Stück Kategorie: mit Musik

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    Die Heiratsschwindlerin

    Reiche Witwe liebt General des Geheimdienstes, das ist die Geschichte eines ganz besonderen Paares: Mädy Swatek begegnet Schorsch Bem zum ersten Mal im Wiener Wurstelprater, ganz zufällig, und doch spüren beide gleich eine tiefe Verbundenheit. Man will sich wieder sehen, trifft sich zu einem intimen Empfang im Salon des Generals, und bemerkt, dass aus dem Gefühl der Verbundenheit längst Liebe geworden ist. Zum Beweis machen sie schnell Nägel mit Köpfen: Die Hochzeit wird anberaumt, außerdem setzt jeder den anderen zum Universalerben ein.

    So oder ähnlich hätte sie sein können, die Geschichte von Mädy Swatek und Schorsch Bem. Doch sie ist ein wenig anders. Denn Schorsch Bem ist in Wahrheit kein General mit Pensionsanspruch, sondern ein Flickschneider mit Loch in der Hosentasche. Mädy Swatek ist zwar wirklich Witwe, aber nicht die Witwe eines begüterten Kommerzialrates, sondern eines verarmten Warenhändlers. Die tiefe Verbundenheit der beiden ist also nicht so sehr romantischer als vielmehr ökonomischer Natur. Und alles, was nötig ist, um sich gegenseitig so gründlich zu täuschen, entspringt der Phantasie sowie der Requisite eines geschäftstüchtigen Kostümverleihers.

    Nur die Sache mit der Hochzeit stimmt, inklusive der testamentarischen Einsetzung zum Universalerben. Dementsprechend böse ist das Erwachen in der Hochzeitsnacht, als die volle Wahrheit ans Licht kommt. Doch da hat Mädy ihrem Schorsch bereits Gift verabreicht – und auch Schorsch seiner Mädy.

    Tragische Posse mit Gesang

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    Die beiden Nachtwandler
    oder
    Das Notwendige und das Überflüssige

    Als notorischer Nachtwandler hat Seilermeister Faden die Gabe, unverhofft zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Geisterhaft erscheint er einer Gaunerbande just in dem Moment, in dem sie den reichen Engländer Howart ausrauben will, und schlägt so die Diebe in die Flucht. Howart, der angereist ist, um seine geliebte Malwine zu ehelichen, möchte sich seinem Retter erkenntlich zeigen und schwört, erst zu heiraten, wenn er den armen Faden glücklich gemacht hat. Er will ihm jeden Wunsch erfüllen, unter der Voraussetzung, dass Faden nur das Notwendige wünscht, nicht aber das Überflüssige. Doch kommt es, wie es kommen muss: Einmal auf der Sonnenseite des Lebens angelangt, ist Faden das Überflüssige gerade notwendig genug…

    Für Karl Krauss ist der Humor Nestroys in der deutschen Sprache unerreicht, ein Humor, der „keiner Zeit vorenthalten werden darf, weil in ihm die Kraft lebt, es mit jeder aufzunehmen.“ So zeigt uns Rolf Schneiders Bearbeitung der „Nachtwandler“ den vermeintlichen Possenschreiber Nestroy von seiner ganz und gar zeitlosen Seite: Schicht um Schicht wird der dunkle Kern der menschlichen Natur freigelegt, die Engstirnigkeit und Unersättlichkeit des menschlichen Verlangens. In der scharfen Satire aber erweisen sich Nestroy und Schneider als Brüder im Geiste, denn ihnen beiden erwächst der Bühne aus der Heiterkeit eine sittliche Kraft.

    Posse mit Gesang in 6 Bildern

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    Der Entertainer

    Das Stück spielt zur Zeit der Suez-Krise von 1956. Der Verfall der Music Hall wird analog gesehen zum Verfall Englands. Archie Rice, die Titelfigur, und ganz besonders sein Vater, der große Entertainer Billy Rice, haben noch die Glanzzeit der alten Music Hall erlebt, damals die populärste Massenunterhaltung Englands. Archie Rice versucht, in der nun degenerierten Music Hall noch Erfolg zu haben. Aber sowohl beruflich wie in der Familie herrscht die Dekadenz, die Sucht nach Alkohol, die Unsicherheit der liberal sein wollenden jüngeren Generation.


