Stück Kategorie: Farce

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    Im Kuckucksnest

    Eigentlich ist Dr. Justus Gerling, Anwalt der Kanzlei für Gewerblichen Rechtsschutz Gerling & Gerling, noch im Verlobungsmodus! Kommt er doch gerade von einem Kurztrip aus Venedig zurück, wo er sich mit seiner Sandkastenfreundin Helen Westen verlobt hat.

    Seinen letzten Urlaubstag möchte er nun mit seiner Tante Elly und seiner Ehefrau in spe gemütlich ausklingen lassen, doch da bricht das Schicksal in Gestalt der mädchenhaften Milena Fischer und des charismatischen Vince Wagner herein. Und dieser Klient hat es in sich! Als Inhaber eines Nachtclubs und Produzent von Erotikartikeln wird er vom Marktführer „Usus“ der Patentrechtsverletzung und Produktpiraterie in mehreren Fällen beklagt. Ein Fall für Dr. Justus Gerling, den Spezialisten für Plagiate!

    Ob Zufall oder Schicksal: Vince ist ein alter Bekannter von Justus‘ temperamentvoller Verlobten Helen aus Studienzeiten. Und die ist über das Zusammentreffen in der Kanzlei keineswegs erfreut, sondern würde Vince am liebsten direkt vor die Tür setzen. Es folgt ein Kuss, es kommt ein Brief, und die Büchse der Pandora wird geöffnet. Auf einmal geht es zu wie in einem Kuckucksnest, und Vince und Milena sind mittendrin in dieser Familiengeschichte!

    Trotz Tante Elly, die als guter Geist alles zusammenhält, geraten die Protagonisten in ein Wechselbad der Gefühle. Wussten sie eben noch um ihre Herkunft, behauptet ein DNA-Test plötzlich das Gegenteil. Was sicher war, scheint Lüge und Betrug gewesen zu sein.

    Einzig der Vater von Justus, auf einem Segelboot in Mikronesien unterwegs, könnte die Situation erhellen, ist aber telefonisch unerreichbar. So bleiben die Fünf allein mit Fragen wie: Ist Vater, wer Windeln wechselt oder wer seine DNA vererbt? Und wie weit darf ich gehen für mein Glück?
    Sie gehen weit! Sie sind mutig, unkonventionell, humorvoll und haben trotz unterschiedlichster Herkunft und in verschiedenen Milieus das Herz auf dem rechten Fleck.

    „Im Kuckucksnest“ ist ein freches Ensemble-Stück für fünf spielfreudige Darsteller mit einer Paraderolle für eine ältere Schauspielerin.

    Familienfarce

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    Tarelkins Tod *

    Kollegienrat Tarelkin, ein kleiner Gauner im russisch-zaristischen Staatsdienst, hat einen raffinierten Plan. Um seine Schulden loszuwerden, will er sich selbst sterben lassen und fortan unter dem Namen seines verstorbenen Nachbarn Hofrat Kopylow weiterleben. Doppelt genial: Als Hofrat Kopylow, der dann das Insiderwissen des Kollegienrats Tarelkin hat, kann er nach seinem offiziellen Tod ganz unverdächtig seinen ehemaligen Vorgesetzten – gemäß behördlicher Hierarchie ein noch viel größerer Gauner als er selbst – erpressen.

    Der ehemalige Vorgesetzte, ein Minister, ist jedoch nicht nur ein viel größerer Gauner als Tarelkin, er ist auch noch viel raffinierter. Der Minister durchschaut das so fein ausgeklügelte Spiel mit der Identität und lässt Tarelkin/Kopylow, die beide ja streng genommen tot sind, folgerichtig als Vampir verhaften. Damit aber schlägt die Stunde von Ermittlungsrichter Rasspljujew, dem nichts gelegener kommt, als die wenige und seltene Macht, die er hat, am armen Tarelkin genüsslich auskosten zu können…

    Beamtenfilz, Bestechung und Betrug: Am Ende der grotesken Satire „Tarelkins Tod“ ist natürlich nicht allein Tarelkin der Vampir – vielmehr ist er der Hanswurst, den es braucht, einer ganzen Gesellschaft von Vampiren den Spiegel vorzuhalten. Diese Gesellschaft hat die maximale Bereicherung auf Kosten anderer derartig zum obersten Funktionsprinzip erhoben, dass der Zuschauer von heute, in Zeiten von Steuerflucht und Börsencrash, wahrscheinlich zweimal hinschauen muss, um ihren historischen Charakter zu erkennen.

