Stück Kategorie: Schauspiel

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    Damen
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    Herren

    Der Bußfertige

    Mamet spürt dem Unbehagen nach, das sich in den liberalen Gesellschaften ausbreitet, seit die aufgeklärten Gemüter erkennen müssen, dass sie die Bedrohung der Ordnung ihrer Welt nicht nur der Wiederkehr von „bewältigt“ geglaubtem Ressentiment verdanken, sondern auch der eigenen Verblendung. Mamets „Bußfertiger“ ist ein Psychotherapeut, der gegen den Auftrag rebelliert, zu Gunsten eines Mörders, den er vor dessen Taten behandelt hat, als Zeuge der Verteidigung vor Gericht aufzutreten.

    Er verweigert sich dem Ansinnen, zur Entlastung des Täters beizutragen, und die nach Abweichung gierenden Medien, die den Mord verkaufsfördernd ausgewalzt haben, bauschen die Weigerung zum Skandal auf. Der Täter ist homosexuell. Die Medien werfen dem Therapeuten Homophobie vor. Er sucht Rat bei einem Rabbi und findet Halt in der Religion.

    Im Gespräch mit einem Staatsanwalt, das an die Großinquisitoren von Schiller und Dostojewski denken lässt, erinnert er an die Strenge von Gottes Gesetz, das ihn dazu bewegt, sich den Regeln des Spiels der Gewissenlosen zu verweigern. Trotz verzweifelter Einreden seiner Frau und beschwörenden Abratens ihres befreundeten Anwalts folgt er dem Diktat seines Gewissens. Seine Aufzeichnungen über die Behandlung des späteren Täters waschen ihn vom Vorwurf der Homophobie rein, belegen aber auch, dass er dessen Gewaltbereitschaft falsch eingeschätzt hatte. Das Erwachen seines Läuterungsstolzes zerstört seine Ehe und seine berufliche Existenz.

    Stück in 8 Szenen

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  • 6
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    8
    Herren

    Die Nacht des Leguan

    Sommer 1940, der Dschungel an der mexikanischen Küste. Shannon, Doktor der Theologie, trockener Alkoholiker, zudem wegen „Unzucht und Ketzerei“ von der Kirche geschasst, erreicht als Leiter einer Reisegruppe von Lehrerinnen eines Baptisten-Colleges für Mädchen das Hotel „Costa Verde“, ein etwas zweifelhaftes Haus, das von der sinnenfreudigen Maxine geführt wird. Shannon ist am Ende seiner Kräfte: Erst ist Gott ihm verloren gegangen und nun droht ihm – nach einer Affäre mit der 17-jährigen Charlotte – auch die Kontrolle über sein puritanisches Frauen-grüppchen zu entgleiten.

    Doch im „Costa Verde“ ist Shannons Haltlosigkeit kein Einzelfall. Nach dem Tod ihres Mannes Fred sucht Maxine einen neuen Gefährten, vor allem aus sexuellen Gründen – Shannon wäre ihr Wunschkandidat. Nonno Coffin, „der älteste noch lebende Dichter“, hingegen kämpft gegen die Zeit: die neuronalen Aussetzer häufen sich, dabei ist das eine große Gedicht, das sein Werk krönen kann, noch nicht geschrieben. Er wird begleitet von Enkeltochter Hannah, einer Frau von tiefer innerer Schönheit und Stärke, zugleich einsam und eingeschlossen in ein nie gelebtes Liebesleben. Hannah will Shannon befreien von dem Schatten, der über seinem Leben liegt. Doch dazu muss sie auch sich selbst befreien.

    „Die Nacht des Leguan“ von Tennessee Williams ist eines seiner facettenreichsten Stücke: voller Humor, Lyrik und Lust an satirisch-grotesker Überzeichnung, aber auch ein Stück über den Kerker, der das eigene Leben ist, und den dramatischen Versuch, ihm zu entkommen. Am Ende, in einer der vielleicht intensivsten Szenen in Williams’ Werk, als Hannah und Shannon darüber streiten, ob sie einen für die Hotelküche gefangenen Leguan befreien sollen, macht es den Eindruck, als würden sich die Bahnen dieser zwei Einsamen für einen kurzen, aber hell erleuchteten Moment berühren. Und als wäre auch für sie die Freiheit möglich.

