Stück Kategorie: Monolog

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    Herren

    Ich, Cinna (Der Dichter)

    Eine Demokratie.

    Alle sind scheinbar gleich. Alle sind rein theoretisch gleich geboren.

    Der herausragendste Mann der Republik ist Cäsar.

    Die Medien berichten, wie das Volk ihm am Luperkusfest dreimal die Königskrone anbot und er sie verweigerte.

    Cinna der Dichter beobachtet all dies. Er will darüber schreiben, aber ihm sind die Worte ausgegangen.

    An den Iden des März schließlich töten Männer der Republik Cäsar, um dessen Machtbesessenheit ein Ende zu setzen. Unter ihnen Cinna der Verschwörer.

    Das Volk begehrt auf. Es gibt einen Aufruhr.
    Straßenschlachten. Polizeieinsätze. Die Medien berichten. Ein Zustand, der uns heute in diesen bewegten Zeiten vielleicht näher ist, als wir es gern wahrhaben wollen.

    Cinna der Dichter will Brot kaufen und bekommt nur ein Huhn.

    So erleben die Zuschauer ihn, wie er nach Hause zurückkehrt und sich sein Essen zubereitet. Zudem lädt er das Publikum dazu ein, ein Gedicht mit ihm zu schreiben. Es soll ein großes Gedicht werden. Deshalb stellt Cinna große Fragen: Wofür bin ich bereit zu sterben? Wofür bin ich bereit zu töten?

    Cinna drängt es aus Neugier zurück auf die Straße. Der Mob, der sich Jahrtausende lang gleich bleibt, lyncht ihn, weil er denselben Namen trägt wie einer der Verschwörer.

    Cinna hat das große Thema seines Gedichtes gefunden: Cinnas Tod.

    Aber jetzt ist es zu spät.

    Tim Crouch stellt mit einer Shakespeare-Figur aus „Julius Cäsar“ die Frage, was gerade in unserer Welt stirbt.

    Eine Demokratie. Alle sind scheinbar gleich. Alle sind rein theoretisch gleich geboren. Der herausragendste Mann der Republik ist Cäsar. Die Medien berichten, wie das Volk ihm am Luperkusfest dreimal die Königskrone anbot und er sie verweigerte. Cinna der Dichter beobachtet all dies. Er will darüber schreiben, aber ihm sind die Worte ausgegangen. An den Iden…

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    Herren

    Ich, Banquo

    Banquo und Macbeth sind Freunde. Sie haben viele gemeinsame Schlachten geschlagen und sich gegenseitig das Leben gerettet, bis sie eines Nachts nach einem gemeinsamen Sieg auf einer unheimlichen Heide auf drei Gestalten treffen.

    Die Hexen verkünden Macbeth, dass er König sein wird und Banquo der Ahnherr vieler Könige.

    Macbeths Ehrgeiz ist angestachelt.

    Zusammen mit seiner Frau beschließt er, den guten König Duncan zu töten. Nach der vollzogenen Tat schiebt er das Verbrechen auf die Wachen und wird selbst inthronisiert.

    In einer Nacht- und Nebelaktion lässt er Banquo von gedungenen Mördern töten, aber dessen zwölfjähriger Sohn Fleance kann entkommen.

    Macbeth errichtet eine Tyrannenherrschaft in Schottland. Überall sieht er nur noch Feinde und lässt sich zu immer größeren Gräueltaten hinreißen.

    Mit einer zehntausendköpfigen Armee aus England rücken die Söhne von Duncan an. Macbeth sucht erneut die Hexen auf, die ihm in einer ausdeutbaren Prophezeiung Sicherheit geben.

    Banquos Geist erscheint dem Tyrannen.

    Macbeths Frau – geplagt von einem schlechten Gewissen – nimmt sich das Leben.

    Zu guter Letzt wird Macbeth von Macduff getötet.

    Banquo ist im Himmel und Macbeth in der Hölle.

    In einer durch Musik begleiteten Blutorgie erweckt Tim Crouch Shakespeares schaurigstes Stück als Monolog zum Leben.