    Farce in 3 Akten

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    Die Kurve

    An der steilen, unbefestigten Kurve einer Gebirgsstraße stürzen permanent Autos ab, und stets verunglücken die Insassen tödlich. In der idyllischen Landschaft unterhalb der gefährlichen Kurve leben zwei Brüder, die von den regelmäßigen Unfällen leben: der eine repariert die abgestürzten Autos und verkauft sie, der andere hält auf dem eigens angelegten Friedhof kunstvolle Reden an den Gräbern der Unfallopfer.

    Eines Tages verunglückt an der Kurve ein für Verkehrsplanung zuständiger Ministerialdirigent, an den die Brüder immer wieder Eingaben gerichtet hatten, um auf die Gefährlichkeit der Straße hinzuweisen. Ausgerechnet er überlebt und verspricht, die Straße sicherer zu machen und für eine Entschärfung der Unfallkurve zu sorgen. Doch den Brüdern, die ihre Existenzgrundlage schwinden sehen, ist bei aller moralischen Entrüstung über die vielen Todesfälle an einer Veränderung der Situation wenig gelegen. Sie bringen den Beamten um. Die tödliche Idylle ist wiederhergestellt.

    Eine Farce

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    Der Wechsler

    Neue Köpfe braucht das Land! Im Kommunalwahlkampf einer westdeutschen Kleinstadt ist man vom Leerlauf des eigenen Systems gelangweilt. Da kommt Hansegon Steingarten, Rechtsanwalt aus dem Osten, gerade recht. Kaum hat der in trauter Champagnerrunde ein paar unbedarfte Floskeln zu „brachliegendem Bedarf“, „alten Gespenstern“ und „jungem Europa“ fallen gelassen, da sieht er sich auch schon an die Spitze der im Überschwang gegründeten „Partei der besseren Bürger“ gehoben, die mit dem unschlagbaren Slogan „Damit endlich alle reich werden – PDBB!“ in den Hinterzimmern der Macht ordentlich Staub aufwirbelt.

    Tatsächlich lernt Steingarten rasend schnell, sich trotz – oder gerade wegen – fehlender Demokratieerfahrung im Haifischbecken der Kommunalpolitik zu behaupten. Der „Held aus Bitterfeld“ entwickelt sich zu einem perfekten Redner, der mit vielen schönen Worten überhaupt nichts sagt, und einem geschickten Moderator der Interessen – vor allem der eigenen natürlich. Berauscht von seinem Höhenflug, verliert Steingarten jedoch jedes Maß: Bei dem Versuch, den neureich-verschuldeten Unternehmer Mosch und den altehrwürdigen Senator Breitling gegeneinander auszuspielen, verzockt sich der Newcomer aus dem Osten gehörig. Immer schneller dreht sich das Karussell der Macht, bis die Unterscheidung zwischen politischem Freund und Feind vollends verschwimmt und Steingarten schließlich den Überblick über seine eigenen Intrigen verliert. Nach einem finalen Knall steht der Emporkömmling wieder mit leeren Händen da.

    In seiner Farce über den wendehalsigen „Wechsler“ Steingarten ist Gert Heidenreich etwas gelungen, das nur wenigen in diesem Metier gelingt: Er hat der deutsch-deutschen Selbstbespiegelung mit einer immensen Portion Selbstironie den notorisch-teutonischen Ernst ausgetrieben. Am Ende hat die Westprovinz den Osten nicht einfach nur besiegt, sondern sie hat ihn sich einverleibt, ihn umgedreht und dann wieder ausgespuckt. Wer aber weiß, wie die Rache des Ostens aussehen wird? Sprich: Wird Hansegon Steinhagen eines Tages wiederkommen, vielleicht gar auf Bundesebene? Man darf gespannt sein.