    Einer der beiden Söhne von Archie und Phoebe wird in Ägypten gefangengenommen und dort umgebracht. Archie will sich von Phoebe scheiden lassen und ein junges Mädchen heiraten, deren Eltern die neue Show finanzieren sollen. Sein Vater vereitelt diesen Plan, will ihm aber beruflich helfen und in eine neue Show einsteigen. An diesen Anforderungen aber geht Billy zugrunde.


    Osborne verwendet Elemente der Music Hall und erreicht mit dieser Dramaturgie, daß die Verbindung zwischen Bühne und Zuschauerraum direkt, lebhaft und ungebrochen ist.

    13 Nummern

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    Epitaph for George Dillon

    Auf George Dillons Grabstein könnte stehen: Er war Schauspieler und Stückeschreiber, sehr begabt und absolut erfolglos, ein junger Mann mit glühendem Temperament, lebensdurstig, flatterhaft und schwärmerisch, ein irrlichternder Geist mit dem Willen zum Ruhm, dabei brillant, unsicher und bisweilen überheblich, ein Möglichkeitsmensch, dem jedoch auf der Bühne des Lebens die Orientierung fehlte, ein großer Einsamer, dessen Herz beständig auf der Suche war, dessen Liebe aber letztlich unerwidert blieb.

    Doch noch ist George Dillon nicht tot. Er ist vielmehr zur Untermiete eingezogen bei den Elliots, einer braven und hart arbeitenden Familie, deren Luxus das allabendliche Fernsehprogramm ist. Für Mutter Elliot ist George der Ersatz für den verstorbenen Sohn, für ihren Mann Percy ein Blender und Schmarotzer. Eine Seelenverwandtschaft unterhält George zu Tante Ruth, einer ernsthaften Frau mit glasklarem Verstand, politisch engagiert und vom Leben unterfordert. Doch Ruth lässt George abblitzen, der sich darauf in die Arme von Tochter Josie rettet, einem fröhlichen, aber unbedarften Mädchen.

    „Epitaph für George Dillon“ versammelt alle Elemente einer ätzend-bissigen Komödie, John Osbornes Meisterschaft jedoch besteht darin, den Blick zugleich konsequent auf ihren tragischen Kern zu richten: auf das allmähliche Verblassen der Träume George Dillons, dessen Sehnsüchte scheitern an den Beharrungskräften der Wirklichkeit. Auch wenn sich für Georges Dramen schließlich ökonomischer Erfolg einstellt und die Elliots einer Hochzeit entgegenblicken dürfen – das Stück endet in raffinierter Vieldeutigkeit.

    Mitautor: Anthony Creighton

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  • The World of Paul Slickey

    Seine Macht ist die Macht des Wortes: Jack Oakham, dessen Pseudonym und nom de guerre „Paul Slickey“ lautet, ist Klatschkolumnist bei The Daily Racket. Ob es die heimlichen sexuellen Vorlieben der Stars sind, die etwaige sozialistische Gesinnung eines Politikers oder ganz allgemein der Untergang des christlichen Abendlandes – Jacks Job ist es, im Dreck zu wühlen und dem gemeinen Volk das zu geben, was es lesen will. Dabei verachtet Jack, der nebenbei Theaterstücke schreibt, insgeheim nichts so sehr wie die dumpfe Sensationsgier seiner Leserschaft.