    Stück in 2 Akten

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    Lang

    Eine geschlossene Gesellschaft dreier Wiener aus der Spätzeit der K.u.K.-Monarchie, die unfreiwillig zusammentreffen, weil das Gesetz es so will: Ein DOKTOR der Medizin, der die staatliche Ordnung vertritt, die über Tod und Leben entscheidet, ein öffentlich bestellter Henker (LANG), der das Töten von Menschen als einen Beruf wie jeden anderen versteht, und ein namenloser Delinquent (BURSCHE). Ebenso wie der DOKTOR versteht sich LANG als rechtschaffene Person, die vollstreckt, was das Gesetz vorschreibt. LANG übt seinen Beruf tadellos aus, ja „human“, da auf der Grundlage einer Rechtsordnung, „die ganz im Zeichen eines aufgeklärten, christlich geprägten und vernünftigen, praktischen Humanismus steht.“ Den beiden Honoratioren ausgeliefert ist der junge BURSCHE, der weiß, dass er den Raum in der Gesellschaft mit diesen beiden ehrenwerten Herren nicht mehr lebend verlassen wird.
    LANG versteht es, sich geschmeidig zu bewegen zwischen dem Schwadronieren des bräsig, selbstgefällig daherkommenden DOKTORs und dem BURSCHEN, der nichts mehr zu verlieren hat als seine Vision von einem Sozialrebellen. Gegen die unausweichliche Front der todbringenden Liaison von DOKTOR und LANG versucht der zum Tod durch Erhängen verurteilte Delinquent, sich mit dem letzten Mittel zu behaupten, das ihm noch zur Verfügung steht: der Sprache. Von der wienernden Tonart wechselt der BURSCHE ins Hochdeutsche.
    Diese rhetorische Distanzierung erlaubt ihm, sich als Revoluzzer zu gebärden und sich mit beißender Ironie und sezierendem Blick über den DOKTOR als Personifikation staatlicher Gewalt und über LANG als zu deren Vollstreckung beauftragter Scharfrichter zu erheben.
    Dies kann ihm kaum gelingen, im Gegenteil, der DOKTOR und LANG geben sich Stichworte, und leben damit auf, bis an die Grenze des Erträglichen, wenn sie in einem unausgesprochenen Understatement ihren sadistischen und masochistischen Todesfantasien freien Lauf lassen können. Auch der BURSCHE, das Opfer, läßt gegen Schluß keinen Zweifel mehr daran, wozu er fähig wäre, wenn er die Situation umkehren könnte.
    LANG, die Hauptfigur, versteht es perfekt, seine Position gleichsam zu neutralisieren. Er kann es sich leisten, nach zwei Seiten hin „Verständnis“ zu zeigen. Sowohl für den DOKTOR als auch für das letzte Aufbegehren des BURSCHEN hat er ein Ohr, aber deren Meinungen fechten ihn nicht an. LANG kennt den Ablauf und weiß um dessen Ausgang und riskiert nichts, wenn er zwischen DOKTOR und dem BURSCHEN hin und her laviert, mit dem Schein gleichgültiger Empathie und für die Dauer von nicht mehr als einer „Gnadenfrist“.
    Dieser Abend mit Musik liefert ein Porträt der Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts, durchsetzt mit Wien-Klischees, deren scheinbare Harmlosigkeit umso krasser die Gewalt hervortreten lassen, mit der eine Rechtsordnung die Todesstrafe per Gesetz legitimiert.
    Welches Menschenbild in welcher sozialen Ordnung ist heute aktuell?