    Banquo und Macbeth sind Freunde. Sie haben viele gemeinsame Schlachten geschlagen und sich gegenseitig das Leben gerettet, bis sie eines Nachts nach einem gemeinsamen Sieg auf einer unheimlichen Heide auf drei Gestalten treffen. Die Hexen verkünden Macbeth, dass er König sein wird und Banquo der Ahnherr vieler Könige. Macbeths Ehrgeiz ist angestachelt. Zusammen mit seiner…

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  • Ich, Shakespeare

    Malvolio will sich das Leben nehmen.
    Caliban besingt seine Einsamkeit.
    Erbsenblüte träumt einen Traum.
    Cinna schreibt ein Gedicht.
    Banquo spricht aus dem Jenseits.

    „Was ihr wollt“, „Der Sturm“, „Ein Sommernachtstraum“, „Julius Cäsar“, „Macbeth“.

    In fünf Monologen von fünf Figuren aus Shakespeares Stücken teilt der englische Theatermann Tim Crouch mit dem Publikum seine Leidenschaft für den Barden aus Stratford.

    Dabei gelingen ihm kleine theatralische Meisterwerke, Konzentrate der großen Klassiker in einer neuen Spielform, denen allen zweierlei zu eigen ist: Sie sind ganz autonome Petitessen und lassen trotzdem und gleichzeitig in ihrer kongenialen Verdichtung beinahe vergessen, dass man Shakespeares Stoff nicht als Ganzes sieht.

    „Ich, Shakespeare“, ein großer Bühnenspaß mit Tiefgang, immer spielerisch, mit großem Respekt vor dem Original und doch innovativ und ganz heutig.

    Eine Herausforderung und ein Geschenk an fünf Schauspieler, denen ein spannender Theaterabend abverlangt wird und die dieses Geschenk an die Zuschauer weitergeben können.

    Ungewollt sorgt Tim Crouch dafür, dass man auch in den augenblicklich ungewöhnlichen Zeiten für das Theater seine Lust auf Shakespeare nicht verlieren muss.

    Malvolio will sich das Leben nehmen.Caliban besingt seine Einsamkeit. Erbsenblüte träumt einen Traum.Cinna schreibt ein Gedicht.Banquo spricht aus dem Jenseits. „Was ihr wollt“, „Der Sturm“, „Ein Sommernachtstraum“, „Julius Cäsar“, „Macbeth“. In fünf Monologen von fünf Figuren aus Shakespeares Stücken teilt der englische Theatermann Tim Crouch mit dem Publikum seine Leidenschaft für den Barden aus Stratford.…

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    Herren

    Ich, Caliban

    Caliban ist der Sohn einer Hexe und ein Ungeheuer.

    Nun lebt er allein auf einer Insel, auf der es zuvor nach einem Sturm sehr turbulent zuging.

    Vor vielen Jahren war durch eine politische Intrige Prospero, der Herzog von Mailand, mit seiner minderjährigen Tochter Miranda durch Betreiben seines Bruders Antonio hier ausgesetzt und verbannt worden.

    In Mailand hatte sich Prospero in seiner Bibliothek verschanzt und die Staatsgeschäfte vernachlässigt. Prospero war zu einem Zauberer geworden.

    Auf der Insel kümmert er sich zunächst um die Erziehung von Caliban. Als der jedoch versucht, Miranda zu vergewaltigen, hält Prospero ihn wie einen Sklaven. Dabei ist ihm der Luftgeist Ariel behilflich, den Sycorax, Calibans verstorbene Mutter, zuvor in einem Baumstamm gefangen hielt.

    Caliban hasst Prospero, der ihm seine Insel geraubt und ihn zu einem unfreien Mann gemacht hat.

