Vier Griechen, Überlebende eines Schiffbruchs, haben sich auf die Sklaveninsel gerettet: Iphikrates und sein Diener Arlequin, Euphrosine und ihre Zofe Cleanthis. Die Bewohner dieser Insel haben aufgrund leidvoller Erfahrungen die übliche Hierarchie umgekehrt: die ehemaligen Diener werden hier zu Herren und die Herren zu Dienern, damit sie deren Lage nachempfinden und ihre eigene Willkür erkennen. Arlequin und die Zofe helfen bei dem Lernprozeß von Iphikrates und Euphrosine durch schonungslose Schilderungen des erlittenen Unrechts mit, vermeiden es jedoch, sich an Herr und Herrin zu rächen. Vernünftig und einsichtig geworden, werden die vier Griechen mit einem von den Inselbewohnern zur Verfügung gestellten Schiff nach Athen zurückkehren.
Die Sklaveninsel
Verfasst von
in
Komödie in einem Akt
Marivaux, Pierre Carlet de
PIERRE CARLET DE MARIVAUX (1688 – 1763), über dessen Leben nur wenig bekannt ist, entwarf sein Theater als Medium zur Beobachtung des menschlichen Zusammenlebens: Liebe, Ehe, Erziehung, Geschlechterpolitik, die Verteilung der materiellen Güter – all die Themen, die uns heute noch beschäftigen, beschäftigten auch Marivaux. Seine Komödien sind experimentelle Versuchsanordnungen, die das Innere des Menschen jenseits allen standesgemäßen Dekors freilegen. Sie gelten damit als „Geburtsstätte von Privatheit im modernen Sinne“ (Jürgen Habermas). Den Übersetzungen von Gerda Scheffel, die Marivaux’ Sprache in ihrer ganzen Unbequemlichkeit und gedanklichen Schärfe aufblitzen lässt, ist es zu verdanken, dass wir diesen Autor heute als unseren Zeitgenossen wiederentdecken.