    Farce nach Henrik Ibsens „Der Bund der Jugend“

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    Von Amts Wegen

    Seit Jahren feiert „The Magistrate“ in London in neuen Produktionen immer wieder Triumphe. Zweifellos gehört dieses ebenso heitere wie menschlich-tragische Stück um den philanthropischen Polizeirichter Aeneas Posket zu den großen Komödien der englischen Literatur.
    In bester Farcen-Tradition legt es die Schwächen der sogenannten ‚höheren‘ Kreise bloß, die, wie sich zeigt, keineswegs die ‚besseren‘ sind. Ohne Zynismus, aber mit der nötigen entblößenden Schärfe, werden Spießertum, Charakterschwächen, Doppelmoral und Ängste einer gesellschaftlichen Klasse vorgeführt, die nicht nur in England meint, Stütze der Gesellschaft zu sein.
    Pineiros perfektem dramaturgischen Arrangement ist es zu danken, dass im Zuschauer Schadenfreude unvermittelt mit Selbsterkenntnis wechselt. Am Ende sind – wie es sich für die Farce gehört – alle Beschädigungen mühsam beseitigt; man richtet langsam den Kopf wieder auf nach all den selbstverursachten Schicksalsschlägen – das Grundübel aber bleibt: die zwanghaft aufrecht erhaltenen Selbstbilder der ‚besseren‘ Kreise werden neue Lügen, neue Illusionen, neue kriminelle Energie hervorbringen. Das alte Spiel – die unverblichene Aktualität…

    Die Funktion des Polizeirichters („Magistrate“) ist im deutschen Recht nicht bekannt – er ist auch nicht identisch mit dem Friedensrichter der amerikanischen Justiz. Die deutsche Übersetzung stellt darum nicht das Amt in den Mittelpunkt, sondern den Charakter der Hauptfigur: ein Philantrop bringt sich mit seiner Menschenliebe, seinem Pflichteifer und seiner Angst vor eigener Bloßstellung an den Rand des Untergangs.

    Die psychologische Disposition des Helden und sein im Stück erklärtes Amt sind, wie in der Farçe üblich, nicht weiter begründete Setzungen des Theaters. Sie sind damit ebenso glaubwürdig wie etwa das Amt und der Charakter von Kleists Dorfrichter Adam, und man wird in „Von Amts wegen“ rasch ein englisches Gegenstück zum „Zerbrochenem Krug“ entdecken. Pineiro ist jedoch der deutschen Romantik theatralisch um jene englische Prise Unbekümmertheit voraus, mit der dem komischen Arrangement und Effekt immer und unbedingt Vorzug gegeben wird.

    Tatsächlich ist Pineros Stücken seine praktische Bühnenerfahrung bis in die Regieanweisungen hinein anzumerken, die einschließlich der exakt gezeichneten Grundrisse für die Bühnenbilder einen Autor zeigen, der beim Schreiben bereits auf imaginierten Brettern agiert. Szene und Dialoge sind eindeutig vom Schauspieler und seinen Möglichkeiten her gedacht. Der Nähe zur Theaterpraxis und der daraus entspringenden dramaturgischen Radikalität ist es denn wohl auch zu verdanken, daß Pinero noch bis etwa zum Beginn des ersten Weltkriegs nahezu unbestritten als der Größte unter den zeitgenössischen englischen Dramatikern angesehen wurde.

    Farce in 3 Akten

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  • 3
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    Sarahs Rache

    Ein amerikanischer Vorort, das Arbeitszimmer des Bestattungsunternehmers Hiob Ben Israel. Hier hat Hiob einstmals als „Cleaner“ für ein Verbrechersyndikat zahlreiche Leichen verschwinden lassen; hier geht er, inzwischen in die Jahre gekommen, auf Drängen seiner Frau nur noch legalen Geschäften nach. Doch der romantische Ruhestand ist in Gefahr, über Hiob droht die Welt zusammen zu brechen. Für die Krebsbehandlung seiner Frau hat Hiob heimlich eine Menge Geld beim berüchtigten Mafioso Walter leihen müssen und mit seinem Leben dafür gebürgt. In anderthalb Stunden ist die Frist abgelaufen und Hiob aber noch immer nicht in der Lage, seine Schuld zu begleichen.

