Unsere Bücher
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Die Küste Utopias
Der Zeitraum: 1833 bis 1868. Die Schauplätze: Russland und fast ganz Westeuropa. Die erste Generation der russischen Intelligenzija bildet sich heraus, ihr linker, prowestlicher Teil radikalisiert sich angesichts des Polizeistaats von Zar Nikolaus I. und geht zum großen Teil nach Westeuropa ins Exil. Darunter sind der gemäßigte Sozialrevolutionär Alexander Herzen und Michail Bakunin, einer der Väter des Anarchismus. Ihrer beider Lebenswege verfolgt die Trilogie. Wie die Geschichte ausgeht, deren Anfänge sie uns zeigt, wissen wir. Damit spielt der Autor. Stoppard bezieht, und insofern ist Turgenjew nicht ganz sein Alter Ego, Position – die Position Herzens. Er ist derjenige, der vor…
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Oleanna
Der verständnisvolle Professor John geht auf die lernwillige Studentin Carol ein, der nach eigenen Angaben das Lernen so schwerfällt; er kommt ihr entgegen, bietet ihr Nachhilfe in seinem Büro an, will mit ihr den Lehrstoff seines Seminars noch einmal durchgehen und ihr nicht ausreichendes Referat als „bestanden“ werten. Wie der zweite Akt zeigt, hat Carol alles anders verstanden. Sie hat John der sexuellen Zudringlichkeit bezichtigt, woraufhin das Berufungskomitee ihn vorläufig nicht auf den Lehrstuhl beruft. Was nun ein klärendes Gespräch sein soll, gerät für John immer mehr zur Schlinge, die Carol immer fester zuzieht. Im dritten Akt haben sich die…
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Arkadien
Stoppards verzwickte Komödie entführt den Zuschauer auf eine Reise in zwei Welten: Erst einmal auf einen englischen Herrensitz, idyllisch und arkadisch, drei Tage im April des Jahres 1809. Und zweitens auf denselben englischen Herrensitz auf dem Lande, noch ebenso idyllisch und arkadisch, aber fast zweihundert Jahre später, während einiger Tage im Sommer des Jahres 1993. Sex, Literatur und Mathematik, Klassik gegen Romantik, Rationalismus gegen Intuition und Gefühl – von einer Welt wird erzählt, die ihrem innersten Wesen nach nicht monokausal, vorherbestimmt und vorhersagbar abläuft; von einer Welt, an der höchster Scharfsinn sich auf lächerlichste Weise abarbeitet, wenn er mit vorgefaßten…
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Blick zurück im Zorn / Dejavu
Der Zorn Jimmy Porters in John Osbornes Theaterstück „Blick zurück im Zorn“ ist sprichwörtlich geworden. Jimmy Porter, Student ohne Abschluß, bekämpft seine Hoffnungslosigkeit durch mutwilligen Zorn gegen alles gedankenlose Fortwursteln in gesellschaftlichen Zuständen, die wie Naturgegebenheiten hingenommen werden. Verzweifelt sucht er nach einem Glauben, nach der Guten Sache, an die er den Zorn seiner großen moralischen Leidenschaft verschwenden könnte. Politisch liberal und sexuell ein Tyrann, fixiert er seine Frau Alison als hassenswertes Inbild des arrogant lebensunfähigen Establishments und macht sie zur Zielscheibe seines ziellosen Zorns. „Déjàvu“ ist die Fortschreibung von „Blick zurück im Zorn“, voller Rückbezüge auf das vor Jahrzehnten…
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Aber nichts von Nachtigallen
„Aber nichts von Nachtigallen“ würde Jim Allison schreiben, wenn er dem Gefängnis entrinnen könnte, in dem eine Gruppe Widerstand leistender Häftlinge zu Tode gequält werden. In der Falle zu sitzen, eingesperrt zu sein, ohne Chance zu entkommen – seiner Herkunft, seinen Obsessionen, den Bedingungen des eigenen Selbst und der Übermacht allgemeiner Übereinkünfte: Dieses Gefühl beherrschte Tennessee Williams mehr als alles andere. Das Bild vom Lebensgefängnis mit den Beschreibungen gescheiterter Fluchtversuche ist in seinen Tagebucheintragungen, Briefen und frühen Schriften so häufig wie der leidenschaftlich immer neu angestimmte Ruf nach Freiheit, Unabhängigkeit und Leben, nach autonom gelebtem Leben. Keine Williams-Figur kann das…
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Hautnah
Patrick Marbers Theaterstück „Hautnah „wurde allein in deutscher Sprache vierzigmal inszeniert. Die Verfilmung durch Mike Nichols mit Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen ist als DVD im Handel. Marbers „Hautnah“ ist ein Diagramm der Empfindungsirritationen und Beziehungspraktiken seiner Generation, virtuos mit den bühnenwirksamen Mitteln der Komödie erstellt. Aber die Komik der aus Alltagsbanalitäten bezogenen Fabel ist rührend, weil sie Tragik hat. Das eigene subjektive Werturteil wird als genauso wenig verläßlich erfahren wie irgendein gesellschaftlicher Kodex, an dessen Stelle es getreten ist. „Hautnah“ beginnt und endet damit, daß ALICE von einem Auto angefahren wird. Für DAN, der einen…
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Treppe nach oben / Orpheus steigt herab
„Orpheus steigt herab“ ist die spätere, 1957 am Broadway uraufgeführte, Fassung von Tennessee Williams erstem kommerziell produzierten Theaterstück überhaupt, das 1940 in Boston Premiere hatte, „Battle of Angles“. Dieser „Kampf der Engel“, ein Kampf zwischen Gut und Böse, liegt dem Film „Der Mann mit der Schlangenhaut“, mit Marlon Brando als Orpheus, zugrunde. „Treppe nach oben“ ist zur selben Zeit entstanden wie „Battle of Angels.“ Sowohl Benjamin Murphy in „Treppe nach oben“ wie Valentine Xavier in „Orpheus steigt herab“ geraten aus ökonomischen Gründen in eine Lebensumgebung, in der sie Fremde sind. „Ich habe nur ein großes Thema für alles, was ich…
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Der Entertainer
Der Entertainer war Symbolfigur für die typisch englische Music-Hall-Kultur, so daß Osborne mit seinem Stück über den Niedergang der Music-Hall zugleich den Zerfall als typisch englisch empfundener Werte darzustellen vermochte. Weil Osborne die nationale Malaise jedoch als Familiengeschichte formuliert und, dank den Mitteln der Music-Hall-Dramaturgie, frei von Küchen-Realismus, erweist es sich heute, daß der Zerfall der Werte nicht nur typisch englisch war, sondern auch europäisch-abendländisch. Der >Entertainer< ist zu einem Stück des Welttheaters geworden, in dem sich beispielhaft die Verzweiflung über den Mangel an sinnstiftenden Ideen zeigt. Für Billy Rice, den alten Entertainer aus der Glanzzeit der Music-Hall ist sein…