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“Tom Stoppard is the George Bernard Shaw of our time”

Das schreibt das Wall Street Journal zur New Yorker Premiere von Tom Stoppards THE HARD PROBLEM am Lincoln Center Theater. “No English-speaking playwright, not even Shaw himself, has ever been more adept at taking complex questions about human nature and embedding them in witty dramas that are at once entertaining and intellectually stimulating. Now, after a decade-long hiatus, Mr. Stoppard has returned to the stage of Lincoln Center Theater with “The Hard Problem,” in which he grapples again with a question that in one form or another has preoccupied him throughout his career: Are the materialists right, or is there more to man than mere flesh? One might reasonably expect him, at 81, to have passed his prime, but judging by a first viewing, I’m inclined to rank “The Hard Problem” alongside “Arcadia” and “The Real Thing” as one of the best things he’s given us, a parable in which he dramatizes the toughest dilemma known to modern science, then sends us home sure that we understand it better”, so die Kritik.

Die Deutschsprachige Erstaufführung von THE HARD PROBLEM oder IST GEIST MATERIE? fand nach der Uraufführung am National Theatre London am Wiesbadener Staatstheater statt.


Großes Echo auf KONSENS von Nina Raine in Hamburg: "KONSENS am St. Pauli-Theater ist DAS Stück zur #MeToo-Debatte. Die Zuschauer erleben in einer packenden Inszenierung (Regie: Ulrich Waller), wie Moral, aber auch Menschenwürde der kalten juristischen Machttechnik zum Opfer fallen. Am Ende der Premiere großer Applaus und Bravos für das Drama – und das hervorragende Ensemble“ (Hamburger Morgenpost)„Harter Tobak und sich steigernde Spannung mit geschliffen pointierten, juristisch spitzfindigen und zynisch amüsanten Dialogen ist jetzt am St. Pauli-Theater zu erleben. Doch bei aller intelligenten Argumentationsschärfe der Handelnden ist KONSENS im allerbesten Sinne von packender Unterhaltsamkeit, weil Ulrich Waller mit großer Empathie gegenüber allen Handelnden zügig, kurzweilig und leicht inszeniert mit einem durchweg rollendeckenden, überzeugenden Ensemble. Der Beifall war riesig.“ (Die Welt) „Eine umjubelte Premiere. Ulrich Waller hat für KONSENS ein erstklassiges Ensemble gecastet, das die Dialoge mit Timing und der nötigen Schärfe spricht und dabei für eine Reihe von oft zynischen Pointen sorgt, die zugleich die Gefühlskälte und die Arroganz der Protagonisten verdeutlichen.“ (Hamburger Abendblatt)

Ein Jahr nach der Uraufführung am National Theatre in London hatte Nina Raines Stück CONSENT im Mai 2018 Premiere am Harold Pinter Theatre im Londoner West End und lief dort bis zum 11. August 2018. David Benedict im Arts Desk : „Die Genauigkeit, mit der Raine schreibt, die lebendige Klarheit, mit der sie die Bedürfnisse (und die fehlende Selbsterkenntnis) ihrer Charaktere offenbart, führt dazu, dass das Publikum wie angewurzelt jedem Wort und, was entscheidend ist, jeder angespannten Stille lauscht.“ Schon am 17. Oktober 2018 hatte Nina Raines neues Stück in London Uraufführung, wieder am National Theatre, von ihr selbst inszeniert: STORIES. Hundert Jahre nach Schnitzlers tragikomischem Reigen schafft Nina Raine mit STORIES das tragikomische Abbild einer Gesellschaft, in der die „Agonie des Eros“, einst Begehren und Sehnsucht, Verführung und Liebe, zum Reigen des Bettelns um eine Samenspende mutiert. Die Deutschsprachige Erstaufführung (Deutsch von Michael Eberth) kommt am 16.03.2019 im Staatstheater Kassel.