    Doch wie durch ein Wunder scheint sich ein Ausweg zu bieten: Hiobs alter Freund Joseph bittet ihn, dessen kürzlich verstorbene Tochter für einen Beerdigungszug im offenen Sarg zurecht zu machen – und zwar möglichst in anderthalb Stunden und für genau die Summe, die Hiob Walter schuldig ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit und auf Leben und Tod beginnt. Zumal die verstorbene Tochter so recht tot nicht sein will…

    Thomas Mauls Komödie besticht durch die Schlagfertigkeit ihrer Figuren, Wortwitz, rasantes Tempo und eine raffinierte Handlung. Es ist, als hätten die Coen-Brüder und Woody Allen gemeinsam eine Screwball-Comedy verfasst.

    Komödie in 20 Szenen

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    Romanze

    Mamet knüpft hier an die farcenhaften Elemente seines Stückes „Bobby Gould in der Hölle „und seines Drehbuchs „Wag the Dog „an. Und führt schon mit dem Titel den Zuschauer in die Irre. Wie in den meisten Stücken Mamets gibt es auch hier keinerlei Exposition; der Zuschauer wird mitten in die Handlung geworfen, mit einer bereits laufenden Geschichte konfrontiert. In diesem Fall mit einer Gerichtsverhandlung.

    Fünf Männer im Clinch. Ein Angeklagter wird vom Staatsanwalt vernommen und gibt sich verstockt; er will weder bestätigen noch leugnen, daß es sich um seine Unterschrift handelt; und was der Buchstabe B, gefolgt von einem Liebesherzen, durchbohrt von einem Pfeil und dem Wort Hawaii, bedeuten, mag er schon gar nicht sagen. Der Verteidiger greift eher glücklos ein. Und der Gerichtsdiener greift seinem ebenso allmächtigen wie überdrehten Richter medikamentös und auch sonstwie unter die Arme. Denn der Richter leidet an Heuschnupfen und ist auch sonst nicht gut auf die Welt zu sprechen. In der Stadt finden augenblicklich Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern statt, und es ist aufgrund von Demonstrationen zu Verkehrsbehinderungen gekommen.

    Die Personen sind Charaktermasken. Der jüdische Angeklagte ist unzufrieden mit seinem christlichen Verteidiger, der christliche Verteidiger unzufrieden mit seinem Mandanten. Und beide holen in einer persönlichen Auseinandersetzung zum Rundumschlag aus, bei dem kein Tabu ungebrochen bleibt. Als der Anwalt, in seiner Berufsehre gekränkt, den Berufsstand des Chiropraktikers beleidigt, kommt dem die rettende Idee, wie Frieden im Nahen Osten geschaffen werden könnte: durch Wirbeleinrenkung, die Stabilisierung des Rückgrats der Beteiligten.

    Auch der Prozess gegen den Angeklagten kommt erst durch persönliche Beschimpfungen richtig in Fahrt. Der Geliebte des Staatsanwalts, halbblind nach Verlust seiner Kontaktlinsen, erscheint im Gerichtssaal und erkennt die Stimme des Angeklagten: „Georg Bernstein, du Schweinehund!“ Unter diesem Namen hatte er sich mit seinem Bunny Häschen Bernard auf Hawaii amüsiert, sich dann aber verdrückt, als ihm seine Frau auf die Seitensprungschliche gekommen war. Während der Richter völlig durchknallt, der Gerichtsdiener praktisch das Verfahren leitet und so lebenswichtige Fragen erörtert werden, ob Shakespeare schwul, Jude oder beides gewesen ist, kommt ein Arzt und gibt dem Richter eine Spritze, der daraufhin kraft seines Amtes verkündet, daß ein angebrannter Topf durch Einweichen im Wasser mit Natron wieder sauber wird, ausgenommen Kupferpfannen. Womit auch der häusliche Streit zwischen dem Staatsanwalt und seinem Geliebten Bernard, der den Braten hatte verschmoren lassen, geschlichtet ist.

    Ein Stück der aberwitzigsten Kapriolen, Pointen, Verwirrungen, Abweichungen, verfügt und verknüpft durch Mamets Dialog- und Beschimpfungskunst, die nicht im Geringsten an Wahrscheinlichkeit interessiert ist, dafür aber keine Heuchelei ungeschoren läßt.