    Ein Musikalischer Abend

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    Herren

    Drei im Kreis

    Am Anfang ist da ein toter Körper. Ein Leib, aus dem das Leben sich verflüchtigt hat. Die Bühne betritt: eine Frau ohne Geschichte. Mit sich führt sie eine Tasche ohne Boden. Bald wird sie Gesellschaft von einem Mann erhalten, dessen Name niemals fällt. Stattdessen erfahren wir von seinen Eigenschaften, seiner Sanftmut, seiner Güte. Er ist da, wann immer sie ihn braucht. Auch wenn er nicht spricht. Ganz im Gegensatz zu dem anderen, Pecu, der fortwährend redet. Er ist der, mit dem die Frau, Baby, in einer Beziehung lebt.
    Die ersten Worte gelten ihm – eine Frage, vielleicht ein Vorwurf: „Wo bist du gewesen?“

    Wir begegnen Pecu und Baby zu einem unbestimmten Zeitpunkt ihrer Beziehung. Sie haben eine Geschichte miteinander, Körper, die sich kennen. Die Krise ist virulent: Die Sprache der Liebe ist zugleich eine Sprache der Macht, der Besitzverhältnisse. Worte der Nähe wechseln sich ab mit dem gegenseitigen Aufrechnen der Defekte und Versäumnisse: Beziehung als Geschäftsmodell. Gesetzte Zuwendungen fallen in eins mit gesetzten Gemeinheiten im verzweifelten Ringen um verbindende Gefühle.

    Es sind die einfachen Bilder, die komplexe Verhältnisse verständlich machen. Und es ist die entlarvende Kraft der Sprache, die das Unsagbare vor Augen führt. In Drei im Kreis haben die Worte einen doppelten Boden: Da sind diese Menschen, die mit sich und an einander etwas über sich selbst herausfinden wollen. Und zugleich verhandeln sie universale Konzepte: Geld, Glaube und das ewig unvollkommene Menschliche. Sie tun dies in der Urform der Erkundung von Wirklichkeit: dem Spiel. Dabei ist, was wir sehen, ein Probehandeln mit tödlichem Ausgang.

    Drei im Kreis ist eine Geschichte der Abwesenheiten, des Mangels, dessen, was fehlt – und so Begehren und Begehrlichkeiten schafft. Am Anfang des Stückes steht eine Frage. Und am Ende schließt sich der Kreis. Aber nicht durch eine Antwort – darauf dürfen wir nicht hoffen. Was dazwischen liegt und wie es dazu kam, dies gilt es zu erfahren.

    Drei im Kreis konfrontiert ein Publikum mit der oft erlebten, bezeugten und gesehenen Beziehung in Schieflage. Konfrontiert es mit eigenen Ausrede-, Beschwichtigungs-, Beteuerungs-, Lügen- und Verzweiflungsstrategien. Es spielt mit der Ur-Erzählung von Pandoras Schachtel oder den haltlosen Beschwörungen des Zauberlehrlings. Es ist ein Stück der „Geister, die man rief“ um sich selbst sein Dasein, dessen tägliche Unbill, aber auch die Ängste vor dem Ende und vor dem Unbekannten erträglicher zu gestalten. Drei im Kreis ist ein Stück über die schreckliche Herrschaft von „Gott“ und „Geld“ über einen Menschen, der längst Sklave und Untertan seiner eigenen Schöpfung geworden ist. Und der auf dem Weg ist, schließlich nichts mehr als ein „Produkt“ zu sein. Es ist ein Stück über unsere Zeit und unsere Herausforderung. Ein Stück für unsere Zeit. Und eine Herausforderung.

    Schauspiel in 11 Runden

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    Herren

    Transit Tegernsee

    Eines Tages macht sich der Flüchtling Sunday, wohnhaft Dreifachturnhalle Tegernsee, auf den Weg zum örtlichen Gesangsverein. Er will mitsingen. Der Chor rekrutiert sich aus Mitgliedern der Teutschen Bank. Sie haben gerade irgendeine „Afrikascheiße“ verbockt, d. h. ungenügend geprüfte Gelder afrikanischer Stammesfürsten in zinsträchtigen Anlagen gewaschen. Sunday kommt ihnen eben recht. Das jährliche Abschlusskonzert vor der gesamten Chefetage der Teutschen Bank steht bevor, und es fehlt der Tenor.
    Der sozialromantische Hick, langjähriger Leiter des Chors, versucht, Sunday während der Proben behutsam an deutsches Liedgut heranzuführen. Als zusätzlich ein weiteres Lied mit afrikanischem Kolorit einstudiert werden soll, fühlen sich die anderen Männer des Chors um ihre angestammten Plätze betrogen. Unterdessen kümmern sich die Frau des Chorleiters und dessen Tochter intensiv um das leibliche Wohl des Neuzugangs.
    Es kommt zum Clash der Kulturen.
    Ein Stück mit Gesang, so tief wie der Tegernsee.

