In ihrer kleinen Kellerwohnung gibt sich ein frisch vermähltes Paar seiner jungen Liebe hin, als sich plötzlich mitten in der Nacht durch den Lichtschacht eine Leiter schiebt, an der vier Feuerwehrleute herunterrutschen. In der Küche soll ein Feuer ausgebrochen sein, das nun nach allen Regeln der Kunst gelöscht werden muss. Das Paar steht ohnmächtig dabei, als der Brand im Nebenraum bekämpft wird. Dabei stellt das nächtliche Überfall-Kommando fest, dass die jungen Leute nicht versichert sind. Die Feuerwehrmänner deklarieren sich zusätzlich als Versicherungsvertreter und bieten den Beiden eine vordatierte Versicherungspolice an. Für das junge Paar sieht es zunächst günstig aus, da auch wertvolle Gegenstände für vernichtet erklärt werden, die es nie gab. Sie erklären sich mit dem Versicherungsbetrug einverstanden und versprechen sogar, den Gönnern einen Teil des Gewinns auszuzahlen. Als sich aber zeigt, dass es in der Küche nie einen Brand gegeben hat, stellen die geschäftstüchtigen Eindringlinge das Paar vor die Wahl: Entweder sie bewahren Stillschweigen über das Geschäft, oder das Kommando legt wirklich einen Brand und lässt die Beiden im Souterrain verbrennen. Man arrangiert sich. Die Betrüger haben ihren Dienst getan und daran gut verdient, denn „wer löschen will, muss manchmal auch für Feuer sorgen“. Die jungen Leute zahlen den Preis der Angst, reden sich aber ein, das Richtige getan zu haben, auf dass alles wieder so werden möge, wie zuvor.
Brand im Souterrain
Verfasst von
in
Eine feurige Farce in einem Akt
Kohout, Pavel
PAVEL KOHOUT, geboren 1928 in Prag, war bereits in den 50er Jahren international der meistgespielte tschechische Theaterautor. 1968 war er einer der Wortführer des „Prager Frühlings“; Zusammen mit dem späteren Staatspräsidenten Václav Havel verfasste er die berühmte „Charta 77“, in der führende Intellektuelle die Einhaltung der Menschenrechte in der ČSSR forderten und die von zwei Millionen Bürgern unterschrieben wurde. 1977 nahm Kohout einen Beratervertrag als Dramaturg am Burgtheater Wien an und erhielt im selben Jahr den „Großen Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur“. Er wurde ausgebürgert und man erteilte ihm ein Publikationsverbot. Kohout nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an, erst im Jahr 1990 erhielt er die tschechische zurück.
Schriftstellerei und politisches Engagement waren bei Kohout stets untrennbar miteinander verbunden. Seine Stücke – Kohout ist Meister der Politischen Parabel – prangern hintergründig staatliche Repression und Dogmatismus an und zeichnen präzise, oftmals mit absurder Komik, eine Stimmung aus Misstrauen, Einschüchterung, Überwachung, Zensur und Willkür, wie sie der Autor in der ehemaligen ČSSR erlebte.
Über fünfzig Theaterstücke schrieb der Dramatiker, darüber hinaus verfasste er zahlreiche Gedichte, Essays und Romane, von denen etliche verfilmt wurden. Für sein umfangreiches Werk und seine politischen Verdienste wurde Pavel Kohout vielfach geehrt.
2016 gab er sein dramatisches und belletristisches Gesamtwerk zu Jussenhoven & Fischer und schrieb nach Karel Čapeks berühmtem Stück ›R.U.R.‹ sein Stück ›Rossum’s Roboter AG‹. Der Begriff „Roboter“ war 1920 von Čapek erfunden worden. Kohout hat die Geschichte Čapeks ins Heute gezogen: Der Stoff vom „Zauberlehrling“, vom „Golem“, von Entwicklungen, die man nicht mehr beherrschen kann, ist brandaktuell. Kohouts moderne Version, die in Teilen auch an ›Der Herr der Ringe‹ erinnert, ermuntert zum Nachdenken und Umdenken.
Kohouts neues Stück ›Die Henkerin‹ widmet der Autor sich selbst zu seinem 90. Geburtstag am 20. Juli 2018. Er war immer unsicher gewesen, ob man die Komplexität des Romans auf einen Theaterabend komprimieren sollte – bis er im Sommer letzten Jahres von den Studenten der Fakultät für Informatik an der Masaryk-Universität in Brno und ihrem Theater eingeladen wurde, sich deren Aufführung anzusehen. Das hat ihn überzeugt, und er hat nun seine eigene Dramatisierung vorgelegt, die jetzt auf Deutsch vorliegt.