    Wie gut, dass Prospero einen Sturm herbeizaubert. Mit dem Sturm werden angespült: Prosperos intriganter Bruder Antonio, dazu Alonso, der König von Neapel, der Antonio bei dessen Machenschaften geholfen hatte, sowie Ferdinand, der Sohn des Königs von Neapel, ein alter Freund Prosperos, und die beiden Trunkenbolde Trinculo und Stephano, die zu Saufkumpanen von Caliban werden und die er bald als Komplizen für ein Mordkomplott auf Prospero gewinnen kann.

    Mittels Zauberei vereitelt Prospero diesen Plan, verkuppelt seine Tochter mit dem jungen Ferdinand, und alle – bis auf Caliban – fahren versöhnt nach Italien zurück.

    Das Ungeheuer, das eher Fisch als Mensch ist, richtet es sich auf seiner Insel ein und sagt sich von aller Zauberei los. Einsam wird er ein Leben auf dem Eiland fristen, aber er muss sich vor nichts mehr fürchten. Außer vor sich selbst. Und er ist ein Ungeheuer.

    Tim Crouch erweckt an der wohl interessantesten Figur in William Shakespeares „Der Sturm“ das letzte Stück des großen Barden spielerisch zum Leben. Eine Herausforderung für einen großen Darsteller und ein Geschenk an das Publikum.

    Caliban ist der Sohn einer Hexe und ein Ungeheuer. Nun lebt er allein auf einer Insel, auf der es zuvor nach einem Sturm sehr turbulent zuging. Vor vielen Jahren war durch eine politische Intrige Prospero, der Herzog von Mailand, mit seiner minderjährigen Tochter Miranda durch Betreiben seines Bruders Antonio hier ausgesetzt und verbannt worden. In…

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    Herren

    Ich, Erbsenblüte

    Eine Dreifach-Hochzeit hat soeben stattgefunden. Theseus, der Herzog von Athen, hat die Amazonenkönigin Hippolyta geheiratet, Lysander Hermia und Demetrius Helena. Happy End. Nicht für die Elfe Erbsenblüte, denn einer muss den Dreck wegkehren.
    Erbsenblüte ist am Ende seiner Kräfte, denn die zurückliegende Zeit war nicht ohne. Seine Herrin, die Elfenkönigin Titania, lag im Streit mit ihrem Gatten Oberon, der von ihr einen Inderjungen einforderte, den ihm seine Gattin verweigerte. Das Ergebnis: Die Natur stand kopf. Das Wetter spielte verrückt. Im Sommer hagelte es. Die Ernten gingen ein. Jetzt ist wieder alles beim Alten. Auch Oberon und Titania liegen in ihren Betten und lieben sich.
    Nur der Weber Klaus Zettel, der in den Machtkampf der unsichtbaren Geister mit hineingezogen wurde, steht allein da und weiß nicht, wie ihm geschehen ist.
    In sechs Träumen erlebt Erbsenblüte die ganze Geschichte noch einmal von vorn.
    Dabei bezieht er die Kinder im Zuschauerraum mit ein, spielt auch mit einem Mobile, tanzt, wälzt und kratzt sich und führt einen Kampf gegen eine böse Biene.
    Auf furiose Weise öffnet Tim Crouch in seinem Ein-Personenstück „Ich, Erbsenblüte“ Shakespeares Welt aus dessen „Sommernachtstraum“ für Kinder ab acht.
    Vom Grundschulalter an macht der begnadete Schauspieler und Dramatiker spielerisch Lust auf Shakespeare.

    Eine Dreifach-Hochzeit hat soeben stattgefunden. Theseus, der Herzog von Athen, hat die Amazonenkönigin Hippolyta geheiratet, Lysander Hermia und Demetrius Helena. Happy End. Nicht für die Elfe Erbsenblüte, denn einer muss den Dreck wegkehren.Erbsenblüte ist am Ende seiner Kräfte, denn die zurückliegende Zeit war nicht ohne. Seine Herrin, die Elfenkönigin Titania, lag im Streit mit ihrem…

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    Aggro Alan

    Der Held von AGGRO ALAN, Roger, füllt den Frust seiner arbeitslosen Tage mit sinnlosem Surfen im Internet, bis er eines Tages auf die Seite eines führenden Maskulinisten gerät: Alan ist Kopf der Männerrechtler, die mit pseudowissenschaftlicher Erkenntnis den enttäuschten Männern ein Ziel für ihren Hass geben.