    Ein Stück in fünf Szenen mit Musik

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  • Als ich merkte, dass ich gestorben bin

    Der Tod eines Killers: Mitten in der Ausübung seines Berufs – die Hand war bereits am Revolver – hat es den Mörder erwischt: Herzinfarkt. Für einen Profi, der seinen Job sonst sauber und schmerzfrei erledigt, ein äußerst unwürdiger Tod. Doch damit nicht genug: Post mortem verliebt sich der Killer in sein Opfer – eine junge Frau, die der Ehemann zu beseitigen wünscht. Und kaum hat er begriffen, wer oder was er nun ist (ein Gespenst?), folgt der verhinderte Mörder seinem verhinderten Opfer auch schon in die Dunkelheit der Nacht.

    Denn eines ist klar: die Gefahr für die hübsche Frau ist mit seinem Ableben noch lange nicht gebannt. Nur, wie eingreifen, wenn man dieser materiellen Welt nicht mehr angehört? Über den Tod hat der Killer bislang wenig nachgedacht, dabei war Sterben sein Metier. Doch bei seiner irrlichternden Geisterreise durch die nächtliche Stadt begegnet der tote Mörder einem Menschen, der sich auskennt: eine alte Frau am Laptop, umgeben von einer Schar Katzen, die von Einstein und Newton spricht und behauptet, tot und lebendig zugleich zu sein. Sie wird sein Verständnis von Diesseits und Jenseits gründlich über den Haufen werfen…

    Warum tragen Tote veilchenblaue Anzüge? Ist die Seele eine Kugel? Was wäre, wenn der Tod wie das Leben ein Traum ist? Können wir aus beidem erwachen? Und wie trinkt man eigentlich als Toter einen Schnaps? – Wer glaubt, der Tod sei noch das Leichteste im Leben, der wird von Lotte Ingrisch eines Besseren belehrt: die Komplikationen fangen mit ihm erst richtig an. Und so ist „Als ich merkte, dass ich gestorben bin“ nicht nur eine rasante Geschichte über eine Liebe zwischen den Welten und ein abgründig-ironischer Krimi im Stile des Film Noir, sondern es ist zugleich die philosophische und augenzwinkernde Erschließung eines gänzlich unbekannten Feldes: eines Feldes, das jenseits liegt von Leben und Tod.

    Drehbuch nach ihrem gleichnamigen Roman

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    Smith & Wesson

    Jerry Wesson lebt in einer schäbigen Hütte am Niagara-Fluss unweit der berühmten Wasserfälle. Er wird „Der Fischer“ genannt, weil er die Leichen der Selbstmörder birgt, die in dieses Naturtheater aus gigantischen Wassermassen gesprungen sind. Tom Smith, von Beruf, wie er sagt, Meteorologe, aber eigentlich ein glückloser Erfinder, sucht ihn auf, um ihn für seine absurden statistischen Tabellen zum Wetter der vergangenen Jahrzehnte zu befragen. Smith und Wesson sind das klassische Komikerpaar. Ihre Nachnamen gehören, zusammen genommen, auch den Erfindern eines Revolvers und ihre Vornamen den Trickfilmfiguren Tom und Jerry.

    Gerade als die Beiden Freundschaft schließen, platzt eine sehr energische junge Journalistin in ihr Leben. Rachel Green träumt von einer Karriere als Schriftstellerin, aber beim San Fernando Chronicle darf sie gerade Mal Tabellen für die Gezeiten aufstellen und im Übrigen „Sandwiches in die Redaktion bringen und dem Chef abends einen blasen“. Der stellt ihr, auf ihre wütende Beschwerde hin, die Aufgabe, in zehn Tagen eine Titelstory zum Thema „Die Niagarafälle, das Paradies für die Flitterwochen“ zu liefern, die der Zeitung todsicher hohe Verkaufszahlen beschert.

