Stück Kategorie: Schauspiel

  • 1
    Damen
    1
    Herren

    Die Antwort Gottes

    Kennen Sie das? Vorsprechen. 15 Uhr Probebühne 3.
    Jemand führt Sie über endlose Gänge und Treppen zur Hinrichtungsstätte. Sie sind als Dreizehnter dran.
    „Die Waffen ruhn, des Krieges Stürme schweigen,
    Auf blutge Schlachten folgt Gesang und Tanz…“
    Und das Lächeln derer, die dasitzen, wird klebrig, und Ihre Stimme verschwindet ganz hinten im Hals.
    Ich… ich… wär‘ gern jemand anderes…
    Ein Roboter, dem es die Software verhagelt,
    Ein Komparse beim Film, der den Kaffee über die Hauptdarstellerin kippt,
    Ein Fake Römer, der die Touristen anbettelt,
    Eine 24-Stunden-Hilfe, die bei Omi wohnt,
    Entführt von Aliens,
    Friedrich Nietzsche, der am Hals eines Pferdes den Verstand verliert,
    Gedanken beim Elfmeter,
    Der König der Spinnen,
    Auf dem Oktoberfest,
    König Hartz VI., allein unterm Dach,
    Ein Gladiator vor dem letzten Kampf,
    oder:
    Ferienjob im SM-Studio,
    oder:
    Rocky Balboa, der beim Friseur seinen kreisrunden Haarausfall entdeckt…
    oder:
    Jemand, der beschließt, blind zu sein und endlich sehen kann…
    Ach ja: Wie gehts eigentlich der Frau, die jahrelang auf einem Flughafen gelebt hat…?
    oder:
    Das Mädchen im Hauptbahnhof, die mit ihrem Löffel Drogen sucht…
    oder, oder…

    Monologe für Runde drei, ganz sicher…


    (Besetzung ad Libitum, mind. 1D-1H)

    Monologe für Runde drei

    weiterlesen

  • 3
    Damen
    2
    Herren

    Lyonesse

    „Aber wird man mir glauben? Das würde mich umbringen. Du weißt das, oder? Wenn ich die ganze Zeit gewartet habe, bis ich mich sicher genug fühle, es auszusprechen, nur um dann festzustellen, dass man mir nicht glaubt. Ich würde aufs offene Meer schwimmen und mich von den Wellen davontragen lassen.“

    Die Schauspielerin Elaine verschwand nach ihrer umjubelten Theaterpremiere unter mysteriösen Umständen aus der Öffentlichkeit. Jetzt, 30 Jahre später, ist sie bereit, ihre Geschichte zu erzählen und damit ihr glanzvolles Comeback auf der Kinoleinwand zu feiern. Dafür lädt sie die aufstrebende Mitarbeiterin einer Londoner Filmproduktionsfirma, Kate, in ihr abgelegenes Haus nach Cornwall ein. Ein leidenschaftliches und bissiges Spiel beginnt, über die Suche nach Wahrheit und die Macht des Narrativs: Wer bestimmt die Geschichten, die wir erzählen und wie wir sie erzählen? Behalten Elaine und Kate die Kontrolle über ihre Erzählung oder wird sie ihnen entrissen?

    Hochaktuell, hintergründig und humorvoll – ein spannendes Stück im Scheinwerferlicht der glamourösen Filmbranche vor der dramatischer Kulisse abgründiger Klippen.

    Nach der Londoner Uraufführung mit Kristin Scott Thomas und Lilly James in den Hauptrolle ab Februar 2025 am Theater Baden-Baden.

    „Aber wird man mir glauben? Das würde mich umbringen. Du weißt das, oder? Wenn ich die ganze Zeit gewartet habe, bis ich mich sicher genug fühle, es auszusprechen, nur um dann festzustellen, dass man mir nicht glaubt. Ich würde aufs offene Meer schwimmen und mich von den Wellen davontragen lassen.“ Die Schauspielerin Elaine verschwand nach…

    weiterlesen

  • 3
    Damen
    1
    Herren

    Freundliche Monster

    „Ich hab’s dir nicht gesagt, weil ich Angst hatte, dass du mir nicht glaubst.“

    Zoe ist froh, mit Simon einen Mann an ihrer Seite zu haben, der charismatisch, erfolgreich und seiner Tochter ein liebevoller Vater ist. Sie zieht bei ihm ein, und das Glück könnte perfekt sein. Wären da nicht seine Ex-Frau und der Streit um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Auch das angespannte Verhältnis zur Nachbarin Lorraine trübt die Harmonie zwischen Simon und Zoe. Als sie Details über seine Vergangenheit und seine Beziehung zu Lorraine wissen will, gerät das vermeintlich stabile Fundament ihrer Liebe ins Wanken.
    Ein Schauspiel über Angst und Gewalt, ein Ringen um Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

