Stück Kategorie: mit Musik

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    Damen

    Ahoi! Lale Andersen – Leben Lieben Lieder

    Wer erinnert sich nicht an die großen Erfolge: „Ein Schiff wird kommen“, „Blaue Nacht am Hafen“, „Der Junge an der Reling“, „Backbord ist links“, „Wo de Nordseewellen trecken an den Strand“? Wer kennt nicht ihr Lied „Lili Marleen“, das die Kraft hatte, den Zweiten Weltkrieg nachts für kurze Zeit anzuhalten und das zum Synonym für sie selbst wurde? Für all das steht Lale Andersen, eine bedeutende Künstlerin Deutschlands. Lale Andersen erzählt, singt ihre Lieder und berichtet in Tagebuch-Kladden über sich.
    Das Leben der Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg, so ihr bürgerlicher Name, blieb nicht ohne Brüche, die dieser Theaterabend reflektiert.
    Wie verlief ihre Karriere nach dem schwierigen Anfang der 30er Jahre in Berlin, wo sie mit Brecht-Songs ihren Aufstieg zu starten versuchte und wo sie mit plattdeutschen und Liedern von der Waterkant reüssierte? Welche tiefen Gefühle fesselten sie an den Komponisten Rolf Liebermann, später Intendant der Hamburger Staatsoper? Weshalb bekam ‚Lili Marleen‘ ein Auftrittsverbot des Propagandaministeriums? Wie überlebte Lale Andersen den Krieg? Was bedeutete ihre tiefgreifende Karriere- und Lebenskrise nach den großen Erfolgen während der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit? Wie besiegte sie ihre schwere Krankheit?

    AHOI! – Mit diesem Seemannsruf sprach sich Lale Andersen selbst Mut zu. Sie starb 1972 in Wien und wurde auf dem Dünenfriedhof Langeoog beigesetzt. Lale Andersen, die „Nordsee persönlich“, ein Mädchen aus Bremerhaven, verlässt jung ihr Elternhaus, um zu heiraten. Sie flieht früh aus der Ehe mit drei Kindern in die ‚Welt der Künste‘ nach Berlin. Die Liebe zu Rolf Liebermann zieht sie in die Schweiz, aber ohne Aufenthaltserlaubnis muss sie zurück nach Kriegs-Deutschland. Sie geht aus finanzieller Not zur Truppenbetreuung, erhält Berufsverbot des Propagandaministeriums wegen ‚Lilli Marleen‘, flieht aus dem Krieg auf die Insel Langeoog und in eine neue Ehe. 1961 vertritt das ‚Mädchen aus Piräus‘ Deutschland beim Grand Prix in Cannes.

    AHOI! LALE ANDERSEN – LEBEN LIEBEN LIEDER ist ein außergewöhnlicher Theaterabend für eine ebensolche Künstlerin

    Wer erinnert sich nicht an die großen Erfolge: „Ein Schiff wird kommen“, „Blaue Nacht am Hafen“, „Der Junge an der Reling“, „Backbord ist links“, „Wo de Nordseewellen trecken an den Strand“? Wer kennt nicht ihr Lied „Lili Marleen“, das die Kraft hatte, den Zweiten Weltkrieg nachts für kurze Zeit anzuhalten und das zum Synonym für…

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    Damen
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    Herren

    Träume

    Für die einen ist Heimat so etwas wie eine „innere Schwerkraft“, etwas, das erdet und verortet. Für die anderen ist sie ein Klotz am Bein, die Bürde, die am Weiterkommen hindert. Fragte man Sandra und Martin, was ihnen Heimat bedeutet, würden sie einander vermutlich ratlos ansehen. Sandra und Martin sind auf dem Hof aufgewachsen, dem Hof ihrer Eltern, wobei letzteres zumindest für Martin keine Gewissheit ist. Irgendeinen Grund muss es schließlich geben, dass die Mutter ihn so schlecht behandelt. Denn der Vater war ein wilder Hund, damals, in den Achtzigern, als er mit dem Mercedes-Bus und den Schallplatten über Land gefahren ist und den Damen das Herz versprochen hat. Und dann noch die Tante – die Schwester. Über allem ein personifiziertes und ebenso an- wie abwesendes Erbteil. Denn es geht ums Haben durch ein Sein. „Wer mir als erste einen Schwiegersohn bringt, soll es sehr gut haben.“