Das neue Zwei- Personen-Stück BEGINNING von David Eldridge (EIN ANFANG, Deutsch von Michael Eberth) bescherte dem Londoner National Theatre einen großen Erfolg. Im schicken Londoner Crouch End hat Laura eine Einweihungsparty gefeiert. Alle Gäste haben sich verabschiedet, nur Danny nicht. Für Lauras Avancen hat er „kein Radar“. Eine gescheiterte Ehe und zahllose vergebliche Versuche, auf den Dating-Märkten eine Partnerin zu finden, haben seinen Blick für die Chancen, die ihm der Augenblick zuspielt, herabgedimmt. Auch Laura hat ihre Rückschläge und Enttäuschungen hinter sich. Die erfolgreiche Single-Frau, die von ihren Freundinnen um ihre Freiheiten beneidet wird, sehnt sich nach einem Mann, mit dem sie sich in die Gefangenschaft einer Bindung begeben kann, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Im Zeitalter von Social Media und Internet Dating gibt es aber mehr denn je Probleme, überhaupt eine Beziehung aufzubauen. „Allen Mythen vom technischen Zeitalter und allen verführerischen Verlockungen der Werbung zum Trotz ist die Einsamkeit allgegenwärtig“, stellte der Guardian in seiner begeisterten Kritik fest. Der Erfolg von BEGINNING, das ins Londoner Westend übernommen wurde, wo es bis zur letzten Vorstellung ausverkauft lief, zeigt, dass Eldridge mit diesem Stück einen empfindlichen Nerv des Zuschauers trifft.


UNVERHOFFT KOMMT OFT von Charles Lewinsky zeigt: Verrückt sein oder verrückt spielen, das kann nicht nur überlebenswichtig sein, es kann auch müde Männer munter machen. Zu dieser überraschenden Einsicht kommt der Ruheständler Walter Keller, der Geschichten erfinden kann, um verschiedenste Widersacher auszutricksen. Selbstverständlich sind in diesem trickreichen Versteckspiel auch noch weitere Rollen vorgesehen: die Nachbarin Luise Liebling, die er vorher völlig ignoriert hatte; der von der Wohngenossenschaft bestellte Psychologe und Sozialarbeiter Hubert Faulenbacher, der Walter Keller mit allen Mitteln aus seiner Wohnung in der Werkssiedlung rausbekommen will; und Alissa, eine junge Ukrainerin, die auf der Suche nach dem verschwundenen Vater des Kindes ist, das sie in sich trägt. Schließlich sieht Keller auch noch die Chance, als uneigennütziger Helfer aufzutreten. Noch komplizierter kann es für ihn aber werden, wenn ganz unverhofft die eigenen, die echten Gefühle mit ins Spiel kommen. Doch zu guter Letzt gibt es auch dafür eine zufriedenstellende Lösung.


Mit BEGLEITAGENTIN , dem ersten Theaterstück des im sowjetischen Lemberg geborenen und in Odessa aufgewachsenen Mark Zak, rückt der Autor der verwicklungsreichen Vergangenheit deutsch-russischer Verhältnisse auf den Pelz – mit analytischer Schärfe, feinem Witz und fesselnder Erotik. „Wenn Mark Zak hier einen Blick auf die deutsch-russischen Beziehungen wirft, ist es kein Blick auf die Beziehungen zweier Staaten, sondern das ist eher ein Blick auf die Spuren, die diese gemeinsame Vergangenheit bis heute im Leben mancher Menschen hinterlassen hat“ (WDR). Der „Theatererstling“ von Mark Zak am Kölner Theater der Keller, wo er auch die Rolle des Hauptdarstellers spielt, war so erfolgreich, dass BEGLEITAGENTIN auch im Oktober erneut in diesem Theater gezeigt wird. Seine Schauspielkunst zeigt der vielseitig aktive Autor Mark Zak auch in Spielfilmen. Im April dieses Jahres wurde die zweiteilige Fernsehproduktion „Der Mann mit dem Fagott“ mit ihm in der Rolle des Kropotkin wiederholt. Jetzt ist Mark Zak in der Rolle des Militärdolmetschers Murawjow in dem Film "Werk ohne Autor" von Florian Henckel von Donnersmarck zu sehen.


David Mamet beschäftigt sich in DER BUSSFERTIGE (The Penitent, Deutsch von Michael Eberth) mit der gewissenlosen Instrumentalisierung von Recht und Gesetz und Medienöffentlichkeit für das reibungslose Funktionieren von Institutionen und ihrer Repräsentanten im Namen einer sogenannten Öffentlichen Meinung. Seine Titelfigur Charles ist ein Psychotherapeut, der sich dem Ansinnen verweigert, zugunsten eines Mörders, den er vor dessen Taten behandelt hat, als Zeuge der Verteidigung vor Gericht aufzutreten. Die Medien, die den Mord verkaufsfördernd ausgewalzt haben, bauschen seine Weigerung zum Skandal auf. Der Täter ist homosexuell. Die Medien werfen dem Therapeuten Homophobie vor. Charles sucht Rat bei einem Rabbi und findet Halt in der Religion. Trotz verzweifelter Einreden seiner Frau und beschwörenden Abratens ihres befreundeten Anwalts folgt er dem Diktat seines Gewissens. „Das Wesen des Dramas ist die Lüge“, zitiert die Die Deutsche Bühne den Autor, am Ende stünde aber „die Wahrheit, die zuvor so lange übersehen, missachtet, verhöhnt und geleugnet wurde“.

