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Ein Jahr nach der Uraufführung am National Theatre hatte Nina Raines Stück CONSENT letzten Monat Premiere am Harold Pinter Theatre im Londoner West End. Mark Shenton, Kritiker der London Theatre News, findet, dass das Stück den Anspruch des West Ends hebt, indem es „das heutige Leben in all seiner brutalen Komplexität“ darstellt. „Der besondere Reiz an Raines Stück ist, dass es keinen eindeutigen Fall präsentiert, sondern durchgängig verschiedene Erklärungen anbietet.“

Auch Dominic Maxwell von der Times ist begeistert. „In weniger fähigen Händen wäre CONSENT einfach nur ein Stück zu einem heiß umstrittenen Thema. Nina Raine hat stattdessen ein unvergesslich komplexes, schwarzhumoriges und berührendes Stück voller Logik und Verständlichkeit geschaffen, das mit unbändigen Gefühlen in einer vertrackten Realität ausgefochten wird“, heißt es in der Kritik. „Sie hat in ihr unglaublich zeitgemäßes Stück so viel Lebensrealität gesteckt, wie man es im West End lange nicht mehr gesehen hat.“

David Benedict im Arts Desk: „Die Genauigkeit, mit der Raine schreibt, die lebendige Klarheit, mit der sie die Bedürfnisse (und die fehlende Selbsterkenntnis) ihrer Charaktere offenbart, führt dazu, dass das Publikum wie angewurzelt jedem Wort und, was entscheidend ist, jeder angespannten Stille lauscht.“

CONSENT läuft noch bis zum 11. August am Harold Pinter Theatre in London.


Als im letzten Jahr der Präsidentschaft von George W. Bush 2009 das Stück COMPLICIT von Joe Sutton am Londoner Old Vic uraufgeführt wurde, hätte man nicht geglaubt, dass acht Jahre später die Geschichte eines Journalisten, der um seine Existenz, seine Freiheit und sein Leben kämpfen muss, weil er undemokratische Praktiken seines Landes aufgedeckt hat, weltweit zum Repertoire öffentlicher Nachrichtensendungen gehören könnte. Weil der Journalist Benjamin Kitzer die Quelle im Pentagon nicht preisgeben will, die ihm den Beweis geliefert hat, dass aufgrund eines Regierungs-Memorandums das Waterboarding entgegen der Genfer Konvention nicht mehr als Folter einzustufen sei, zeigt man ihm nicht mehr nur die Instrumente. Gäbe er seine Quelle preis, hätte er seine Glaubwürdigkeit als Journalist verloren und damit seine Existenz. Tut er das nicht, wird er von der Staatsmacht als KOMPLIZE und Terrorverdächtiger eingestuft und damit seiner Freiheit beraubt. Dass sich Donald Trump im Wahlkampf ungeniert für die Beibehaltung des Waterboarding ausgesprochen hat, belegt, wie sehr sich die Szenerie zugunsten einer Geringschätzung der Pressefreiheit verändert hat. Und zwar selbst in der EU.

Am Zimmertheater Heidelberg erscheint das Stück in einer "ebenso konzentrierten wie feinfühligen Inszenierung" von Ute Richter aktueller denn je, wie Ingeborg Salomon in der Rhein Neckar Zeitung schreibt. KOMPLIZE sei "ein ernstes, aktuelles und brisantes Stück", findet auch Eckhard Britsch in seiner Kritik im Mannheimer Morgen. "Ein beklemmendes Psychodrama stetig wachsenden, gegenseitigen Misstrauens, in dem letztlich jeder allein bleiben muss."

Die nächste geplante Produktion von KOMPLIZE wird am 17.11.18 an der Badischen Landesbühne in Bruchsal Premiere haben.


David Mamet beschäftigt sich in DER BUSSFERTIGE mit einer Gewissenlosigkeit in der Instrumentalisierung von Recht und Gesetz und Medienöffentlichkeit für das reibungslose Funktionieren von Institutionen und ihrer Repräsentanten im Namen einer sogenannten Öffentlichen Meinung. Seine Titelfigur THE PENITENT ist ein Psychotherapeut, der sich dem Ansinnen verweigert, zugunsten eines Mörders, den er vor dessen Taten behandelt hat, als Zeuge der Verteidigung vor Gericht aufzutreten. Die Medien, die den Mord verkaufsfördernd ausgewalzt haben, bauschen seine Weigerung zum Skandal auf. Der Täter ist homosexuell. Die Medien werfen dem Therapeuten Homophobie vor. DER BUSSFERTIGE sucht Rat bei einem Rabbi und findet Halt in der Religion. Trotz verzweifelter Einreden seiner Frau und beschwörenden Abratens ihres befreundeten Anwalts folgt er dem Diktat seines Gewissens.