    Es ist ein einfacher Plattenspieler, um den sich die Figuren scharen, mit dem sie ihre Erinnerungen verbinden und auf den sie ihre unerfüllten Träume projizieren. Wenn er erklingt, wechselt das Blatt, jede Platte eröffnet eine neue Szene. Die Platten jedoch sind unbeschriftet, wie das Schicksal. Ihre Auswahl ist zufällig, und entsprechend gestaltet sich der Spielverlauf an jedem Abend neu.

    „Nicht diese Lügen, Sandra! – Die anderen. Die schlimmen. Die schweren. Die, die einen enttäuschen, die einem die Worte nehmen. Ein Geheimnis, das nicht zwischen, sondern in den Menschen steckt, so besonders und wertvoll ist es. – Verstehst Du mich?“

    „Träume“ erinnert an das populäre Genre „A Play with Songs“, weist aber in seiner Spielanordnung über die klassischen Spielkonventionen hinaus. Jeden Abend fallen die Würfel neu, wird das Fatum aktiv herausgefordert, setzen sich die Schauspieler einer überraschenden Biographie ihrer Figuren aus. Umso unmittelbarer erleben wir gemeinsam ihre und unsere „Träume“.

    „Träume“ aber ist kein Wittenbrink-Abend. Hier wird nicht gemeinsam aus vollem Halse gesungen. So richtig musiziert einzig und allein der Plattenspieler. Die Machina also steht auf der Bühne, während „ihr“ Deus ungreifbar bleibt. Harmonie aus den Vinylrillen. Die gnadenlose Gerechtigkeit der reproduzierten und reproduzierenden Künste taktet als unerbittliches Metronom den Abend, das Erlebnis und die Figurenbeziehungen. Und die Musik ist nichts, was in der Gegenwart verbindet, sondern vielmehr etwas, das trennt. Perfiderweise vollzieht sich diese Trennung gerade über ihr Gegenteil: indem sie die gemeinsamen, ja glühenden Momente der Vergangenheit heraufbeschwört, erinnert sie an ein gewesenes Ich mit all seinen Träumen, Hoffnungen und Zukunftsgespinsten und lässt die innere Vereinsamung umso unmittelbarer erfahren. Denn der Zugriff auf diese einstige Identität ist verwehrt, die Zwischen-Zeit erweist sich als unüberwindlicher Block. Übrig bleibt ein Passé-Ich voller enttäuschter Möglichkeitsformen. Und genau darum ist „Träume“ ein Stück Zukunft.

    Ein Schauspiel mit Musik

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    Damen
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    Herren