Die Deutschsprachige Erstaufführung am 30.09.18 am Staatstheater Wiesbaden, inszeniert von Tim Kramer, fand einhelligen Beifall. Das Publikum klatschte langanhaltend und wie von sich selbst verblüfft, dass man einer solchen Auseinandersetzung gebannt und fasziniert zuhören kann.


LINDA (Deutsch von Katharina Pütter) von Penelope Skinner hat am Manhattan Theatre Club in New York ähnliche Zustimmung gefunden wie am Royal Court in London. Mit ihrer Geschichte der erfolgreichen Managerin, die es geschafft hat, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen und dann daran scheitert, ihre persönliche Erfahrung zum Muster einer Marketingstrategie für Frauen um die 50 zu machen, hat Penelope Skinner offensichtlich einen Nerv getroffen. „Linda ist eine komplizierte Heldin, in der sich Frauen jeden Alters problemlos wiederfinden werden.“, konstatierte der Hollywood Reporter. „Bei all den wichtigen Aussagen, die Skinner mit dem Stück macht, bleibt es eine satirische Tour de Force und ein treffendes Drama.“, hieß es im Exeunt Magazine. Und die New York Times urteilte: „Man kann Skinner als fatalistische Feministin bezeichnen.“ Die Londoner Presse bestätigte vor allem die Publikumswirksamkeit. „Na ja, vielleicht ist die Gesellschaft ungeheuerlich sexistisch gegenüber älteren Frauen – genau das ist die These, die Skinner auf ihre mal lustige, mal berührende, mal unbehagliche, mal erfrischend komplexe Art und Weise in ihrem niemals langweilig werdenden Schauspiel untersucht.“, resümierte The Telegraph. Und The Guardian katalogisierte eindeutig: „Es ist ein mitreißendes Stück – stürmisch und lebendig.“


Zu den erneuten Erstveröffentlichungen einiger Einakter von Tennesse Williams gehört AIMEZ-VOUS IONESCO?, geschrieben 1975, uraufgeführt 2015 beim Tennessee Williams Theater Festival in Provincetown. Aus einem Treffen zum Tee zwischen zwei Damen wird in dieser kurzen Szene ein Fest von absurder Komik. Letztes Jahr wurde AIMEZ-VOUS IONESCO? zusammen mit vier weiteren Einaktern von Tennessee Williams zum ersten Mal publiziert. In A RECLUSE AND HIS GUEST (geschrieben 1982 / uraufgeführt 2016) geht es um den Einsiedler Ott, dessen Leben durch die Fremde Nevrika auf den Kopf gestellt wird. In IVAN’S WIDOW (1982 / 2016) versucht ein Psychiater einer Frau dabei zu helfen, den Tod ihres Mannes zu akzeptieren. Zwei Familien kämpfen in ONCE IN A LIFETIME (1939 / 2011) mit der Reizüberflutung, die ihre Road Trips quer durch die USA mit sich bringen. Und in THE STRANGE PLAY (1939 / 2016) vergeht Isabels ganzes Leben an einem einzigen Tag, und John will eine neue Welt erschaffen, ähnlich wie Benjamin Murphy in TREPPE NACH OBEN, das Williams Anfang der 40er Jahre vollendet hat.


Pavel Kohout

90. Geburtstag 2018

Pavel Kohout hat vor drei Jahren sein dramatisches und belletristisches Gesamtwerk in den Verlag JUSSENHOVEN & FISCHER gegeben. Die übertragenen Rechte betreffen alle Länder außer Tschechien und der Slowakei und alle Sprachen außer der tschechischen und slowakischen.