    Jacks Türöffner in die Welt der Reichen und Schönen ist seine Frau Lesley, Managerin des Popstars Terry Maroon, zugleich Tochter des greisen Lord Mortlake. Tatsächlich jedoch ist diese Ehe längst am Ende, Jack liebt seine Schwägerin Deirdre, die nur noch auf dem Papier mit dem aalglatten Politiker Michael verheiratet ist, Lesley wiederum liebt Michael. Die Zukunft dieser elitären Clique steht allerdings auf dem Spiel, als Lord Mortlake stirbt, denn der Patriarch hat testamentarisch verfügt, dass die Ehen seiner Töchter nicht geschieden werden dürfen. Und so bleibt ihnen scheinbar nur eine Wahl: Geld oder Liebe. Bis sich eine dritte Möglichkeit auftut: mit einer Geschlechts-umwandlung könnte Jack seine Ehe ohne Scheidung annullieren…

    Respektlos, geschmacklos und subversiv: Selten sind die Mechanismen der Yellow Press so klarsichtig auf die Bühne gebracht worden wie in diesem Stück. Hier treibt es jeder mit jedem, wenn er davon nur profitieren kann. Und für wahr hält man am Ende nur das, was in der Zeitung steht. John Osborne inszenierte die Uraufführung der Musikalischen Komödie „The World of Paul Slickey“ 1959 selbst, die Musik dazu komponierte Christopher Whelen. Eine grelle Farce, zugleich lässig und jazzig wie ein Musical aus den 20er Jahren, in dem es um wesentliche Fragen geht: Wie biegsam und promiskuitiv kann Sprache werden, bevor sie vollends ihren Inhalt verliert? Und gibt es im täglichen Spektakel der Meinungen und Sensationen noch Werte, die unverbrüchlich gelten?

    Komödie mit Musik

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    Geschichte eines Pferdes *

    Die Geschichte eines tierischen Sonderlings im Russland der Zarenzeit: Der „Leinwandmesser“, ein scheckiger Hengst von außergewöhnlich weit ausholender Gangart, ist ein Außenseitergaul – sowohl unter den Menschen, die ihn als Pferd zweiter Klasse behandeln und kastrieren lassen, wie auch unter den anderen Pferden seines Gestüts. Von der Herde misshandelt, verstoßen und verfemt, fristet er sein Dasein als niederster Hilfsarbeiter.

    Das Schicksal des Pferdes wendet sich, als es von einem reichen Fürsten gekauft wird, der es vor seine Kutsche spannt: der „Leinwandmesser“ wird zum Renner, dem an Energie, Ausdauer und Geschwindigkeit kein anderes Ross das Wasser reichen kann. Doch dem steilen Aufstieg folgt der unvermeidliche Abstieg. Vom Fürsten, der verstrickt ist in eine unglückliche Liebesgeschichte, zu permanenter Höchstleistung getrieben, versagen dem Gaul im entscheidenden Moment die Kräfte. Stufe und Stufe sinkt das Pferd die Karriereleiter wieder hinab, bis ihm am Ende nur noch ein Gang bleibt: der zum Schlächter.

    „Geschichte eines Pferdes“, Mark Rosowkijs Bühnenbearbeitung der Erzählung „Leinwandmesser“ von Leo Tolstoi, hat bei seiner Uraufführung im damaligen Leningrad Begeisterungsstürme entfacht und wurde anschließend auf den Bühnen der ganzen Welt gespielt. Ein eindringliches, am Theater Brechts geschultes Stück über Verausgabung und Leistung, Abhängigkeit und Ausbeutung, Erotik und Tod, in der die Dialektik von Pferd und Mensch zur Parabel wird über den Beginn des kapitalistischen Zeitalters.

    Ein Stück nach der Erzählung „Cholstomer“ (Der Leinwandmesser) von Leo N. Tolstoj Mit Texten von J. Rjaschenzjew und Musik von M. Rosowskij und S. Wetkin

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    Siegfried – eine deutsche Karriere

    Nachkriegsgeschichte als Familiensaga: Widerstandskämpfer Siegfried verhilft seinem alten Jugendfreund Günter, einem ehemaligen Mitglied der Waffen-SS, mit seiner Aussage vor den US-Behörden zur Entnazifizierung. Siegfried heiratet daraufhin Günters Schwester Hilde, und Günter nimmt Krankenschwester Bruni, eine verflossene Liebschaft Siegfrieds, zur Frau. Mit gegenseitiger Unterstützung richtet man sich, so gut es geht, in den Trümmern des zerbombten und zerteilten Landes ein.