    Wie intensiv war die gemeinsame Zeit zwischen Simon und Lorraine? Warum sind die Erzählungen der beiden darüber so unterschiedlich? Und warum zieht Lorraine so vehement ihre Grenzen? Wem und was kann Zoe glauben?

    Auf zwei urban benachbarten Dachterrassen offenbart sich ein abgründiger Konflikt zwischen Wahrheit und Lüge, Opfer und Täter, Schweigen und Schuld. Kann die Solidarität unter Frauen diesen Kreislauf durchbrechen?

    Penelope Skinner schreibt mit „Freundliche Monster“ ein packendes und berührendes Drama. Ein Theaterstück, spielbar drinnen wie draußen, dessen beklemmendes Thema in unser aller Nachbarschaft gegenwärtig sein kann – nicht nur in pandemischen Zeiten.

    „Ich hab’s dir nicht gesagt, weil ich Angst hatte, dass du mir nicht glaubst.“ Zoe ist froh, mit Simon einen Mann an ihrer Seite zu haben, der charismatisch, erfolgreich und seiner Tochter ein liebevoller Vater ist. Sie zieht bei ihm ein, und das Glück könnte perfekt sein. Wären da nicht seine Ex-Frau und der Streit…

    weiterlesen

  • 3
    Damen
    1
    Herren

    Die Trümmer der Zivilisation

    „Es ist seltsam, oder? Die Generation unserer Eltern, mit all ihrem Wissen, die wussten noch nichts. Aber wir wissen es jetzt. Und nach wie vor handeln wir so, als würde sich nichts ändern.“

    Dolores und ihr Mann Silver führen ein privilegiertes Leben, das mit staatlichen Einschränkungen und Kontrollen verbunden ist. In einer neuen Weltordnung sichert ein Stipendium ihren Wohlstand, gleichzeitig ist es verboten, Kinder zu bekommen – bereits der Wunsch wird sanktioniert.

    Bei einer Auslandsreise werden die beiden mit Leid und Armut konfrontiert, und in Dolores wächst der Wunsch zu helfen. In Mara, einer Einwanderin, die aus dem Reiseland der beiden stammt, findet sie eine hilfsbedürftige Person und öffnet ihr die Tür zu ihrem Zuhause. Doch Mara trägt ein Geheimnis mit sich und wird zur Gefahr. Während der Schriftsteller Silver das Schicksal der Zugezogenen zum Stoff seines Romans macht, wächst die Verbundenheit zwischen den beiden Frauen – bis die Situation im Haus eskaliert.

    Zeitgeistig. Klug. Erschütternd. Penelope Skinner schreibt mit „Die Trümmer der Zivilisation“ ein dystopisches Drama über menschliche Ängste und Sehnsüchte in einer bedrohten Gesellschaft. In der Mauern und Überwachung vermeintlich Schutz bedeuten. Sie stellt die Frage nach individueller Verantwortung und Freiheit und danach, ob das Handeln Einzelner noch etwas bewirken kann. Sie zeichnet die Porträts zweier Frauen zwischen der Sehnsucht, ihrem individuellen Leid zu entkommen – und der Hoffnung auf die eine Lösung für die Probleme einer bedrohten und bedrohlichen Zukunft.

    „Es ist seltsam, oder? Die Generation unserer Eltern, mit all ihrem Wissen, die wussten noch nichts. Aber wir wissen es jetzt. Und nach wie vor handeln wir so, als würde sich nichts ändern.“ Dolores und ihr Mann Silver führen ein privilegiertes Leben, das mit staatlichen Einschränkungen und Kontrollen verbunden ist. In einer neuen Weltordnung sichert…