    Lang

    Eine geschlossene Gesellschaft dreier Wiener aus der Spätzeit der K.u.K.-Monarchie, die unfreiwillig zusammentreffen, weil das Gesetz es so will: Ein DOKTOR der Medizin, der die staatliche Ordnung vertritt, die über Tod und Leben entscheidet, ein öffentlich bestellter Henker (LANG), der das Töten von Menschen als einen Beruf wie jeden anderen versteht, und ein namenloser Delinquent (BURSCHE). Ebenso wie der DOKTOR versteht sich LANG als rechtschaffene Person, die vollstreckt, was das Gesetz vorschreibt. LANG übt seinen Beruf tadellos aus, ja „human“, da auf der Grundlage einer Rechtsordnung, „die ganz im Zeichen eines aufgeklärten, christlich geprägten und vernünftigen, praktischen Humanismus steht.“ Den beiden Honoratioren ausgeliefert ist der junge BURSCHE, der weiß, dass er den Raum in der Gesellschaft mit diesen beiden ehrenwerten Herren nicht mehr lebend verlassen wird.
    LANG versteht es, sich geschmeidig zu bewegen zwischen dem Schwadronieren des bräsig, selbstgefällig daherkommenden DOKTORs und dem BURSCHEN, der nichts mehr zu verlieren hat als seine Vision von einem Sozialrebellen. Gegen die unausweichliche Front der todbringenden Liaison von DOKTOR und LANG versucht der zum Tod durch Erhängen verurteilte Delinquent, sich mit dem letzten Mittel zu behaupten, das ihm noch zur Verfügung steht: der Sprache. Von der wienernden Tonart wechselt der BURSCHE ins Hochdeutsche.
    Diese rhetorische Distanzierung erlaubt ihm, sich als Revoluzzer zu gebärden und sich mit beißender Ironie und sezierendem Blick über den DOKTOR als Personifikation staatlicher Gewalt und über LANG als zu deren Vollstreckung beauftragter Scharfrichter zu erheben.
    Dies kann ihm kaum gelingen, im Gegenteil, der DOKTOR und LANG geben sich Stichworte, und leben damit auf, bis an die Grenze des Erträglichen, wenn sie in einem unausgesprochenen Understatement ihren sadistischen und masochistischen Todesfantasien freien Lauf lassen können. Auch der BURSCHE, das Opfer, läßt gegen Schluß keinen Zweifel mehr daran, wozu er fähig wäre, wenn er die Situation umkehren könnte.
    LANG, die Hauptfigur, versteht es perfekt, seine Position gleichsam zu neutralisieren. Er kann es sich leisten, nach zwei Seiten hin „Verständnis“ zu zeigen. Sowohl für den DOKTOR als auch für das letzte Aufbegehren des BURSCHEN hat er ein Ohr, aber deren Meinungen fechten ihn nicht an. LANG kennt den Ablauf und weiß um dessen Ausgang und riskiert nichts, wenn er zwischen DOKTOR und dem BURSCHEN hin und her laviert, mit dem Schein gleichgültiger Empathie und für die Dauer von nicht mehr als einer „Gnadenfrist“.
    Dieser Abend mit Musik liefert ein Porträt der Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts, durchsetzt mit Wien-Klischees, deren scheinbare Harmlosigkeit umso krasser die Gewalt hervortreten lassen, mit der eine Rechtsordnung die Todesstrafe per Gesetz legitimiert.
    Welches Menschenbild in welcher sozialen Ordnung ist heute aktuell?

    Ein Musikalischer Abend

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  • Mr. S

    „Man lebt nur einmal, und einmal reicht auch, wenn man so lebt wie ich.“ Frank Sinatra

    Frank Sinatra war ein Mann der Superlative. Für Millionen von Fans gilt er als größter Entertainer aller Zeiten, der mit Songs wie „New York, New York“, „Strangers in the Night“ und „My Way“ unsterblich wurde. In ihren Augen ist er auch der großzügige Wohltäter und romantische Liebhaber. Aber Frank Sinatra polarisierte nicht nur zu seinen Lebzeiten, und so sehen auch heute noch viele in ihm einen angepassten Schnulzensänger, einen zu Gewaltausbrüchen neigenden Macho und Kriminellen mit besten Kontakten zur Mafia.

