die geistig und wirtschaftlich davon geprägten Veränderungen für die menschliche Gemeinschaft – von totaler Prädestinierheit zu totaler Freiheit – sind unerschöpflich als Stoff für sein Verstehenwollen des Verhaltens von Menschen untereinander. "Wenn wir nicht imstande wären, die Eigenheiten unserer Mitmenschen zu verstehen, dann wären wir nichts als ein Haufen befestigter Wohnburgen", heißt es in SO EINE LIEBE. Und sein jüngstes Stück ROSSUM'S ROBOTER AG nach Karel Čapeks 1920 geschriebenem R.U.R. (Rossums Universal-Robots) zeigt, wie Robotern, um sie zu echten Menschen zu machen, eingeimpft wird, sie müssten jeden fremden Roboter, der nicht zum eigenen Areal gehört, bekämpfen und beseitigen.

Schon in KRIEG MIT DEN MOLCHEN nach Karel Čapeks gleichnamigem Roman hatte Kohout 1963 den Massenwahn einer verordneten political correctness ad absurdum geführt wie in seiner "crazy comedy" ZWEI GORILLAS GEGEN DIE MAFIA von 2001. Aber auch die uneingeschränkte Hemmungslosigkeit heutiger Berichterstattung über privates Fehlverhalten hat ihn beschäftigt in seinem Drama DIE ENTHÜLLUNG, 1996, als hätte es unkontrollierten Internet-Journalismus und das Phänomen ungebremsten Shitstorms auf Prominente bis in sämtliche öffentliche Medien hinein schon gegeben. Muss wirklich jede Information jedem zugänglich sein, und können wir die Wirkung von Informationen überhaupt noch einschätzen, billigen, kontrollieren? Die totale Wahrheit durch totale Information: auch wieder eine Art totalitäres System, alleinseligmachend und menschheitsbeglückend?

"Wie kann ein Mensch die Welt verbessern, wenn er nicht ein einziges der Schicksale verbessert hat, die er berührte?" schrieb Pavel Kohout zehn Tage nah dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in sein Heimatland unter dem Datum 23. August 1968 in sein "Tagebuch eines Konterrevolutionärs".

Die nachfolgend gelisteten dramatischen Texte von Pavel Kohout sind auf unserer Homepage (www.jussenhoven-fischer.de/autors) genannt, und ihre Synopsen sind jeweils unter ihrem Stücktitel zu lesen. Sie sind digital oder postalisch lieferbar, wie unter www.jussenhoven-fischer.de/kontakt angegeben.

So eine Liebe

Reise um die Erde in 80 Tagen
(Nach Jules Verne)

Der Krieg mit den Molchen
(Nach Karel Čapek)

Josef Schwejk oder Sie haben uns also den Ferdinand erschlagen
(Nach Jaroslav Hašek)

August August, August

Evol

Krieg im dritten Stock

Armer Mörder
(Nach Leonid N. Andrejew)

Pech unterm Dach

Brand im Souterrain

Roulette
(Nach Leonid N. Andrejew)

Amerika
(Nach Franz Kafka, zusammen mit Ivan Klíma)

Play Macbeth
(Nach William Shakespeare)

König Colas Breugnon oder Gott in Frankreich
(Nach Romain Rolland)

Attest

Der Revisor kommt
(Nach Nikolai Gogol)

Maria kämpft mit den Engeln

Morast

Der kleine August
(Für Kinder)

Der arme Cyrano!
(Nach Edmond Rostand)

Der Spieler
(Nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

Das große Ahornbaumspiel
(Nach Mircea Eliade)

1984 - Der Alptraum
(Nach George Orwell)

Erinnerung an die Biskaya

Safari

Patt oder Spiel der Könige

Ecce Constantia!

Eine kleine Blutrache

Wir, Nibelungen
(Nach Friedrich Hebbel)

Geisterschlacht

Zyanid um Fünf
(Nach Tecia Werbowski)

Die Enthüllung

Die Nullen

Zwei Gorillas gegen die Mafia

Eros

Arthurs Bolero

Rossum's Roboter AG
(Nach Karel Čapek)

Seinem Roboterstück hat Pavel Kohout nun die Dramatisierung seines Romans Die Henkerin hinzugefügt, der im Jahre nach der Charta 77 in dreißig Ländern erschien und Ursache für die Ausbürgerung seiner Ahnen war. Die gegenwärtigen Entwicklungen zur Stärkung autoritärer Strukturen von Ländern selbst innerhalb der Europäischen Union machen die Form der Bühnenparabel erneut aufregend. Denn es sind die demokratisch getarnten Sprachregelungen, von denen die Gefahr antidemokratischer Verblendung ausgeht.


Nach ihrem ersten großen Erfolg im November 2016 mit „Linda“ am Royal Court Theatre London und im Februar 2017 am Manhattan Theatre Club in New York, war Penelope Skinner beim Edinburgh Fringe Festival 2018 gleich mit zwei Stücken vertreten. MEEK (LAMMFROMM, Deutsch von Katharina Pütter) ging nach der Uraufführung am Traverse Theatre auf Tournee in Großbritannien. Der Monolog ANGRY ALAN (AGGRO ALAN, Deutsch von Thomas Huber), den Penelope Skinner auch selbst inszenierte, gewann einen Fringe First Award. Die New York Times nannte in ihrer Jahresbilanz „Best Theatre in Europe 2018“ ANGRY ALAN an erster Stelle. Die Aufführung von Edinburgh wurde ans Londoner Soho Theatre transferiert.