    Farce in 4 Szenen

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  • Kundendienst

    Wenn ein Mann gleichzeitig mit drei Frauen verheiratet ist, dann ist er eigentlich gestraft genug. Aber Gilbert Dumont wurde deshalb auch noch zu Gefängnis verurteilt. Von mir ist er nicht verurteilt worden, denn ich weiß, dass Gilbert im Grunde nichts für seine mehrmaligen Besuche beim Standesbeamten kann, sondern Monsieur Lavallet (Lavallet Frères, alles für die Schönheit der Damen) und Denise, seine von ihm heißgeliebte Ehefrau. Gilbert dachte seit seiner Hochzeit nur an sie und vernachlässigte seine Kundschaft. Er machte zu wenig Umsatz, so dass er beinahe rausgeworfen wurde. Sein Chef gab ihm den Rat, sich doch etwas weniger um Denise, sondern mehr um seine Kundinnen, die Einkäuferinnen der großen Unternehmen, zu kümmern, sie mal einzuladen, zum Essen und Tanzen und so weiter. Aber dieses Undsoweiter erschreckte Gilbert, oder besser gesagt, er war entsetzt über diesen sozusagen erweiterten Kundendienst. Doch Denise fand das Undsoweiter gar nicht so schlimm, ohne an die Folgen zu denken. Ihr Mann würde ja alles, was er tut, nur für sie tun. Hauptsache, er verdiente endlich mal mehr Geld.

    Gilbert gab sich einen Ruck, plünderte sein Sparschwein, kleidete sich chic ein, um schon durch sein Äußeres bei den Kundinnen Eindruck zu machen. Und er machte Eindruck. Und von Kundin zu Kundin gewann er mehr Selbstvertrauen. Er setzte ohne Scham seinen Charme ein. Und er kam an, seine Orderblätter füllten sich, und sein Chef strahlte zufrieden.

    Die Blicke der Einkäuferinnen wurden immer liebenswürdiger, sie spürten instinktiv, an diesem Gilbert muss was dran sein, sein Charme und das andere auch. Zwei Chefinnen von großen Firmen verliebten sich in ihn und machten Riesenbestellungen. Dafür musste Gilbert auch im Bett der Damen Gastspiele geben. Sein Chef baute eine neue Fertigungshalle und verdiente soviel, dass er sich gestattete, sich von seiner „geliebten“ Frau zu trennen.

    Nach einer gewissen Zeit wurde die Situation dramatisch. Gilberts beide besten Kundinnen wollten ihn für sich allein, sozusagen exklusiv. Aber nicht nur das, sie wollten ihn auch noch heiraten. Gilbert hatte Gewissensbisse, aber er wusste, dass eine Ablehnung riesige Umsatzverluste bedeuten würde und seine Denise, die sich gerade einen neuen Sportwagen bestellt hatte, sollte nicht unter seinen Schwierigkeiten leiden. So sah er sich gezwungen, nicht nur mit Madame Isabelle, sondern auch mit Jeanne Renard zum Standesamt zu gehen.

    Nun musste er sich seine Zeit einteilen. Dass er Vertreter war und viel unterwegs sein musste, kam ihm dabei gelegen. Zwei Tage in der Woche war er Isabelles Gatte, zwei Tage Jeannes Gemahl und zwei Tage der richtige Mann seiner richtigen Frau. Eine Weile ging das gut, aber dann musste er ins Krankenhaus, sich die Mandeln rausnehmen lassen, und durch einen Fehler seines Pflegers kam heraus, wo er lag. Und weil er liegen musste, musste er sitzen. Denn seine drei Frauen besuchten ihn natürlich, lernten sich kennen, und jede merkte, dass sie nicht die einzige war. Wütend zeigten sie Gilbert an, und nun saß er im Knast, verständnisvoll betreut von Thibaut, dem Gefängniswärter, dem er alles erzählt hat, was wir erleben. Aber dann passierte etwas Merkwürdiges. Seine einst auf ihn so wütenden Frauen schrieben ihm Liebesbriefe, jede wollte ihn abholen und „heimholen“, und vor dem Gefängnistor stießen sie mit ihren Autos zusammen.