    Dass sich dieser Hass gegen die Frau unter anderem aus Enttäuschungen speist, die sich in der Männerwelt ereignet haben, ist eine von vielen Pointen, über die nicht nur Frau, sondern das ganze Publikum von Herzen lacht.

    Roger hat es nicht leicht. Seit ihm sein Job gekündigt wurde, arbeitet er als dritter Assistent des Filialleiters in einem Supermarkt, seine Ex-Frau kassiert immer noch eine ganze Menge Unterhaltszahlung, seinen Sohn Joe sieht er nur noch selten, und seine Freundin Courtney hat den Feminismus für sich entdeckt.

    Doch als er im Internet auf Aggro Alan und die Männerrechtsbewegung stößt, wird das für ihn zu einem spirituellen Erlebnis. Plötzlich ergibt alles einen Sinn.

    Roger versteht, es liegt gar nicht an ihm selbst, dass er sich wie ein Versager fühlt. Es liegt schlicht und ergreifend daran, dass Männer in der heutigen Gesellschaft systematisch unterdrückt werden.

    Je mehr sich Roger mit der Männerrechtsbewegung beschäftigt, desto mehr Ungerechtigkeit bemerkt er in der Welt. Dass es Männern nicht erlaubt ist, Gefühle zu zeigen. Dass ihnen beigebracht wird, sie hätten nur als Versorger der Familie einen Wert. Dass der Feminismus zu weit gegangen ist und er als Mann nun in einer Gynozentrischen Gesellschaft lebt. Ohne es zu wissen!

    So kann es nicht weitergehen.

    „Hier wird sich einiges ändern“, sagt sich Roger.

    Penelope Skinner schafft es in ihrem Monolog meisterhaft, mit nur einem Charakter und viel Witz verschiedene Blickwinkel auf Männlichkeit im 21. Jahrhundert zu eröffnen. Wie viel Mitleid man für Roger empfinden kann, ändert sich dabei ständig: so echt seine Probleme auch sind, umso fragwürdiger werden mit der Zeit seine Lösungsansätze.

    Der Held von AGGRO ALAN, Roger, füllt den Frust seiner arbeitslosen Tage mit sinnlosem Surfen im Internet, bis er eines Tages auf die Seite eines führenden Maskulinisten gerät: Alan ist Kopf der Männerrechtler, die mit pseudowissenschaftlicher Erkenntnis den enttäuschten Männern ein Ziel für ihren Hass geben. Dass sich dieser Hass gegen die Frau unter anderem…

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    Ich, Malvolio

    “I’ll be revenged on the whole pack of you!” Mit diesem Satz verlässt Malvolio am Ende von Shakespeares „Was ihr wollt“ gedemütigt die Bühne. Und was passiert dann?

    “I am not mad”, beteuert Malvolio nun in Tim Crouchs Monolog. Immer wieder und immer wieder. Er will sich nicht verrückt nennen lassen. Nicht in einer Welt, in der eine junge Frau sich als ihr eigener Zwillingsbruder verkleidet, sich dann in den Herzog verliebt und denselben Herzog am Ende auch noch heiratet. Nicht in einer Welt, in der sich seine Herrin, die Gräfin Olivia, in die als Mann verkleidete Frau verliebt und dann versehentlich ihren Zwillingsbruder heiratet.

    Dabei hatte er sich selbst solche Hoffnungen auf Olivias Zuneigung gemacht. Und hatte den Beweis in Form eines Briefes schon in der Hand. Dass der Brief eine Fälschung, seine Hoffnung unbegründet und seine Liebe unerwidert sein sollte, das konnte er doch wirklich nicht ahnen.