Das neue Zwei- Personen-Stück BEGINNING von David Eldridge (EIN ANFANG, Deutsch von Michael Eberth) bescherte dem Londoner National Theatre einen großen Erfolg. Im schicken Londoner Crouch End hat Laura eine Einweihungsparty gefeiert. Alle Gäste haben sich verabschiedet, nur Danny nicht. Für Lauras Avancen hat er „kein Radar“. Eine gescheiterte Ehe und zahllose vergebliche Versuche, auf den Dating-Märkten eine Partnerin zu finden, haben seinen Blick für die Chancen, die ihm der Augenblick zuspielt, herabgedimmt. Auch Laura hat ihre Rückschläge und Enttäuschungen hinter sich. Die erfolgreiche Single-Frau, die von ihren Freundinnen um ihre Freiheiten beneidet wird, sehnt sich nach einem Mann, mit dem sie sich in die Gefangenschaft einer Bindung begeben kann, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Im Zeitalter von Social Media und Internet Dating gibt es aber mehr denn je Probleme, überhaupt eine Beziehung aufzubauen. „Allen Mythen vom technischen Zeitalter und allen verführerischen Verlockungen der Werbung zum Trotz ist die Einsamkeit allgegenwärtig“, stellte der Guardian in seiner begeisterten Kritik fest. Der Erfolg von BEGINNING, das ins Londoner West-End übernommen wurde, wo es bis zur letzten Vorstellung ausverkauft lief, zeigt, dass Eldridge mit diesem Stück einen empfindlichen Nerv des Zuschauers trifft.


UNVERHOFFT KOMMT OFT von Charles Lewinsky zeigt: Verrückt sein oder verrückt spielen, das kann nicht nur überlebenswichtig sein, es kann auch müde Männer munter machen. Zu dieser überraschenden Einsicht kommt der Ruheständler Walter Keller, der Geschichten erfinden kann, um verschiedenste Widersacher auszutricksen. Selbstverständlich sind in diesem trickreichen Versteckspiel auch noch weitere Rollen vorgesehen: die Nachbarin Luise Liebling, die er vorher völlig ignoriert hatte; der von der Wohngenossenschaft bestellte Psychologe und Sozialarbeiter Hubert Faulenbacher, der Walter Keller mit allen Mitteln aus seiner Wohnung in der Werkssiedlung rausbekommen will; und Alissa, eine junge Ukrainerin, die auf der Suche nach dem verschwundenen Vater des Kindes ist, das sie in sich trägt. Schließlich sieht Keller auch noch die Chance, als uneigennütziger Helfer aufzutreten. Noch komplizierter kann es für ihn aber werden, wenn ganz unverhofft die eigenen, die echten Gefühle mit ins Spiel kommen. Doch zu guter Letzt gibt es auch dafür eine zufriedenstellende Lösung.


David Mamet beschäftigt sich in DER BUSSFERTIGE (The Penitent, Deutsch von Michael Eberth) mit der gewissenlosen Instrumentalisierung von Recht und Gesetz und Medienöffentlichkeit für das reibungslose Funktionieren von Institutionen und ihrer Repräsentanten im Namen einer sogenannten Öffentlichen Meinung. Seine Titelfigur Charles ist ein Psychotherapeut, der sich dem Ansinnen verweigert, zugunsten eines Mörders, den er vor dessen Taten behandelt hat, als Zeuge der Verteidigung vor Gericht aufzutreten. Die Medien, die den Mord verkaufsfördernd ausgewalzt haben, bauschen seine Weigerung zum Skandal auf. Der Täter ist homosexuell. Die Medien werfen dem Therapeuten Homophobie vor. Charles sucht Rat bei einem Rabbi und findet Halt in der Religion. Trotz verzweifelter Einreden seiner Frau und beschwörenden Abratens ihres befreundeten Anwalts folgt er dem Diktat seines Gewissens. „Das Wesen des Dramas ist die Lüge“, zitiert die Die Deutsche Bühne den Autor, am Ende stünde aber „die Wahrheit, die zuvor so lange übersehen, missachtet, verhöhnt und geleugnet wurde“.

Die Deutschsprachige Erstaufführung am 30.09.18 am Staatstheater Wiesbaden, inszeniert von Tim Kramer, fand einhelligen Beifall. Das Publikum klatschte langanhaltend und wie von sich selbst verblüfft, dass man einer solchen Auseinandersetzung gebannt und fasziniert zuhören kann.


Zu den erneuten Erstveröffentlichungen einiger Einakter von Tennesse Williams gehört AIMEZ-VOUS IONESCO?, geschrieben 1975, uraufgeführt 2015 beim Tennessee Williams Theater Festival in Provincetown. Aus einem Treffen zum Tee zwischen zwei Damen wird in dieser kurzen Szene ein Fest von absurder Komik. Letztes Jahr wurde AIMEZ-VOUS IONESCO? zusammen mit vier weiteren Einaktern von Tennessee Williams zum ersten Mal publiziert. In A RECLUSE AND HIS GUEST (geschrieben 1982 / uraufgeführt 2016) geht es um den Einsiedler Ott, dessen Leben durch die Fremde Nevrika auf den Kopf gestellt wird. In IVAN’S WIDOW (1982 / 2016) versucht ein Psychiater einer Frau dabei zu helfen, den Tod ihres Mannes zu akzeptieren. Zwei Familien kämpfen in ONCE IN A LIFETIME (1939 / 2011) mit der Reizüberflutung, die ihre Road Trips quer durch die USA mit sich bringen. Und in THE STRANGE PLAY (1939 / 2016) vergeht Isabels ganzes Leben an einem einzigen Tag, und John will eine neue Welt erschaffen, ähnlich wie Benjamin Murphy in TREPPE NACH OBEN, das Williams Anfang der 40er Jahre vollendet hat.

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