    Gilbert musste das Gefängnis durch die Hintertür verlassen, um zu der Frau zu gelangen, die er auf seinen Reisen kennengelernt hatte und die an ihn keine standesamtlichen Bedingungen stellte.

    Eine Farce

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    November

    Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken. So auch der Staat. So auch in „November.“ Ein schicksalsträchtiger Monat in den USA, wird doch am vierten Donnerstag im November Thanksgiving gefeiert, das lange Truthahn-Dinner ein Prüfstein für so manche strapazierten Familienbande. Und am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November finden alle vier Jahre die Präsidentschaftswahlen statt. Mamet hat über diese heiligen Kühe eine Farce verfaßt. In allem Ernst. Denn was wir immer geahnt haben, seit Nixon mit Kissinger zum Beten auf die Knie gesunken ist, um gleich darauf in wüsteste Flüche zu verfallen: Das Weiße Haus ist auch nur eine Pension Schöller. Und jedes Irrenhaus ist, wie wir seit Peter Weiss wissen, auch zeichenhaft, allegorisch zu lesen. Und jede Farce sowieso.

    Der amtierende US-Präsident Charles Smith sieht eine Woche vor der erhofften Wiederwahl seine Felle davonschwimmen. Die Umfrageergebnisse im Keller, die Wahlkampfkasse leer; es hat nur noch für zwei TV-Spots gereicht. Seine Parteifreunde rücken von ihm, dem wahrscheinlichen Loser, ab und wollen kein Geld mehr rausrücken. Nicht einmal eine Bibliothek, die, wie er meint, jedem scheidenden Präsidenten verfassungsmäßig zustehe, wollen sie ihm spendieren. Und nein, die Couch aus dem Weißen Haus darf seine Frau Cathy nicht mitnehmen.

    Geld muss her. Da kommt der Vertreter des Verbandes der Truthahnzüchter gerade recht. Ist es doch seit dem Zweiten Weltkrieg so Sitte, daß der Präsident medienwirksam einen Truthahn begnadigt, wofür der Verband Geld spendet. Fünfzigtausend Dollar aber machen den Kohl nicht fett. (Der einzige Hinweis auf den nicht wieder wählbaren augenblicklichen Amtsinhaber ist ein Kalauer: „bourgeois“ wird phonetisch zu „BUSHwas“.) Diesmal kommt der Truthahn-Heini mit zwei Vögeln, da im letzten Jahr einer kränkelte; sofort steigt der Preis auf einhunderttausend Dollar. Und sofort setzen Hochrechnungen ein; wenn ein Pfund Truthahn an die zwei Dollar kostet, wenn mindestens einhundert Millionen Amerikaner zu Thanksgiving Truthahn essen, könnte doch der Verband zweihundert Millionen („cash“) springen lassen. Wenn nicht, so droht der Präsident, wie immer bei Hochverrat, mit Verbannung nach Bulgarien.

    Als der Truthahn-Heini nicht auf den Deal eingeht, sucht der Präsident nach anderen Geld- und Nahrungsquellen. Wie wär’s mit den Schweinefleischproduzenten? Aus historischen Quellen könnte doch belegt werden, daß die Pilgerväter zu Thanksgiving Schwein gegessen haben. Und sofort kommt der Schweinezüchterverband ins Spiel. Als auch das nichts bringt, kommt Smith auf die Idee: Die Pilgerväter könnten doch Thunfisch gegessen haben. Und er ruft sofort den Native American Dwight Grackle an; der will aber nur etwas unternehmen, wenn er und sein Stamm der Micmac die Insel Nantucket zurückerhalten, die ihnen eigentlich seit dem Porcupine (Stachelschwein) Cove Vertrag gehört; dort soll dann, wie bei Indianern inzwischen üblich, ein Spielcasino errichtet werden. Klappt aber auch nicht.

    Währenddessen ist die von Smith und Brown so arg vermißte Redenschreiberin Clarice Bernstein aus China zurückgekehrt, wo sie ein Baby weiblichen Geschlechts „gekauft“, also adoptiert hat, das sie mit ihrer Partnerin Daisy zur Familienbildung haben wollte. Bernstein niest andauernd; hat sie aus China etwa auch die Vogelgrippe eingeschleppt, wie der Truthahn-Heini befürchtet? Ms. Bernstein will auf die Wünsche ihres Dienstherrn nach einer knackigen Wahlkampfrede nur eingehen, wenn er sie mit ihrer Partnerin Daisy verheiratet, also zwei Lesben traut. Vor den Fernsehkameras der Nation. Als das der Truthahn-Heini erfährt, zieht er die inzwischen genehmigte Spende von zweihundert Millionen Dollar zurück.

