Herz schlägt Tod

3
Damen
2
Herren
Originaltitel:
Beating Heart Cadaver
Deutsch von
Bernd Samland
1 K, Verw –

Nach dem Unfalltod ihrer achtjährigen Tochter Amelia hausen die Eltern Leona und Danny buchstäblich auf den Trümmern, dem Trümmerfeld ihres Lebens, zeigt doch die Bühne genau die Unfallstelle samt Autowrack und dem verstreuten Spielzeug der Tochter. Vater Danny, der am Steuer des Unfallwagens gesessen hatte, sitzt jetzt im Rollstuhl. Und die tote Tochter geistert, auch…

Nach dem Unfalltod ihrer achtjährigen Tochter Amelia hausen die Eltern Leona und Danny buchstäblich auf den Trümmern, dem Trümmerfeld ihres Lebens, zeigt doch die Bühne genau die Unfallstelle samt Autowrack und dem verstreuten Spielzeug der Tochter. Vater Danny, der am Steuer des Unfallwagens gesessen hatte, sitzt jetzt im Rollstuhl. Und die tote Tochter geistert, auch sichtbar fürs Publikum, leibhaftig und blutüberströmt durch die Gedankenbilder der Mutter.

Schuldgefühle machen den Eltern das Leben zur Hölle; die Trauerarbeit um den möglicherweise selbstverschuldeten Verlust reißt viele neue Wunden auf, so daß die Ehe zum Scheitern verurteilt scheint.

Beim Versuch, den Verlustschmerz zu lindern, gar zu „bewältigen”, werden sie unterstützt von Leonas Mutter Min, die in allen Lebenslagen mit einem passenden Zitat helfen will, und Dannys jüngerem Bruder Devlin, der mit Gedichten von Yeats dem Leid einen Sinn abtrotzen will. Dazu gesellt sich noch die handfeste Lola Howe, die mit dem von ihr gegründeten Selbsthilfeverein für Eltern junger Unfallopfer die Trauer um ihren frühverstorbenen Sohn als einträgliche Marktnische entdeckt hat.

Die Verschränkung realer und fast surrealer Elemente, ebenso sinnbildhaft wie von szenischer Zeichenkraft – als da wären das Spiel mit dem von Amelia noch aufgeblasenen Luftballon und ihren übriggebliebenen Kleidern und Sachen – macht den Auflösungsprozess der Empfindungen regelrecht greifbar. In den zwölf Szenen des Stücks werden wie in einem Prisma die möglichen Reaktionen auf ein hereingebrochenes Unheil sichtbar. Und der Versuch, mit dem Anstimmen anglo-irischer Volkslieder eine Art altes Gemeinschaftsgefühl, Heimatgefühl, zu stiften, bleibt ebenso rührend wie hilflos.

Unbehauste Menschen sind sie allemal, die sich an erstarrte auswendiggelernte Erinnerungen klammern müssen, um nicht am Leid zu zerbrechen. Und erst in der letzten Szene scheinen Leona und Danny ihre Sprache wiedergefunden zu haben und sich von der leidvollen Vergangenheit lösen zu können.


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