    Frank Sinatras ständiger Begleiter, Butler William, präsentiert in diesem Bühnenportrait mit 25 Songs bisher ungesehene Einblicke in das persönliche, wilde, zerrissene Leben seines Chefs.
    Im Hollywood der Fünfziger Jahre erlebt William Adams Sinatras gescheiterte Karriere und Privatleben, dann aber auch Sinatras Comeback. In den Sechziger und Siebziger Jahren hat Sinatra einen noch nie da gewesenen Erfolg als Entertainer, Sänger und Schauspieler. William ist immer an seiner Seite und kümmert sich um alles. Er lernt alle Berühmtheiten von Hollywood, Las Vegas, Palm Springs und New York kennen und erfährt dabei manches Geheimnis über Humphrey Bogart, Marlene Dietrich und Greta Garbo. Er plaudert vertraulich mit Sinatras Ex-Frau Ava Gardner. Er lernt die Verführungskünste Marilyn Monroes kennen, führt ihren Hund Maf aus und hört sich die unglaublichen Frauengeschichten John F. Kennedys an. Einmal spielt er sogar mit Mafia-Boss Sam Giancana Golf, obwohl er gar nicht Golf spielen kann. William kümmert sich auch um Sinatras dritte Ehefrau, die dreißig Jahre jüngere Mia Farrow, die gegen den Vietnamkrieg protestiert, während Sinatra in der Midlife-Crisis steckt und den Vietnamkrieg unterstützt. Das Filmprojekt „Rosemaries Baby“ von Polanski entzweit sie.

    Mit seinem Idol und Gönner erlebt Butler William auf der Bühne noch einmal ein Stück amerikanischer Geschichte – nicht nur des Showbusiness – und alle großen Hits von Frank Sinatra.

    Frank Sinatra – Ein musikalisches Porträt

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  • August August, August

    August August, August (Vorname Name, Beruf) hat einen Traum: er möchte die acht weißen Lipizzaner dressieren und wird dafür von dem Stallmeister mit Ohrfeigen zur Raison gebracht, weil jener Auftritt seit eh und je die Paradenummer des Herrn Direktors ist. Der gottähnliche Direktor verspricht es dem August jedoch gütig, falls er Dreierlei vorweisen könne: eine Visitenkarte, eine Familie und schließlich einen Zirkus. Augusts Phantasie bewältigt die Aufgabe und erfüllt die Bedingungen; er zaubert nicht nur eine riesengroße Visitenkarte in der Form eines Kalenders (Monat August) hervor, sondern auch eine Augustfrau, einen Augustschwiegervater und ein Augustkind. Als August also alles gelungen ist, was der Direktor ihm an unerfüllbaren Aufgaben aufgetragen hat, erfüllt dieser sein Versprechen auf eine niederträchtige Weise: Statt Pferden kommen Tiger in die Manege. Fröhlich marschiert der Zirkus über die blutigen Kostümfetzen der Schlussparade.

    1967 kam Pavel Kohouts Zirkus-Parabel zur Uraufführung und erzählte im politischen Frühling Prags beispielhaft von jenem – oft blutigen – Missbrauch von Phantasie und Wunschtraum durch Autoritäten. Aber seinen „August“ wollte der Autor nie nur für seine Zeit verstanden wissen, und daher ist die bittere Lebensanalogie im clownesken Gewand auch heute noch so politisch wie eh und je, handelt es sich doch um „ein Stück von der Macht eines unbändigen Traums, der nur zusammen mit dem Träumenden zu zerstören ist.“

    Eine Zirkusvorstellung in zwei Teilen

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    Der Krieg mit den Molchen

    Ein antiker Chor von Reportern und Journalisten der ganzen Welt, die Entwicklungsphasen der Geschichte miterlebt haben, rekonstruiert und kommentiert in einer Direktübertragung den Weltuntergang, nachdem nur noch die letzten Gipfel Europas aus dem Wasser ragen. Eine Geschichte von kleinen fleißigen Tierchen wird erzählt, die zwischen den beiden Weltkriegen von einem tschechischen Kapitän auf den Galapagos-Inseln entdeckt und von einem internationalen Trust zur Ware gemacht werden, die die Welt grundsätzlich veränderte. Als billige Arbeitskräfte und später Soldaten übernehmen sie schnell das Know-how der Menschheit und fordern sie schließlich auf, das gesamte Festland aufzugeben, da Molche nur in seichten Gewässern leben können. Im Mittelpunkt des vielfältigen Geschehens steht ein Portier, der einst dem Kapitän die erste Tür zu seinem Chef, einem jüdischen Großunternehmer, geöffnet hatte und sich deswegen mitverantwortlich fühlt – zuerst für den Ruhm, dann für den Niedergang des Planenten.
    Pavel Kohout hat Čapeks satirischen Science-Fiction Roman für die Bühne adaptiert und beweist, dass der Roman, der mittlerweile auf der UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke steht, nichts von seiner klugen Brisanz eingebüßt hat.

