Londoner East End 1936. Die Kahns und ihre Freunde, alles junge Idealisten, bereiten sich darauf vor, gemeinsam mit Arbeitern und Dockern eine Demonstration der Mosley-Faschisten zu zerschlagen. Sarah, die Mutter, setzt sich begeistert für ihre revolutionären Ziele ein und reißt alle mit. Nur ihr Mann Harry drückt sich. Die Arbeiter siegen. Zehn Jahre später: Momentaufnahmen aus dem England der Nachkriegsjahre im sogenannten Wohlfahrtsstaat der Labourregierung – 1946, 1947, 1955 und 1956 – zeigen, wie die politische Begeisterung vor den Problemen des Alltags schwindet. In einer Situation allgemeiner Arbeitslosigkeit scheitert Harry im Beruf, wird krank, geht daran zugrunde. Die Tochter Ada heiratet den ehemaligen Spanienkämpfer Dave, und beide wenden sich von der Politik ab und ziehen aufs Land (s. Nächstes Jahr in Jerusalem). Der Sohn Ronnie versucht sich als Schriftsteller; enttäuscht gibt er seine kommunistischen Überzeugungen auf. Alle treiben auseinander, alle erleiden eine Krise, wenden sich von der politischen Sache ab und sagen sich voneinander los. Nur Sarah, alt und müde, hat ihr Feuer nicht ganz verloren: „Wenn du nicht kämpfst, bist du tot“, sagt sie zum Schluss.
Hühnersuppe mit Graupen
Verfasst von
in
Stück in 3 Akten
Wesker, Arnold
ARNOLD WESKER, geboren 1932, verhalf in den 50er und 60er Jahren – wie auch John Osborne, John Arden, Shelagh Delaney, Harold Pinter und andere – dem englischen Drama zu neuem internationalen Ansehen. Nach frühen Stücken über den englischen Alltag und seine Arbeitswelt, die von großem sozialkritischem Engagement getragen sind („Hühnersuppe mit Graupen“, „Tag für Tag“, „Nächstes Jahr in Jerusalem“, „Die Küche“, „Alles mit Bratkartoffeln“, „Goldene Städte“, „Journalisten“), wandte er sich intimeren und privateren, aber auch großen historischen Themen zu („Vier Jahreszeiten“, „Die Freunde“, „Die Alten“, „Das Hochzeitsfest“, „Shylock“, „Liebesbriefe auf blauem Papier“, „Blockade“). Er schrieb die Frauenmonologe „Annie Wobbler“, „Betty Lemon“, „Brief an eine Tochter“, „Entrümpelung“, „Meine Mutter lebte auf einem anderen Stern“ und „The Mistress“. Mit seinem literarischen Werk, das außer Dramen auch Fernsehspiele, Drehbücher, Erzählungen, Essays und eine Autobiographie umfasst, gehört Wesker zu den produktivsten und engagiertesten Schriftstellern seines Landes. Mittlerweile hat in England, wo Wesker es im Laufe seiner Karriere vom einfachen Koch zum königlichen Ritter geschafft hat, die Wesker-Renaissance begonnen: mit Wiederaufführungen von „Die Küche“ (National Theatre, Olivier) und „Hühnersuppe mit Graupen“ am Royal Court Theatre (Regie: Dominic Cooke). James Macdonald hat im Oktober 2013 „Tag für Tag“, Mittelstück der berühmten Wesker-Trilogie, am Donmar Warehouse im Londoner West End inszeniert.