    Malvolio ist sich sicher, er ist das Opfer dieser Geschichte. Reingefallen auf den Streich des miesen Trunkenboldes Toby Belch. Nun gilt Sir Toby als sympathischer Witzbold und Malvolio selbst als reinster Spielverderber. Nur, weil er lieber eine Tasse Kamillentee als ein Glas Wein trinkt. Nur, weil er weiß, dass schon die kleinsten Laster geradewegs zur Sündhaftigkeit führen. Nur, weil er verhindern will, dass ganz Illyrien im Chaos versinkt.

    Die Zuschauer bleiben von Malvolios Unmut nicht verschont. Er weiß um all ihre Fehltritte. Er sieht, wie sie sich auch noch in seiner misslichen Lage über ihn lustig machen und verabscheut sie dafür umso mehr. Seine einzige Genugtuung besteht darin, dem Publikum klarzumachen, wie bereitwillig sie über sein Unglück lachen.

    Wo Shakespeare aufhört, geht es für Tim Crouch erst richtig los. Geschickt benutzt er die Irrungen und Wirrungen der Komödie, um mit Malvolio die Empathiefähigkeit des Publikums in den Mittelpunkt zu stellen.

    “I’ll be revenged on the whole pack of you!” Mit diesem Satz verlässt Malvolio am Ende von Shakespeares „Was ihr wollt“ gedemütigt die Bühne. Und was passiert dann? “I am not mad”, beteuert Malvolio nun in Tim Crouchs Monolog. Immer wieder und immer wieder. Er will sich nicht verrückt nennen lassen. Nicht in einer Welt,…

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    Roland dreht durch

    Da soll man nicht die Wut kriegen, die man sowieso schon im Bauch hat: der Leergutautomat im Getränkeshop will partout nicht die erste Pfandflasche akzeptieren, da helfen keine Wiederholungen, keine Beschimpfungen. Aber kann man einfach so ausrasten, wenn man eine Überwachungskamera entdeckt? Der Mann am Bildschirm soll mal zur Kenntnis nehmen: Der Kunde hat kürzlich erneut ein Bewerbungsschreiben „Zurück an Absender“ erhalten.

    Roland, Technischer Zeichner, fühlt sich ausgetrickst, seit in einer Nacht- und Nebelaktion seine Firma ausgelagert wurde – der Zeichentisch steht nun in Rumänien. Und die Frau ist auf Distanz gegangen, die Geliebte hat sich neu orientiert, was wenigstens einen Racheakt erlaubte. Und Initiativbewerbungen, analog wie digital, scheinen nie den Adressaten zu erreichen, jedes Mal landet man in einem Callcenter, mal in Polen, mal in Indien, keiner kann weiterhelfen.

    So wird dem Beobachter am Kontrollbildschirm und mit ihm dem Zuschauer schubweise klar gemacht, was Sache ist bei einem Arbeitslosen, wohin der Hase nicht mehr läuft. Der Typ hinter dem Automaten zeigt auch keine Solidarität. So steigern sich die Attacken gegen den Automaten, gegen die unsichtbaren, die verkappten Gegner allüberall, da schaukelt sich, nach depressiven Durchhängern, die Wut wieder hoch, der Rasende Robert setzt an zum Showdown.

    Da soll man nicht die Wut kriegen, die man sowieso schon im Bauch hat: der Leergutautomat im Getränkeshop will partout nicht die erste Pfandflasche akzeptieren, da helfen keine Wiederholungen, keine Beschimpfungen. Aber kann man einfach so ausrasten, wenn man eine Überwachungskamera entdeckt? Der Mann am Bildschirm soll mal zur Kenntnis nehmen: Der Kunde hat kürzlich…

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    Geisterschlacht

    Im Krankenhauszimmer einer Intensivstation liegt ein Patient, der nicht spricht, sich nicht bewegt. Seit er sich am Morgen die Sauerstoffzufuhr aus dem Arm gerissen hat, ist sein Zustand kritisch. Seine Frau ist zu Besuch. Sie könne ihn vielleicht zurückholen aus seinem „seelischen Koma“, so der Chefarzt, seine „dreizehnte Kammer“ öffnen. So erzählt es die Frau ihrem Mann, der reglos und stumm vor ihr liegt. Ihr Besuch an seinem Krankenbett ist eine lange Ansprache. Eine Anklage. Und schließlich ein Abschied.

