Eine Gruppe von Menschen beiderlei Geschlechts und verschiedener sozialer Schichten hat sich auf eine Insel gerettet und will dort eine neue Gemeinschaft gründen. Neue Gesetze müssen verfaßt werden, und die Frauen fordern, dabei mitzubestimmen. Doch die Männer haben wenig Verständnis für diese Forderung und nehmen sie nicht ernst. Als die beiden Anführerinnen der Frauen, die adlige Artemis und die Handwerkersfrau Madame Sorbin, den Männern drohen, daß die Frauen sie verlassen werden, erkennen diese endlich den Ernst der Lage und bekommen Angst. Nur dank einer List gelingt es ihnen, die Frauen wieder in ihren Haushalt zurückzuholen. Von nun an sind sie zwar noch nicht gleichberechtigt, doch die Männer werden bei den neuen Gesetzen die Rechte der Frauen achten.
Die Kolonie
Verfasst von
in
Komödie in einem Akt
Marivaux, Pierre Carlet de
PIERRE CARLET DE MARIVAUX (1688 – 1763), über dessen Leben nur wenig bekannt ist, entwarf sein Theater als Medium zur Beobachtung des menschlichen Zusammenlebens: Liebe, Ehe, Erziehung, Geschlechterpolitik, die Verteilung der materiellen Güter – all die Themen, die uns heute noch beschäftigen, beschäftigten auch Marivaux. Seine Komödien sind experimentelle Versuchsanordnungen, die das Innere des Menschen jenseits allen standesgemäßen Dekors freilegen. Sie gelten damit als „Geburtsstätte von Privatheit im modernen Sinne“ (Jürgen Habermas). Den Übersetzungen von Gerda Scheffel, die Marivaux’ Sprache in ihrer ganzen Unbequemlichkeit und gedanklichen Schärfe aufblitzen lässt, ist es zu verdanken, dass wir diesen Autor heute als unseren Zeitgenossen wiederentdecken.