    weiterlesen

  • 4
    Herren

    Henry Johnson

    In der Serie seiner Moral Plays führt Mamet in Henry Johnson einen Jedermann unserer Tage vor, der sich vom Leben benachteiligt fühlt, nach Führung und Unterwerfung sehnt und unter den Einfluss von Narzissten und Psychopathen gerät, in deren Bann er zum Gesetzesbrecher wird. In dem Stück zeigt Mamet diesen Jedermann im Bann eines Frauenhelden, der unter seinem Charme ein eiskaltes Gemüt verbirgt. Der Frauenheld begeht ein Verbrechen, wird verurteilt, sitzt seine Strafe ab und verführt Henry Johnson dazu, sich für seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft einzusetzen. Im Bann des Verführers greift Henry zu Mitteln, die ihn selbst ins Gefängnis bringen. Dort gerät er in Abhängigkeit von einem Zyniker, der ihn mit Einsichten manipuliert, die er dem „Dschungel des Bösen“ abgerungen hat. Am Beispiel des Jedermann Henry Johnson führt Mamet vor, wie der Zerfall der Aura von Autoritäten in Politik, Wissenschaften und Religionen dem Phänotyp des „Querdenkers“ Auftrieb gibt, eines Verführers, der die Ichschwachen, die sich nach Unterwerfung sehnen, in seine zynischen Kalkulationen einstrickt. Die Sehnsucht nach Hingabe an die Dämonen der neuen Zeit löscht das Selbst der Entwurzelten so vollständig aus, dass sie sich selbst – und in der Folge die Gesellschaft zerstören.

    In der Serie seiner Moral Plays führt Mamet in Henry Johnson einen Jedermann unserer Tage vor, der sich vom Leben benachteiligt fühlt, nach Führung und Unterwerfung sehnt und unter den Einfluss von Narzissten und Psychopathen gerät, in deren Bann er zum Gesetzesbrecher wird. In dem Stück zeigt Mamet diesen Jedermann im Bann eines Frauenhelden, der…

    weiterlesen

  • 2
    Damen
    3
    Herren

    Die Masken des Teufels

    In dem Drama The Christopher Boy’s Communion, mit dem David Mamet die Serie seiner Moral Plays fortsetzt, wendet er sich der Frage zu, ob die liberalen westlichen Gesellschaften mit ihrer Toleranz gegenüber den Gesetzesbrechern und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber Anwälten, die dem Geld ihr Gewissen opfern, das Prinzip der Gerechtigkeit ad absurdum führen. Der Sohn einer streng gläubig katholischen New Yorker Familie bringt unter Umständen, die den Missbrauch von Drogen vermuten lassen, am helllichten Tag im Central Park seine jüdische Freundin um, und ein Polizeibeamter, der kurz vor der Pensionierung durch den Park spaziert, ertappt den Täter dabei, wie er die Leiche in ein Gebüsch zerrt. Er sorgt für dessen Verhaftung, blickt auf einer Bank im Park auf seine Dienstzeit zurück, in der er zu oft erleben musste, dass auf die Tat keine ihr gemäße Strafe folgte, und gibt sich die Kugel.
    Bewegt vom Suizid des Kollegen, unterhalten sich zwei Polizeibeamte im ersten Teil des Stückes darüber, wie neue Verordnungen den Gesetzesbrechern zugutekommen und die Moral derer zerstören, die ihr Leben dem Aufrechterhalten einer Ordnung opfern, die von der Gesellschaft nicht mehr gewürdigt wird. Die beiden beenden ihr Gespräch mit der Frage, ob der Kollege in Ehren bestattet werden wird – als einer, der „eine Seele hatte“.
    Im zweiten Teil bemüht sich die Mutter des Mörders, ihren Sohn unter Einsatz aller ihr zugänglichen Mittel davor zu bewahren, im Gefängnis enden zu müssen. Sie sucht die Hilfe eines Anwalts. Und verzichtet auf dessen Dienste, weil er nicht bedingungslos genug für den Täter eintritt. Dann versucht sie, den Pfarrer der Kirche, dem sie jahrelang Geld zukommen ließ, für den Plan zu gewinnen, das jüdische Opfer anzuschwärzen, und fordert ihn auf, durch eine Lüge bei den Geschworenen Zweifel an der Schuld ihres Sohnes zu wecken. Und wendet sich, als alles nichts fruchtet, an eine Mrs. Charles, die in der angelsächsischen Kultur als Inkarnation des Satans gilt – und lässt sich von ihr erklären, welche seelischen Bindungen sie abwürgen muss, um ihr Ziel zu erreichen.
    Der Entheiligung der einst gläubigen Mutter des Täters stellt Mamet als Sinnbild einen Hinweis auf die Kommunion des Sohnes einer Familie Christopher gegenüber, die den Namen des Heiligen trägt, der den Jesusknaben über den Fluss trug.