    Musical-Mystery in zwei Teilen

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    Der Star mit dem Stern

    Kurt Gerron, der Tiger Brown der Uraufführung von Brechts „Dreigroschenoper“ 1928 in Berlin, eröffnete die Vorstellung mit dem Mackie-Messer-Song. Die Aufführung wurde ein theatergeschichtlicher Erfolg von internationaler Bedeutung und Kurt Gerron ein Star. Als Zauberkünstler in Josef von Sternbergs Ufa-Tonfilm von 1930, „Der blaue Engel“, ist Kurt Gerron einem breiteren Publikum heute noch am ehesten erinnerlich. In den darauf folgenden drei Jahren dreht er 26 Filme, 13 als Schauspieler, 13 als Regisseur. 1932 heißt es im „Film-Kurier“: „Seine Filme sprühen vor Leben, sie sind von einem Menschen gemacht, der die Welt mit wachen Sinnen sieht, dem das Filmen augenscheinlich höllischen Spaß macht und der die wichtige Eigenschaft besitzt, dass das, was ihm gefällt, auch dem Publikum zusagt.“

    Ein Jahr später darf dem Publikum nicht mehr gefallen, was ihm gefällt, jedenfalls nicht, wenn Kurt Gerron im Spiele ist. Am 1. April 1933, Tag des Judenboykotts, platzt mitten in die Dreharbeiten zu seinem Film „Amor an der Leine“ gegen Mittag der Produktionsleiter und verkündet, wer nicht ein tadelloser Arier sei, habe sofort das Atelier zu verlassen. Mit einem Parteiregisseur wurde weitergemacht und die Traumpaar-Karriere Magda Schneider/Wolf Albach-Retty unter dem Titel „Kind, ich freu’ mich auf dein Kommen“ gestartet.

    Zur Tragödie wurde Gerrons letzte Regie, in Theresienstadt, 1944. Nach Jahren konnte er endlich wieder drehen. Es war die gekonnte Realisierung einer teuflischen Idee: Ein Werbefilm über das humane KZ, in dem die Juden unter sich sein durften, mit Konzerten und Fußballspielen, Tomatenzucht und Kabarett. Wer beim Pflegen der SS-Gärten auch nur eine Tomate einsteckte, wurde erschossen – nicht vor der Kamera natürlich. Gerron musste auch seine Auftritte als Moritatensänger in der „Dreigroschenoper“, die ihn international zum Begriff gemacht hatten, im „Karussell“, seiner Theresienstädter Kabarettbühne, nachstellen und verfilmen: Und der Haifisch, der hat Zähne… Nach jeder Szene, die abgedreht war, wurde, wer auf dem Streifen zu sehen war und nicht mehr benötigt wurde, nach Auschwitz ins Gas geschickt – nach zwölf Drehtagen auch sein Regisseur Kurt Gerron.

    Charles Lewinsky erzählt in seinem Roman „Gerron“ die Geschichte dieses Lebens von seinem Ende her. Gerron als Ich-Erzähler ringt mit der Entscheidung, den Auftrag des SS-Kommandanten Rahm für einen Film über das KZ Theresienstadt abzulehnen oder nicht. Natürlich hat er keine Wahl, aber er formuliert alle Gründe des Für und Wider, wie sie sich uns in gefahrlosem Nachdenken darüber heute aufdrängen. Lewinsky lässt Gerron seine Geschichte so erzählen, wie er sie selbst an den Wendepunkten seines Lebens gerne erlebt hätte, um dann mit der Schlussfolgerung „Aber so war es nicht“ die natürliche Erwartbarkeit charakterlich angemessenen Verhaltens mit der Schilderung der bitteren Realität zurechtzurücken.