Mit seinem ersten Welterfolg, dem Theaterstück SO EINE LIEBE, hat Pavel Kohout schon 1957 zu erkennen gegeben, was die unverwechselbare Substanz seines Handelns als Schriftsteller und seinen Impetus als Dramatiker ausmacht. Der immer neue Wechsel ideologiegesteuerter autoritärer Systeme, die er erlebte, und die geistig und wirtschaftlich davon geprägten Veränderungen für die menschliche Gemeinschaft – von totaler Prädestinierheit zu totaler Freiheit – sind unerschöpflich als Stoff für sein Verstehenwollen des Verhaltens von Menschen untereinander. "Wenn wir nicht imstande wären, die Eigenheiten unserer Mitmenschen zu verstehen, dann wären wir nichts als ein Haufen befestigter Wohnburgen", heißt es in SO EINE LIEBE. Und sein jüngstes Stück ROSSUM'S ROBOTER AG nach Karel Čapeks 1920 geschriebenem R.U.R. (Rossums Universal-Robots) zeigt, wie Robotern, um sie zu echten Menschen zu machen, eingeimpft wird, sie müssten jeden fremden Roboter, der nicht zum eigenen Areal gehört, bekämpfen und beseitigen.

Schon in KRIEG MIT DEN MOLCHEN nach Karel Čapeks gleichnamigem Roman hatte Kohout 1963 den Massenwahn einer verordneten political correctness ad absurdum geführt wie in seiner "crazy comedy" ZWEI GORILLAS GEGEN DIE MAFIA von 2001. Aber auch die uneingeschränkte Hemmungslosigkeit heutiger Berichterstattung über privates Fehlverhalten hat ihn beschäftigt in seinem Drama DIE ENTHÜLLUNG, 1996, als hätte es unkontrollierten Internet-Journalismus und das Phänomen ungebremsten Shitstorms auf Prominente bis in sämtliche öffentliche Medien hinein schon gegeben. Muss wirklich jede Information jedem zugänglich sein, und können wir die Wirkung von Informationen überhaupt noch einschätzen, billigen, kontrollieren? Die totale Wahrheit durch totale Information: auch wieder eine Art totalitäres System, alleinseligmachend und menschheitsbeglückend?

"Wie kann ein Mensch die Welt verbessern, wenn er nicht ein einziges der Schicksale verbessert hat, die er berührte?" schrieb Pavel Kohout zehn Tage nah dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in sein Heimatland unter dem Datum 23. August 1968 in sein "Tagebuch eines Konterrevolutionärs".

Die nachfolgend gelisteten dramatischen Texte von Pavel Kohout sind auf unserer Homepage (www.jussenhoven-fischer.de/autors) genannt, und ihre Synopsen sind jeweils unter ihrem Stücktitel zu lesen. Sie sind digital oder postalisch lieferbar, wie unter www.jussenhoven-fischer.de/kontakt angegeben.

So eine Liebe

Reise um die Erde in 80 Tagen
(Nach Jules Verne)

Der Krieg mit den Molchen
(Nach Karel Čapek)

Josef Schwejk oder Sie haben uns also den Ferdinand erschlagen
(Nach Jaroslav Hašek)

August August, August

Evol

Krieg im dritten Stock

Armer Mörder
(Nach Leonid N. Andrejew)

Pech unterm Dach

Brand im Souterrain

Roulette
(Nach Leonid N. Andrejew)

Amerika
(Nach Franz Kafka, zusammen mit Ivan Klíma)

Play Macbeth
(Nach William Shakespeare)

König Colas Breugnon oder Gott in Frankreich
(Nach Romain Rolland)

Attest

Der Revisor kommt
(Nach Nikolai Gogol)

Maria kämpft mit den Engeln

Morast

Der kleine August
(Für Kinder)

Der arme Cyrano!
(Nach Edmond Rostand)

Der Spieler
(Nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

Das große Ahornbaumspiel
(Nach Mircea Eliade)

1984 - Der Alptraum
(Nach George Orwell)

Erinnerung an die Biskaya

Safari

Patt oder Spiel der Könige

Ecce Constantia!

Eine kleine Blutrache

Wir, Nibelungen
(Nach Friedrich Hebbel)

Geisterschlacht

Zyanid um Fünf
(Nach Tecia Werbowski)

Die Enthüllung

Die Nullen

Zwei Gorillas gegen die Mafia

Eros

Arthurs Bolero

Rossum's Roboter AG
(Nach Karel Čapek)

Seinem Roboterstück hat Pavel Kohout nun die Dramatisierung seines Romans Die Henkerin hinzugefügt, der im Jahre nach der Charta 77 in dreißig Ländern erschien und Ursache für die Ausbürgerung seiner Ahnen war.

Die Henkerin
(nach seinem gleichnamigen Roman)

Die gegenwärtigen Entwicklungen zur Stärkung autoritärer Strukturen von Ländern selbst innerhalb der Europäischen Union machen die Form der Bühnenparabel erneut aufregend. Denn es sind die demokratisch getarnten Sprachregelungen, von denen die Gefahr antidemokratischer Verblendung ausgeht.

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