    Alles scheint zu platzen, denn auch die beiden Truthähne können nicht mehr begnadigt werden – sie sind inzwischen tot. Krepiert nicht an der Vogelgrippe, sondern verendet, weil die Scheinwerfer zu heiß waren. Alles scheint umsonst gewesen zu sein.

    Doch da naht quasi als reitender Retter Dwight Grackle, um sich am Präsidenten für dessen Beleidigungen am Telefon zu rächen. Er schießt aus seiner vermeintlichen Friedenspfeife einen Giftpfeil ab, trifft aber Bernstein, die sich für ihren Dienstherrn in die Bresche wirft und tot zu Boden sinkt. Stellt sich heraus, das chinesische Amulett hat ihr das Leben gerettet.

    Versöhnung auf ganzer Linie. Smith wird Bernstein mit Daisy trauen, auch wenn es gegen das Gesetz ist. Executive power eben. Und Dwight und die Micmac Nation erhalten Nantucket zurück, um dort mit Charles Smith ein Casino zu errichten. Deshalb lauten die letzten Worte des noch eine Woche das Amt bekleidenden Präsidenten, es sind die letzten Worte des Stücks: „Jesus, I Love this Country!!!“ Und so kommt zum guten Ende alles unter einen Hut; ist das nötige Geld vorhanden, wird am Ende alles gut.

    Farce in 3 Akten

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    Brauchen wir Kafka?

    Kulturredakteur Prof. Kurt Kraemer steht vor einer schweren Entscheidung, vielleicht der schwersten: Rund sechstausend Bücher umfasst seine Bibliothek, doch ein Umzug steht an, die von der Großfamilie bewohnte Villa ist verkauft. Die Eltern sollen abgeliefert werden im Seniorenpark „Hesperiden“ – für Schwiegermutter Lissy ein „Grabhügel der Edelklasse“. Und Kurt selbst plant mit seiner Frau Doris ein beschauliches Leben mit Whirlpool und Seeblick in der Residenz Sanssouci. Im neuen Heim ist jedoch allenfalls Platz für sechshundert Bücher. Von Kant bis Marcuse und Böll – meterweise deutscher Geist müssen verhökert werden. Natürlich zu einem der Geisteshöhe angemessenen Preis.

    Doch gibt es nichts Unverkäuflicheres als eine gute Theorie. Schon beim Aussortieren der abzugebenden Bücher droht Kraemers Ehe mit der Telenovela-versessenen Doris zu kollabieren – zu viele Lebenslügen und Affären liegen zwischen den staubigen Buchdeckeln verborgen. Und Antiquar Peter von Kranzfelder, der mit seiner allzu hübschen Assistentin Myrthe anrückt, stellt sich als knallhart kalkulierender Kulturpessimist heraus, der flötend das Ende der Literatur verkündet. Er handelt den Preis für das leinengebundene Kulturerbe so weit herunter, bis er für die Übernahme der Bibliothek auch noch bezahlt werden will…

    „Brauchen wir Kafka?“ von Gert Heidenreich ist eine deftig-scharfzüngige Farce über das absolut endgültige Ende des Gutenberg-Zeitalters. Wo die Fernseher immer größer werden und die Regale immer kleiner, wo die grassierende Digitalisierung die Gedanken bis zur Unkenntlichkeit verflüchtigt, da bleibt dem guten alten Buch nur der Weg ins museale „Sanssouci“. Oder die Resterampe. Doch es gibt auch Hoffnung in Heidenreichs turbulentem Kampf gegen den Untergang des Abendlandes – sie ruht ausgerechnet auf Kraemers Cocktail schlürfender Schwiegermutter Lissy und einem Vertreter der Facebook-Generation: Sohn und Enkel Jomo, der unerwartet als Lebenskünstler mit einer erstaunlichen Ehefrau auftaucht.

    Farce

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