    Es ist der neunte Tag, sie hat nicht einmal mehr das Geld für die Rückfahrt, aber eine grandiose Idee. Mit Hilfe des „genialen Erfinders“ Smith und von Wesson, der den Fluss „besser kennt als seine Unterhosen“, will sie beweisen, dass man sich willentlich die Niagarafälle hinunterstürzen und trotzdem überleben kann.

    Nach vielen Einwänden – „Es sind fünfzig Meter, und sie enden in der Hölle!“ – beginnen Smith und Wesson, an Lösungen zu arbeiten. Rachel setzt derweil die Werbemaschinerie in Gang, gibt Pressekonferenzen und organisiert den Kartenverkauf. Finanziert wird das Unterfangen von der schönen Mrs. Higgins, Besitzerin des „Great Falls Hotel“, einer geheimnisvollen Figur, die vom ersten Satz des Stückes an präsent ist, obwohl sie erst nach dem „Großen Sprung“ auftauchen wird …

    Rachel, sexy gekleidet, aber mit Helm bewehrt, wird ins Innere eines Bierfasses klettern, aus dem sie in letzter Sekunde von Wesson wieder herausgeholt werden soll. Der Autor wünscht sich, dass das Publikum in einen Zustand versetzt wird, als säße es selbst darin, umgeben vom Getöse der Wassermassen, Rachels Atemzügen und den Klängen einer Spieluhr, die Smith für Rachel eingebaut hat.

    Wird Rachel überleben? Und welche Rolle spielen die beiden Wiedergänger von Wladimir und Estragon dabei? Jedenfalls wird sich für alle drei ihr Leben völlig verändern, und Smith und Wesson erfüllen Rachel den Wunsch, allen Menschen, denen sie begegnen, ihre Geschichte zu erzählen.

    Acht Sätze mit variierenden Tempi

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  • Fair Play *

    A FAIR QUARREL hatte aller Wahrscheinlichkeit nach im Jahre 1616 (dem Todesjahr Shakespeares) in London Premiere und war so erfolgreich, daß es 1617 gedruckt und, um eine komische Szene ergänzt, wiederaufgenommen wurde. Es hielt sich über viele Jahre bis zur Schließung der Theater durch die Puritaner auf den Spielplänen verschiedener Londoner Bühnen und wird bereits 1662 wieder erwähnt.
    Um 1609 waren romantische Tragikomödien im Stil Beaumonts und Fletchers in Mode gekommen, deren Einfluss in den folgenden Jahren für Middleton bestimmend wurde. Als das gelungenste Stück dieser Periode darf wohl A FAIR QUARREL bezeichnet werden. Es vereinigt die realistischen und satirischen Elemente der frühen Bürgerkomödien mit der tragikomischen Ironie der neuen Form des Dramas und zeichnet sich durch eine auffallende, sehr modern anmutende Psychologisierung einiger Figuren aus.
    Thema von A FAIR QUARREL ist die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Begriffen wie „Ehre“, „guter Ruf“ und „Ansehen“, und dieses Thema wird auf drei sehr unterschiedlichen Handlungsebenen vorgeführt, gespiegelt, variiert und parodiert.
    Was das Stück auch auszeichnet, ist die Art und Weise, wie es Sprache vorführt: statt als Mittel der Verständigung zu dienen, schafft Sprache Mißverständnisse, dient der Verschleierung und Täuschung, oder sie löst sich auf in Bedeutungslosigkeit, wie in der Nonsense-Sprache der „Krawallierer“. Ihr kraftmeierndes und anzügliches Kauderwelsch ist nur das auffälligste Beispiel für den Widerspruch, der entsteht, wenn Sprache die Kommunikation nicht mehr fördert, sondern verhindert. Das gilt auch für das Medizinerlatein des Wunderarztes, das Pidginenglish der holländischen Amme, den Fachjargon der Duellierer und Ringkämpfer, wie die Vulgärsprache der Dirnen. Und die übrigen Figuren üben sich in der Kunst der Andeutungen, Spitzfindigkeiten und Wortklaubereien, um ihre wahren Absichten zu verschleiern. Die vorgeführten Unsitten im Umgang mit Sprache entsprechen der allgemeinen Auflösung dessen, was einmal „gute Sitte“ war.

