Lucidor, der reiche Besitzer eines neu erworbenen Landgutes, hat sich bei dessen Besichtigung in Angélique, die Tochter der Hausverwalterin, verliebt. Diese liebt ihn insgeheim ebenfalls. Doch um sicher zu sein, daß die von Lucidor geahnte Liebe seiner Person gilt und nicht seinem Geld oder seiner Stellung, gibt er seinen Diener Frontin als reichen Freund aus und versucht, Angélique zu einer Ehe mit ihm zu überreden, die das jedoch empört ablehnt. Als sie Lucidors böses Spiel erkennt, verzeiht sie ihm großmütig. Das von Marivaux häufig behandelte Thema, die Gefühle des andern auf die Probe zu stellen, wird hier in besonderer Härte gezeigt.
Die Liebesprobe
Verfasst von
in
Komödie in 22 Szenen
Marivaux, Pierre Carlet de
PIERRE CARLET DE MARIVAUX (1688 – 1763), über dessen Leben nur wenig bekannt ist, entwarf sein Theater als Medium zur Beobachtung des menschlichen Zusammenlebens: Liebe, Ehe, Erziehung, Geschlechterpolitik, die Verteilung der materiellen Güter – all die Themen, die uns heute noch beschäftigen, beschäftigten auch Marivaux. Seine Komödien sind experimentelle Versuchsanordnungen, die das Innere des Menschen jenseits allen standesgemäßen Dekors freilegen. Sie gelten damit als „Geburtsstätte von Privatheit im modernen Sinne“ (Jürgen Habermas). Den Übersetzungen von Gerda Scheffel, die Marivaux’ Sprache in ihrer ganzen Unbequemlichkeit und gedanklichen Schärfe aufblitzen lässt, ist es zu verdanken, dass wir diesen Autor heute als unseren Zeitgenossen wiederentdecken.