    In ihrem Monolog quillt all das in der Frau empor, was sie 33 Jahre lang runtergeschluckt hatte, ein Schwall aus Gefühlen, Vorwürfen und Bildern ihrer Liebe, die er damals mit den Worten einläutete: „Du bist für mich geboren“. Für ihn geboren, ordnete sie ihr Leben dem seinen unter, lebte für ihn, den deutlich älteren Professor, den Schriftsteller, wurde seine „dritte Hand“, seine gute Seele, blieb kinderlos.

    Aber während er hier im Krankenhaus lag, fand sie zuhause seine „dreizehnte Kammer“ und den Grund seiner Krankheit, denn „was tut selbst die dümmste und vertrauensseligste Frau, wenn unverhofft der Tod die Hand nach ihrem Mann ausstreckt? Sie schaut in sein Leben, um sich rechtzeitig in ihrem eigenen zurecht zu finden.“ Sie findet eine Schublade, in der er sorgfältig sein Doppelleben aufbewahrte: Hundert Liebesbriefe an eine junge Cellistin, Zeugnisse einer jahrelangen, leidenschaftlichen Affäre. Die Frau versteht: Der Schlaganfall, die Depression war keine Schaffenskrise, sondern Liebeskummer.

    Jetzt am Krankenbett liest sie ihm die Briefe der Konkurrentin vor, schwankend zwischen Groll und Bitterkeit, Wehmut und Bedauern, Wut und Trauer … Aber plötzlich entdeckt sie zwischen den Zeilen nicht nur Grund zur Eifersucht, sondern auch eine ihr unbekannte Vitalität. Sie fasst einen folgenschweren Entschluss: Am Telefon bittet sie die Andere, zu kommen, um an ihre Stelle zu treten und den Mann aus seinem Schweigen zu erlösen.

    Minidrama für eine Schauspielerin, einen Körper und ein Telefon

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    Brief an mich selbst

    Wie war das damals, im Alter von 13 Jahren? Wie hat sich das Leben angefühlt, mit so viel Zukunft und so wenig Erfahrung? Marike, eben 13 Jahre alt, will sich selbst davon erzählen – statt Hausaufgaben zu machen, schreibt sie ihrem zukünftigen, 18-jährigen, Ich einen Brief. Eine perfekte Gelegenheit, um über Jungs zu lästern, die frühreifen Klassenkameradinnen, die Allüren ihrer berühmten Mutter – und sich schon einmal ein wenig hineinzuträumen in die sonderbare Welt der Erwachsenen.

    Doch aus der kindlichen Spielerei wird schnell mehr: die Auseinandersetzung mit einem Brief, den ihre Mutter – eine vielbeschäftigte Sängerin – geschrieben hat, um ihre Tochter auf das Leben vorzubereiten. Marike denkt über die mütterlichen Ratschläge nach – über den Umgang mit Männern, falsche Selbstbilder und trügerische Gefühle, den Druck der Gruppe, dogmatisches Denken und das Wesen der Verantwortung, über Leben und Endlichkeit. Und sie beweist, dass man auch mit 13 Jahren schon seinen ganz eigenen Kopf haben kann.

    Arnold Weskers Stück „Brief an mich selbst“, das sein vorheriges Stück „Brief an eine Tochter“ aufgreift und eigenständig weiterführt, ist ein Loblied auf die Intelligenz und Phantasie der Heranwachsenden. Wie kein anderer vermag es Arnold Wesker, sich in jene fragile Lebensphase einzufühlen, in der die Gewissheiten der frühen Kindheit abgelöst werden vom offenen Horizont des Erwachsenenlebens – mit all seinen Versprechen und Gefahren.

    Stück für eine Dreizehnjährige

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