    Klaus Gendries hat die Haltung vieler Künstler heute im Blick, die ähnlich ihren Kollegen vor 1933 die politische Realität nicht ernst nehmen. Mit dem Text des Romans von Lewinsky sowie Kabarettsongs und Liedern Kurt Gerrons und seiner Zeit hat er ein Szenisches Portrait des Berliner Stars Kurt Gerron entworfen, der künstlerisch alles beherrschte, aber auch die eigene Existenz in seiner Phantasie uminszenierte, bis die illusionsfreie Realität sein Leben mit dem Stern auf der Brust gewaltsam beendete.

    Nach dem Roman „Gerron“ von Charles Lewinsky

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  • Die Groschenblattoper

    31. August 1928. Im Theater am Schiffbauerdamm läuft die mit Spannung erwartete Uraufführung von Brechts „Dreigroschenoper“. Noch hat die Vorstellung nicht begonnen, aber in der Redaktion einer Berliner Boulevardzeitung ist die Meinung nicht nur schon gemacht, sondern auch bereits in Satz gegeben. Dieses Stück, das pfeifen in Theaterkreisen die Spatzen von den Dächern, kann nur ein gewaltiger Flop werden. Und so bespricht man hier genüsslich und voller Vorfreude auf die zu erwartende Katastrophe die Vorgeschichte der Inszenierung. Und freut sich über die Meinungsmacht, die man als Zeitungsschreiber besitzt. Oder doch zu besitzen glaubt.

    In dieser Komödie mit vielen Liedern werden nicht nur die Journalisten aufs Korn genommen, sondern wir erfahren auch eine ganze Menge über die höchst ungewöhnlichen Umstände, unter denen – wider alle Erwartungen – das erfolgreichste Stück der Zwanziger Jahre entstand. Die „Groschenblattoper“ spiegelt den Bühnenhit von Brecht und Weill als frech-witziger Kommentar und gleichzeitig als augenzwinkernde Hommage.

    Komödie mit Musik

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  • Ein Engel für Kira

    Wie soll man die Geschichte kurz erzählen? Sie ist sehr verzwickt, aber ich versuche es. Also, da ist einmal Kira. Sie ist 15 und lebt seit einiger Zeit bei Onkel und Tante, denn die Mutter ist schon lange tot und der Vater Martin auch – also scheinbar auch. Der Vater. Aber Kira will das nicht glauben.

    Und dann ist da Jan Erik, der Sohn von Sybille und Franz Ferdinand, das sind Onkel und Tante. Also so heißen die. Und die sind irgendwie eklig. Wobei… – Jan Erik nicht, obwohl Kira das glaubt, aber er zeigt sich dann auch mal von seiner netten Seite. Wie auch Dr. Borge, das war, nein, das ist ein Freund von Kiras Vater. Der ist auf ihrer Seite, aber auch er glaubt, dass ihr Vater tot ist. Aber ist er das wirklich?

    Und wer das jetzt schon verwickelt findet, der wird erleben, was Henriette von Wolkenstein erst anrichtet. Sie behauptet ja, sie wäre ein Schutzengel, aber wer die zum Schutz hat, der muss sich auf Einiges gefasst machen. Hatte ich schon die Chinesen erwähnt und dass der Butler wohl gar kein Butler ist – oder blicken Sie dann gar nicht mehr durch?

    Nur gut, dass immer wieder Zeit für eingängige und schmissige Melodien ist, da kann man jedenfalls ab und an ein bisschen Luft holen und versuchen, all die Verwirrungen zu sortieren. Dabei habe ich noch gar nicht das Geheimnis der roten Lianen und der hängenden Lichterkette erwähnt…

    Eine märchenhafte Komödie

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