    Stück in 11 Szenen

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    Die Ermordung des Herrn Arden aus Feversham *

    Ein Vorfall, der sich 1551 in der Grafschaft Kent tatsächlich ereignet und die Öffentlichkeit des Elisabethanischen England nachhaltig beschäftigt hat, ist Stoff dieses Trauerspiels. Es geht um den Mord an Thomas Arden, einem als Kaufmann und Grundbesitzer reich gewordenen Bürgers aus Feversham. Er steht der Liebeslust seiner Frau Alice und Mosbys, des ehemaligen Hausverwalters eines Lords, im Wege.
    Eine makabre und groteske Serie absurder Zufälle bringt das mörderische Komplott immer wieder zum Scheitern. Als der Mord schließlich doch gelingt, wird er nicht als tragisches Ende eines unlösbaren Konflikts zwischen Täter und Opfer wahrgenommen. Das Gelingen der Tat, der brutale, hinterhältige Mord wird zum ungeduldig erwarteten Ende einer realistisch, ganz und gar nicht ästhetisierend dargestellten Geschichte von Intrigen, Gier und sozialem Dünkel, in der Mr. Arden sterben muß.
    Der anonyme Autor des Stücks, der in England als Begründer des bürgerlichen Trauerspiels gilt, ist auch der erste Realist in der Geschichte des englischen Dramas. In einer Welt gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Parvenues sucht er die „einfache Wahrheit“, die er szenisch wirksam auf die Bühne bringt, auch sprachlich, indem er die Verschwörer in Blankversen und deren Handlanger in Prosa reden läßt. Herausragend ist die Figur der Alice Arden, der hier erstmals eine komplexe, weibliche Charakterrolle zugestanden wird, die einer kaltblütig zum Giftmord anstiftenden Frau. Auch die Mörder wie Black Will und Shakebag werden gezeichnet wie Gangster, die einer Mafiabande angehören könnten. Trotz unübersehbarer Relikte überkommenen Aberglaubens zeigt das Stück eine Welt im Wandel, der für den Beginn der Moderne steht, andauernd bis heute.

    Elisabethanisches Schauspiel in 29 Szenen

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  • 8
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    4
    Herren

    Roulette

    Der Revolutionär Alexej, der in einer russischen Bezirksstadt ein Attentat verüben soll, wird verraten und muss fliehen. In einem Bordell findet er Unterschlupf bei der Prostituierten Ljuba, die schnell sein Geheimnis durchschaut. Alexej wirft ihr Verrat am Leben vor, sie ihm Weltfremdheit. Die Offiziere der Stadtgarnison und der Kommissar, der die Suche nach Alexej leitet, statten dem Bordell einen Besuch ab, aber Alexej spielt den Verfolgern glänzend die Rolle eines Engländers vor und trägt den moralischen Sieg davon, als er beim „Russisch Roulette“ kaltblütig mit dem geladenen Revolver um sein Leben spielt. Alexej und Ljuba versuchen noch einmal, einander von ihren Lebenswahrheiten zu überzeugen, bis sie sich eingestehen müssen, dass sie schon lange selbst nicht mehr daran glauben. Als man Alexej verhaften kommt, ergibt dieser sich widerstandslos – und begeht damit auf gewisse Art Selbstmord. Ljuba versucht, mit seiner Waffe freien Abgang für ihn zu erzwingen, aber als sie begreift, dass er aufgegeben hat, erschießt sie ihn aus Enttäuschung und Mitleid, um ihm den Galgen zu ersparen.

    Frei nach Motiven der Erzählung „Die Finsternis“

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