    In dem Drama The Christopher Boy’s Communion, mit dem David Mamet die Serie seiner Moral Plays fortsetzt, wendet er sich der Frage zu, ob die liberalen westlichen Gesellschaften mit ihrer Toleranz gegenüber den Gesetzesbrechern und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber Anwälten, die dem Geld ihr Gewissen opfern, das Prinzip der Gerechtigkeit ad absurdum führen. Der Sohn einer…

    weiterlesen

  • 5
    Damen
    3
    Herren

    Hauptversammlung in Zeiten der Fledermauswirren

    Familie in Zeiten von Corona ist sowieso schon ein heikles Thema. Wenn die Familienmitglieder dann auch noch Aktionäre einer Holding sind, und das Familienoberhaupt seine Nachfolge in der Firma regeln möchte, sind die Konflikte vorprogrammiert. Pavel Kohout hat mit 92 Jahren eine Farce geschrieben, die den Bogen spannt von Shakespeares KING LEAR bis hin zu den aberwitzigen Handlungsverwicklungen einer Daily Soap mit unehelichen Kindern, einer missglückten Samenspende und anderen Zutaten.
    Den allgemeinen Lockdown, der mit der Pandemie im Frühjahr 2020 einherging, nahm Kohout zum Anlass, die Hauptversammlung der Holding JONÁŠ in den virtuellen Raum zu verlegen. Aber auch im virtuellen Raum bilden sich wechselnde Allianzen, holen die Sünden der Vergangenheit die Figuren wieder ein, und es läuft alles über Umwege dann doch noch auf ein Happy End zu. Bis es soweit ist, gibt es allerdings reichlich Missverständnisse und Verwirrung.
    Witwer und Firmeninhaber Tomáš Jonáš lädt seine drei Töchter Renáta, Krista und Vendula zu einer Videokonferenz ein. Zwei seiner Töchter sind ebenfalls erfolgreiche Unternehmerinnen: Krista besitzt eine Papierfabrik und Renáta steht einer Klinik vor. Einzig die Jüngste, Vendula, hat eine andere Laufbahn eingeschlagen und ist Sprachwissenschaftlerin für Arabistik und Judaistik geworden.
    Tomáš plant die Regelung seiner Nachfolge an der Spitze der Holding. Mit dieser Position möchte er allerdings keine seiner leiblichen Töchter betrauen, sondern den Sohn seiner engsten Mitarbeiterin Tereza Pavliková, ihres Zeichens Geschäftsführerin der Holding. Vincenc hat gerade sein Studium in Oxford abgeschlossen und seine akademische Karriere mit einem ‚Master of Law‘ gekrönt. Um seinem Vorhaben noch mehr Nachdruck zu verleihen, plant Tomás, Tereza zu heiraten und ihren Sohn zu adoptieren. Das geht allerdings seinen Töchtern zu weit. Es regt sich Protest: Renáta und Krista verbünden sich, und Vendula hat sowieso ganz andere Pläne mit Vincenc. Die beiden sind ein Liebespaar, wollen heiraten und eine Familie gründen. Das wirft noch ganz andere Probleme auf, denn in der Familie gibt es ein streng gehütetes Geheimnis …
    Mit überraschenden Plotwendungen und einer großen Lust an schräg überzeichneten Figuren entwirft Pavel Kohout in seiner Videoposse ein spätkapitalistisches Gesellschaftspanorama, in dem religiöse und generationsbedingte Empfindsamkeiten aufeinander prallen. Eine bissige Komödie des tschechischen Altmeisters in Corona-Zeiten, kein bisschen politically correct und höchst amüsant.