Die Deutschsprachige Erstaufführung wird am 30.09.18 am Staatstheater Wiesbaden stattfinden.


Sebastian Brauneis, der in der Theater- und auch in der Fernsehfilmbranche bekannte Autor und Regisseur, hat mit seinem ersten Spielfilm für das Kino, „Zauberer“, gleich einen steilen Start hingelegt.
Nach der erfolgreichen Premiere dieses Spielfilms am 24. Januar 2018 anlässlich des 39. Max Ophüls Preis-Filmfestivals in Saarbrücken wurde „Zauberer“ im März 2018 auf der Diagonale in Graz gezeigt, dem inzwischen jährlich veranstalteten Filmfestival, auf dem das aktuelle österreichische Filmschaffen in all seinen Genres vorgestellt wird. Der Spezialpreis der Jury des Thomas-Pluch-Drehbuchpreises vom 16. März 2018 ging an das Drehbuchautoren-Team Sebastian Brauneis, Clemens Setz und Nicholas Ofczarek. Deren Kurzgeschichte sei „konsequent und minutiös“ konstruiert und vom Regisseur Sebastian Brauneis kongenial adaptiert worden für sein furioses Kinodebut, mit einem Spielfilm, der überzeugt, weil „intensiv, bedrohlich, magisch in Handlung und Konstruktion“.


LINDA von Penelope Skinner hat am Manhattan Theatre Club in New York ähnliche Zustimmung gefunden wie am Royal Court in London. Mit ihrer Geschichte der erfolgreichen Managerin, die es geschafft hat, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, und dann daran scheitert, ihre persönliche Erfahrung zum Muster einer Marketingstrategie für Frauen um die 50 zu machen, hat Penelope Skinner offensichtlich einen Nerv getroffen. „Linda ist eine komplizierte Heldin, in der sich Frauen jeden Alters problemlos wiederfinden werden.“, konstatierte der Hollywood Reporter. „Bei all den wichtigen Aussagen, die Skinner mit dem Stück macht, bleibt es eine satirische Tour de Force und ein treffendes Drama.“, hieß es im Exeunt Magazine. Und die New York Times urteilte: „Man kann Skinner als fatalistische Feministin bezeichnen.“ Die Londoner Presse bestätigte vor allem die Publikumswirksamkeit. „Na ja, vielleicht ist die Gesellschaft ungeheuerlich sexistisch gegenüber älteren Frauen – genau das ist die These, die Skinner auf ihre mal lustige, mal berührende, mal unbehagliche, mal erfrischend komplexe Art und Weise in ihrem niemals langweilig werdenden Schauspiel untersucht.“, resümierte The Telegraph. Und The Guardian katalogisierte eindeutig: „Es ist ein mitreißendes Stück – stürmisch und lebendig.“


Zu den erneuten Erstveröffentlichungen einiger Einakter von Tennesse Williams gehört AIMEZ-VOUS IONESCO?, geschrieben 1975, uraufgeführt 2015 beim Tennessee Williams Theater Festival in Provincetown. Aus einem Treffen zum Tee zwischen zwei Damen wird in dieser kurzen Szene ein Fest von absurder Komik. Letztes Jahr wurde AIMEZ-VOUS IONESCO zusammen mit vier weiteren Einaktern von Tennessee Williams zum ersten Mal publiziert. In A RECLUSE AND HIS GUEST (geschrieben 1982 / uraufgeführt 2016) geht es um den Einsiedler Ott, dessen Leben durch die Fremde Nevrika auf den Kopf gestellt wird. In IVAN’S WIDOW (1982 / 2016) versucht ein Psychiater einer Frau dabei zu helfen, den Tod ihres Mannes zu akzeptieren. Zwei Familien kämpfen in ONCE IN A LIFETIME (1939 / 2011) mit der Reizüberflutung, die ihre Road Trips quer durch die USA mit sich bringen. Und in THE STRANGE PLAY (1939 / 2016) vergeht Isabels ganzes Leben an einem einzigen Tag, und John will eine neue Welt erschaffen, ähnlich wie Benjamin Murphy in TREPPE NACH OBEN, das Williams Anfang der 40er Jahre vollendet hat.

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