Drei Frauenportraits, drei völlig unterschiedliche Frauen, gespielt von einer Frau. „Annie Wobbler“, „part-time tramp, part-time cleaning woman“, ist alt, unstet, verkommen, beredt. Sie erinnert sich in Selbstgesprächen und fiktiven Dialogen an frühere Tage und an Menschen, die ihr im Dienst und unterwegs begegnet sind. „Anna“, eine attraktive junge Frau, frisch von der Universität, überprüft ihre Intelligenz, Persönlichkeit und Beziehung zur Welt, während sie sich zum Ausgehen ankleidet und schminkt. „Annabella“ ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, die drei fiktive Interviews mit sich selbst macht und sich dabei jedes Mal in ein neues Ich hineinversetzt – einmal elegant und selbstbewusst, das nächste Mal provokativ überlegen, und schließlich nachdenklich und sich selbst auf den Grund gehend. Drei starke und zugleich zarte Frauen, die sich im Leben durchsetzen.
Annie Wobbler
Verfasst von
in
Stück in 3 Teilen für eine Schauspielerin
Wesker, Arnold
ARNOLD WESKER, geboren 1932, verhalf in den 50er und 60er Jahren – wie auch John Osborne, John Arden, Shelagh Delaney, Harold Pinter und andere – dem englischen Drama zu neuem internationalen Ansehen. Nach frühen Stücken über den englischen Alltag und seine Arbeitswelt, die von großem sozialkritischem Engagement getragen sind („Hühnersuppe mit Graupen“, „Tag für Tag“, „Nächstes Jahr in Jerusalem“, „Die Küche“, „Alles mit Bratkartoffeln“, „Goldene Städte“, „Journalisten“), wandte er sich intimeren und privateren, aber auch großen historischen Themen zu („Vier Jahreszeiten“, „Die Freunde“, „Die Alten“, „Das Hochzeitsfest“, „Shylock“, „Liebesbriefe auf blauem Papier“, „Blockade“). Er schrieb die Frauenmonologe „Annie Wobbler“, „Betty Lemon“, „Brief an eine Tochter“, „Entrümpelung“, „Meine Mutter lebte auf einem anderen Stern“ und „The Mistress“. Mit seinem literarischen Werk, das außer Dramen auch Fernsehspiele, Drehbücher, Erzählungen, Essays und eine Autobiographie umfasst, gehört Wesker zu den produktivsten und engagiertesten Schriftstellern seines Landes. Mittlerweile hat in England, wo Wesker es im Laufe seiner Karriere vom einfachen Koch zum königlichen Ritter geschafft hat, die Wesker-Renaissance begonnen: mit Wiederaufführungen von „Die Küche“ (National Theatre, Olivier) und „Hühnersuppe mit Graupen“ am Royal Court Theatre (Regie: Dominic Cooke). James Macdonald hat im Oktober 2013 „Tag für Tag“, Mittelstück der berühmten Wesker-Trilogie, am Donmar Warehouse im Londoner West End inszeniert.