    Während Günter in den folgenden Jahren Karriere als Textilfabrikant macht, der CDU beitritt und sich schließlich zum Bürgermeister wählen lässt, arbeitet Siegfried als Lehrer und gerät zusehends in kritische Distanz zur politischen Entwicklung in Deutschland: Die „Stunde Null“ erweist sich als Fiktion, hinter den Kulissen des Neuanfangs sind unverändert die alten Nazi-Seilschaften an der Macht, die von der US-Aufrüstung gegen den Ostblock profitieren und sich durch Korruption massiv bereichern. Beim Streit über die Frage der deutschen Wiederbewaffnung kommt es schließlich zum Bruch zwischen Günter und Siegfried.

    Im Zeitraffer ziehen das deutsche Wirtschafswunder, die Gründung der DDR, der Tod Benno Ohnesorgs und die Zeit der RAF, die Anti-Terrorgesetze und der Beginn der Antiatomkraftbewegung durchs Land. Wie die Geschichte voranschreitet, so verschärft sich auch der ideologische Grabenkampf zwischen den politischen Lagern. Auch Siegfried und Günter geraten noch einmal in eine folgenschwere Konfrontation: Als Siegfried überraschend seine Kandidatur als SPD-Kandidat für das Bürgermeisteramt bekannt gibt, muss Günter alles tun, um den Ruf seines Widersachers zu beschädigen…

    „Siegfried – eine deutsche Karriere“ ist eine gnadenlose Abrechnung mit der Verlogenheit der deutschen Nachkriegszeit und zugleich ironische Replik auf die Nibelungensage: Siegfried als Prototyp eines Helden, dessen glanzvoller Widerstand wirkungslos verpufft, wohingegen es Opportunisten wie Günter sind, die am Ende Geschichte schreiben.

    Bürgerliches Lustspiel

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    Schneewittchen auf der Erbse

    Was mussten Märchen sich nicht schon alles anhören. Zu grausam seien sie, mit ihren menschenfressenden Wölfen und sadistischen Hexen, die am Ende aufgeschlitzt und im Ofen verbrannt werden. Zu voll gestopft mit Aberglauben und dumpfen Stereotypen. Die Ideologiekritik hat sie als Instrument bürgerlicher Repression beschimpft, die Psychoanalyse in ihnen nichts anderes erkannt als ein dürftig verkleidetes Triebtheater. Und am Ende kommt dann immer noch die dick aufgetragene Moral. Wer tut sich das im 21. Jahrhundert noch an?

    Dirk Schortemeier hat es sich angetan – begleitet von Gesang, Piano und einer gehörigen Lust an der Travestie. Da wird „Rotkäppchen“ als rasantes Roadmovie erzählt – mit Strapsen und Maschinengewehr – oder als auch Slapstick, der die Splatter-Geschichte von Wolf und Großmutter vor lauter Schnittmengen und konvexen Hüllen auf eine herrlich geometrische Pointe bringt. „Dornröschen“ wird zur glitzernden Hollywood-Romanze, mit heißen Partys, Celebrities und einem Knutscher vom hübschen Macker am Schluss. „Hänsel und Gretel“ hingegen wird als Ehe- und Sozialdrama präsentiert, das endlich der Frage nachgeht, wie es denn sein kann, dass Eltern ihre Kinder mutterseelenallein in den Wald schicken…

    Und so gerät „Schneewittchen auf der Erbse“ zum fröhlich-bösartigen Märchen-Medley, das die altehrwürdigen Geschichten der Gebrüder Grimm lustvoll durch den Wolf dreht und dabei kräftig den Staub der Jahrhunderte aus allen Winkeln pustet. Unter Einsatz aller musikalischen Mittel – Chansons, Tangorhythmen, Vokalisen, Soundcollagen vom Band, Perkussionen mit Bongo und Rumbakugel – beweist Schortemeier: Märchen sind so heutig wie damals, sie wollen immer wieder und immer anders erzählt werden.

    Eine musikalische Märchenstunde

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