    Familie in Zeiten von Corona ist sowieso schon ein heikles Thema. Wenn die Familienmitglieder dann auch noch Aktionäre einer Holding sind, und das Familienoberhaupt seine Nachfolge in der Firma regeln möchte, sind die Konflikte vorprogrammiert. Pavel Kohout hat mit 92 Jahren eine Farce geschrieben, die den Bogen spannt von Shakespeares KING LEAR bis hin zu…

    weiterlesen

  • 3
    Damen
    11
    Herren

    Durchreise
    Die Geschichte einer Firma

    Berlin, Anfang der 30er Jahre: Die deutsche Hauptstadt gilt weltweit als Mekka für Damenmode. Auch das Geschäft des Juden Max Salomon läuft gut: Herr Naumann entwirft hinreißende Kleider, Frau Stranitzki schneidert sie dem Mannequin Daisy auf den Leib, und Herr Fiedler ist ein fähiger Verkäufer. 1933 kommt es jedoch zum Bruch: Hitler ergreift die Macht, und Salomon muss sich als Inhaber zurückziehen. Der talentierte Lehrling Fraenkel, selbst Halbjude, übernimmt mit Feuereifer das Geschäft, ein hoffnungsvoller Neuanfang, doch
    die Ernüchterung folgt schon bald.

    Denn nur zwei Jahre später werden die Rassegesetze erlassen, und auch Fraenkel gerät ins Visier der Nazis. Betriebsintern wird die Luft dünner, der windige Fiedler, zuvor stolz auf sein angeeignetes Jiddisch, hängt sein Fähnchen in den Wind und hofft, nach der Arisierung des Unternehmens zum Chef aufzusteigen. Fraenkel, der das primär auf seinen Vorteil bedachte Model Margot geheiratet hat, droht jedoch auch an anderer Front ein Zeichen der Zeit zu verschlafen: Erst in allerletzter Sekunde, die gefälschten Ausreisepapiere bereits in der Tasche, gesteht er der gradlinigen Monika, die als Partnerin ins Geschäft eingestiegen ist, seine Liebe.

    Der Krieg kommt und verändert auch im Geschäft für Damenmode alles: Fraenkel schließt sich den Alliierten an und zieht in den Kampf, Monika, die ein Kind von Fraenkel hat, von dem er jedoch nichts weiß, bleibt mit Naumann zurück und hält mit letzter Kraft den Betrieb aufrecht. Im Keller haust der alte Inhaber Salomon, der den Absprung ins Ausland verpasst hat und von Monika heimlich mit Essen versorgt wird. Bis eines Tages Fiedler, mittlerweile ein strammer Nazi, den Braten riecht und mitten im Bombenhagel auf die
    Hauptstadt den Behörden Meldung machen will…

    „Durchreise“, ein Fachbegriff für die Präsentation einer Modekollektion, zugleich Symbol für die Lebensgeschichte der hier verwobenen menschlichen Schicksale, ist das vielleicht persönlichste Stück von Curth Flatow, der selbst in einer Berliner Konfektion gelernt hat. Es beginnt in einem jüdischen Altersheim, wo der greise Salomon in ständiger Zwiesprache mit seiner verstorbenen Frau die Stationen seines Lebens zwischen 1931 und 1961 rekapituliert – und
    entfaltet jene Phase zwischen Machtergreifung und Mauerbau, die zu den dunkelsten und turbulentesten Kapiteln der Geschichte unseres Landes gehört.

    Die Geschichte eines jüdischen Unternehmens in Nazi-Deutschland, Kriegswirren und Zeiten des Wiederaufbaus mit so viel Einfühlung, Witz und Differenziertheit zu erzählen, dass es auf eine Boulevard-Bühne gebracht werden kann – das gelingt nur einem: Curth Flatow.
    „Durchreise“ wurde 1982 am Theater am Kurfürstendamm uraufgeführt, in der Hauptrolle Georg Thomalla, und erreichte nach der Premiere allein in Berlin 165 Vorstellungen. 1992 wurde „Durchreise“ eine sechsteilige Fernsehserie für das ZDF, in der Hauptrolle Udo Samel.

    Berlin, Anfang der 30er Jahre: Die deutsche Hauptstadt gilt weltweit als Mekka für Damenmode. Auch das Geschäft des Juden Max Salomon läuft gut: Herr Naumann entwirft hinreißende Kleider, Frau Stranitzki schneidert sie dem Mannequin Daisy auf den Leib, und Herr Fiedler ist ein fähiger Verkäufer. 1933 kommt es jedoch zum Bruch: Hitler ergreift die Macht,…

