Madame Argante hat ihre Tochter Angélique streng und in völliger Abgeschiedenheit erzogen. Nun soll Angélique mit dem sechzigjährigen Damis verheiratet werden, doch sie hat sich in den jungen Eraste verliebt, und ihre Liebe läßt sie ahnen, daß es noch etwas ganz anderes gibt als Tugend und Sittsamkeit. Ihre Zofe Lisette hilft ihrem Selbstfindungsprozeß ein wenig auf die Sprünge, und dank ihr und dem Diener Frontin gelingt es den Liebenden zusammenzukommen. Doch die wütende Madame Argante willigt nur auf Monsieur Damis’ Zureden in die Ehe ein. Dieser hatte sich inzwischen als Erastes Vater entpuppt und freiwillig, wenn auch nicht ohne Schmerz, auf das junge Mädchen verzichtet.
Die Schule der Mütter
Verfasst von
in
Stück in 19 Szenen
Marivaux, Pierre Carlet de
PIERRE CARLET DE MARIVAUX (1688 – 1763), über dessen Leben nur wenig bekannt ist, entwarf sein Theater als Medium zur Beobachtung des menschlichen Zusammenlebens: Liebe, Ehe, Erziehung, Geschlechterpolitik, die Verteilung der materiellen Güter – all die Themen, die uns heute noch beschäftigen, beschäftigten auch Marivaux. Seine Komödien sind experimentelle Versuchsanordnungen, die das Innere des Menschen jenseits allen standesgemäßen Dekors freilegen. Sie gelten damit als „Geburtsstätte von Privatheit im modernen Sinne“ (Jürgen Habermas). Den Übersetzungen von Gerda Scheffel, die Marivaux’ Sprache in ihrer ganzen Unbequemlichkeit und gedanklichen Schärfe aufblitzen lässt, ist es zu verdanken, dass wir diesen Autor heute als unseren Zeitgenossen wiederentdecken.