Das Stück spielt in Paris, im Café de la Régence, im Jahr 1762. Hierhin zieht der Dichter und Philosoph Diderot sich vor den Missständen des Lebens zurück, um in Muße den Schachspielern zuzusehen. Hier begegnet er auch dem Neffen des Komponisten Rameau, einem der sonderbarsten Menschen, die das Land je hervorgebracht hat. Zwischen dem Philosophen (ICH) und dem „verkommenen Menschen“ (ER) entspinnt sich ein beide Seiten entlarvender Dialog über die Ordnung der Welt, über Individualismus und Opportunismus, über Fleiß und Faulheit, Philosophie und Geniekult, und über das Menschsein an sich.
Diderot trifft einen verkommenen Menschen und hat mit ihm einen Disput
Verfasst von
in
Ein Dialog
Dorst, Tankred
TANKRED DORST wurde 1925 in Oberlind bei Sonnendorf, Thüringen, geboren. Als Siebzehnjähriger wurde er zur Wehrmacht eingezogen und geriet bei Kriegsende in englische und amerikanische Gefangenschaft, aus der er 1947 nach Westdeutschland entlassen wurde. 1950 nahm Dorst das Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München auf. Bald darauf begann er, Stücke für das studentische Marionettenstudio zu verfassen. Seine ersten Werke für das Schauspiel wurden 1960 aufgeführt. Es folgten über 30 Dramen und Libretti, u.a. „Toller“, „Die Kurve“, das 1961 von Peter Zadek mit Klaus Kinski, Helmut Qualtinger und Gernot Duda für den WDR verfilmt wurde, „Große Schmährede an der Stadtmauer“ und „Der Kater oder Wie man das Spiel spielt“. Seinen vier nahezu „klassischen“ Kinderstücken, die, wie ein Großteil der Texte seit den 1970er Jahren, in Zusammenarbeit mit Ursula Ehler entstanden sind, folgte 2002 „Der vergessene Zauberspruch“. Daneben entstanden Bühnenbearbeitungen, u.a. in Zusammenarbeit mit Peter Zadek, sowie Übersetzungen, Drehbücher, Essays und Erzählungen. Tankred Dorst führte auch Regie bei mehreren Filmprojekten und inszenierte 2006 den „Ring der Nibelungen“ für die Bayreuther Festspiele. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Gerhart-Hauptmann-Preis, den Mühlheimer Dramatikerpreis, den Georg-Büchner-Preis und den Max-Frisch-Preis. 2009 empfing er den Thüringer Verdienstorden, die Ehrendoktorwürde der Universität Bamberg und den Europäischen Literaturpreis, Straßburg. 2012 erhielt er zusammen mit Ursula Ehler in Erfurt den Theaterpreis Faust für sein Lebenswerk.