    weiterlesen

  • 2
    Damen
    5
    Herren

    Bitterer Weizen

    Die Erfahrungen, die Mamet als Autor und Regisseur in der Kulturindustrie von Hollywood machen konnte, haben ihn nicht nur bis ins Intimste mit deren Mechanik vertraut gemacht. Sie haben in ihm auch eine tiefe Verachtung für deren Personal hinterlassen. Trotzdem prangert er den „fetten Filmmogul Barney Fein“ in Bitter Wheat nicht als Triebtäter an, sondern präsentiert ihn als tragischen Clown: als den letzten Repräsentanten der Spezies des einst allmächtigen Weißen Mannes, der alle menschlichen Beziehungen seiner Gier unterworfen, alle Werte verraten, sein Selbst ins wahnhaft Genialische überdreht und seine Seele dem Teufel verschrieben hat, der ihm einen steten Zufluss von Erfolg und Bewunderung garantiert. Mamet zeigt den Zynismus, mit dem Barney Fein das „System“, aber auch die ihm Nächsten und zuletzt eine junge asiatische Schauspielerin für seine Zwecke instrumentalisiert, bis eine banale Störung die Mechanik zum Stocken bringt – und das Gehäuse seines Selbst in dem Nichts versinkt, über dem es errichtet war.
    „Mamet will uns erklären, wie die Welt funktioniert“ resümierte Peter Kümmel (DIE ZEIT) die Londoner Uraufführung. „Und da die Welt schlecht, dumm und grausam ist, braucht es einen schlechten, schlauen und grausamen Menschen als Hauptfigur, einen, der die Regeln erklärt – durch sein Beispiel“. Diese Regeln müssen aber auch befolgt werden, damit die Mechanik zuverlässig funktioniert. Ohne Gefolgsleute funktioniert gar nichts, erst sie beglaubigen den Zynismus als System, wie Barneys engste Vertraute Sondra. Sie verlässt ihn sofort, als er machtlos geworden ist.
    Bei der Londoner Uraufführung (mit John Malkovich in der Hauptrolle) wurde Bitter Wheat wegen der Parallelen zu den real existierenden „Tätern“ der Welt von gestern als Beitrag zur #MeToo-Debatte verkannt, die auf Rache und Strafe fixiert ist. Mamet zielt aber weiter. Er führt uns den Phänotyp der Spätmoderne vor: den Hollow Man, der sich von allem verabschiedet hat, was die abendländische Kultur über Jahrtausende an Werten schuf, und sich in einem letzten Aufbäumen gegen den Untergang wehrt, dem er entgegentreibt.

    Stück in zwei Akten

    weiterlesen

  • 3
    Damen

    Lammfromm

    Kann eine Frau zum Tode verurteilt werden, weil sie ein Lied gesungen hat?

    Irene Islandottir sitzt im Gefängnis. Sie weiß nicht, von wem und warum sie angezeigt wurde. Was sie weiß, ist, dass sie in einer christianisierten Gesellschaft lebt, in der die politischen Machthaber unerwünschte individuelle Freiheiten ahnden.

    In der Zelle versucht Irene gemeinsam mit ihrer besten Freundin Anna und der Anwältin Gudrun, die Gründe ihrer Festnahme herauszufinden und eine Strategie für den anstehenden Strafprozess zu entwickeln. Hängt womöglich alles mit dem Lied zusammen, das sie aus Liebeskummer in einem Kaffeehaus gesungen hat?

    Weltweit solidarisieren sich Menschen mit der Inhaftierten, da ein Youtube-Video ihres Auftritts sich online verbreitet und so Irenes Fall bekannt wird. Je höher die Zahlen der Klicks und Likes in den Sozialen Medien steigen, umso mehr erhofft Irene ihren Freispruch. Gudrun und Anna machen ihr Mut, denn durch Demonstrationen und Solidaritätskonzerte wächst der Druck auf die Obrigkeit, und die Protestmärschler und ausländischen Politiker würden einer Verurteilung sicher nicht tatenlos zusehen. Im Prozessverlauf wächst der Druck auf Irene; sie muss eine Entscheidung treffen über ihr eigenes Schicksal, Leben oder Tod.

    Feinsinnig. Lakonisch. Düster. Penelope Skinner konfrontiert einen persönlichen Kampf um Wahrheit und Würde mit den Mächten eines religiös fanatisierten geschlossenen politischen Systems. Sie zeichnet Bilder von beklemmender Enge und vom Wert der Freiheit; beleuchtet die Kraft von Freundschaft, Liebe und Verrat, die Grenzen des Internets und die Instrumentalisierung von Religion. Ein kluges, erschreckend aktuelles Stück zwischen Hoffnung, Dystopie und Realität.

    15 Szenen

    weiterlesen