Abigails Party

,
3
Damen
2
Herren
Originaltitel:
Abigail’s Party
Deutsch von
Folke Braband
1

Stück in 2 Akten

Man soll die Gäste foltern, bis sie fallen. Als er noch ein experimenteller Theatermacher war und die Cocktailhäppchen-Kultur ihre grausige Blütezeit erlebte, hat der inzwischen weltberühmte Filmemacher „Mike Leigh „mit seinen Schauspielern auf der Basis von Improvisationen 1977 mit „Abigails Party“ ein pechschwarzes Szenario entwickelt, in dem sich Konvention und Niedertracht, Höflichkeitsterror und Sozialdarwinismus lustvoll vereinen.

Weder die im Titel erwähnte Party noch die fünfzehnjährige Gastgeberin Abigail bekommt der Theaterbesucher dabei je zu Gesicht – dafür aber Abigails Mutter Sue, die für die Dauer der Party Unterschlupf bei dem kinderlosen Nachbarehepaar Laurence und Beverly findet. Der Immobilienmakler und seine Frau haben zu einem kleinen Miteinander bei Salzstangen und Käsehäppchen gebeten – und die neuen Nachbarn Tony und Angela als weitere Vertreter ihrer Generation dazugeladen. Aus dem anfänglichen Smalltalk über Mobiliar, Kosmetika und Einkaufsrituale entwickelt sich bald ein nikotin- und alkoholgeschwängerter Partyhorrortrip. Beverly, in der guten Absicht, eine vorbildliche Gastgeberin abzugeben und in ständiger Konkurrenz zu ihrem Gatten Laurence, dominiert nicht nur jedes Gesprächsthema, sondern bestimmt auch, was und wie viel getrunken wird, welche Musik gespielt wird und wer mit wem dazu tanzen soll.

Unter dem Deckmantel zärtlicher Fürsorge kämpft der Oliven-Freund gegen die Chips-Fraktion, der Klassik-Liebhaber gegen den Vertreter der Popmusik, der Gastgeber gegen den Gast, der Ehemann gegen die Ehefrau – und umgekehrt. Fünf Menschen – die kaum eine Ahnung davon haben, wie wenig sie miteinander verbindet, deren Ansichten unterschiedlicher nicht sein könnten und deren Sehnsüchte und Bedürfnisse keine Entsprechung in ihren Partnern finden – erleben unter dem Druck der Konvention einen beklemmend gesitteten Peinlichkeitsmarathon, der schließlich im Herzinfarkt des Hausherrn sein tödliches Ende erreicht.


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