Poker


Poker
(Dealer's Choice)
Stück in 3 Akten
Deutsch von Bernd Samland
6 H, 2 Dek
Der Restaurantbesitzer Stephen hat sein Leben sowie seinen Laden im London von heute anscheinend fest im Griff. Selbst nach Ladenschluss. Denn wenn Sonntagnacht der letzte Gast gezahlt hat und gegangen ist, kommandiert er seine Angestellten, den Koch Sweeney und die Kellner Frankie und Depsy, regelmäßig in einer Art Dienstverpflichtung ab: ab in den Keller des Lokals. Dort wird Poker gespielt, nach allen Regeln der Kunst.

Oder kommandiert er sie gar nicht? Spielen Sweeney, Frankie und Depsy etwa freiwillig? Und Stephens Sohn Carl? Was treibt ihn an den grüngedeckten Spieltisch? Und was hat es mit dem geheimnisvollen letzten Gast an diesem Sonntagabend auf sich?

Für David Mamet geht es beim Poker um Charakter, ist das Spiel eine Sache des Charakters. Patrick Marber nimmt diesen Gedanken auf und macht ihn zum dramatischen Kern seines Stücks. Alle Vorbereitungen auf das Spiel, die sich in den ersten beiden Akten mit den Arbeitszusammenhängen im Lokal überschneiden, stellen die Charaktere mit ihrem psychosozialen Hintergrund vor. Im letzten Akt werden dann im Verlauf des Spiels ihre Überlebens- und Selbstzerstörungsstrategien sichtbar. Die tragikomische Trostlosigkeit des Lebens im heutigen England nach Thatcher ist dabei die Grundstimmung des Stückes. Aber ebenso tragisch wie komisch sind die Wortgefechte der sechs Personen, die alle mehr oder weniger bewusst auf der Suche nach einer möglichen männlichen Identität sind.

Im Pokerspiel geht es gleichsam zu wie im richtigen Leben. Wenn die sechs Männer, die im Kartenhaus - auch ein Haus Herzenstod - sitzen, das jederzeit einzustürzen droht, eines darin lernen könnten, so ist es dies: Freiheit ist charakterliche Disziplin angesichts des Zufalls. Mann muss wissen, wann er mitgehen, wann er passen muss.

Zurück zur Übersicht