Stück Kategorie: Einakter

  • 4
    Damen
    2
    Herren

    Revolution beginnt mit Musik, Mutter!

    Eines Abends sitzt Isabel Holly auf einer Bank vor einem verfallenen Haus in New Orleans. Während die drei alten Frauen, die als Gäste in dem Haus leben, über ihre Sammlungen von Alufolie und Zündholzschachtel streiten, wollen Isabel und ihr Vater eigentlich nur schlafen.

    Nachts sitzt Isabel Holly auf einer Bank vor einem verfallenen Haus in New Orleans. Isabels Vater ist verschwunden, die Frauen haben sich in ihre Zimmer zurückgezogen, aber das grüne Tor nach draußen steht noch gefährlich weit offen. John, ein Seemann, erscheint und bittet sie um ein Zimmer. Er sagt, er wird wiederkommen. Lässt Isabel einen Ring und ein Versprechen da, bevor er geht.

    Am nächsten Morgen sitzt Isabel Holly auf einer Bank vor einem verfallenen Haus in New Orleans. John kehrt zurück und verkündet Isabel, dass sie ab jetzt als Mann und Frau zusammenleben werden. Isabel wird immer jünger. John vertreibt die alten Frauen aus dem Haus.

    Eines Tages sitzt Isabel Holly auf einer Bank vor einem verfallenen Haus in New Orleans. Sie weiß, dass sie bald sterben wird – aber das macht ihr nichts aus. Der Sohn, den sie in der letzten Nacht geboren hat, ist bereits zu einem Jungen herangewachsen. John will mit ihm aufbrechen, um die Welt zu erneuern. Er selbst wird im All sterben, sagt er. Nur wenige Sekunden später kehrt Isabels Sohn zurück –er ist erwachsen und gleicht seinem Vater ganz genau. Er hat Isabel ihren Tod mitgebracht und legt ihn ihr als Schal um die Schultern.

    „Zeit: unbestimmt“ ist die Regieanweisung zu Beginn von „The Strange Play“. So scheint alles, was in diesem Einakter von Tennessee Williams passiert, wie ein wundersamer Traum, der den Regeln der Zeit nicht unterliegt. Isabel altert rückwärts, während ihr Sohn innerhalb von Minuten heranwächst. Sie kann sich von ihrem Platz auf der Bank nicht wegbewegen, kann nur zusehen, während John und ihr Sohn von Revolution sprechen und kann nur abwarten, wer als nächstes durch das grüne Tor in ihr Leben tritt.

    „The Strange Play“ wurde 1939 geschrieben und 2016 auf dem New Orleans Literary Festival zum ersten Mal aufgeführt.

    Stück in einem Akt

    weiterlesen

  • 3
    Damen
    4
    Herren

    Nur einmal im Leben

    Denver. Colorado Springs. Der Grand Canyon. Painted Desert. Phoenix. Yellowstone Park. Mr. und Mrs. Crawley haken auf ihrer Reise quer durch den Westen Amerikas alle wichtigen Sehenswürdigkeiten ab. Ein einmaliges Erlebnis.

    Doch Mrs. Crawley ist müde – das Steak zum Abendessen war das Geld nicht wert, sie muss den ganzen Tag im Auto verbringen, und ihrem Mann geht es nur darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen.
    Im Hotel Le Fonde in New Mexico treffen die Crawleys auf die Browns, die einen ähnlichen Roadtrip unternehmen. Während die Männer ihre Geschwindigkeit, ihre Autos, ihre Pausen-anzahl, ihre durchschnittliche Kilometerzahl pro Tag und das Durchhaltevermögen ihrer Frauen vergleichen, klagen Mrs. Crawley und Mrs. Brown einander ihr Leid.

    Auch Mrs. Brown hat mit der Reise zu kämpfen. Sie sieht den Highway noch vor sich, wenn sie nachts die Augen schließt. Trotzdem sei der Roadtrip natürlich ein einmaliges Erlebnis.
    Als Mr. Brown und Mr. Crawley sich auf ein Bier in das Hotelrestaurant zusammensetzen, kehrt Judith, die Tochter der Crawleys, von ihrem Ausflug mit Jim, einem Künstler, zurück. Jim bittet sie, einfach mal rebellisch zu sein und bei ihm zu bleiben. Doch Judith richtet sich nach dem Zeitplan ihres Vaters. Der Abend mit Jim wird ein einmaliges Erlebnis bleiben.
    Schließlich machen sich auch Mr. Brown und Mr. Crawley auf den Weg in ihre Betten. Mr. Brown gibt zu, dass auch er die Reise ermüdend findet. Mr. Crawley kann ihm nur zustimmen. Aber diese Reise, da sind sie sich einig, ist ein einmaliges Erlebnis.
    Städte werden abgehakt wie Punkte auf einer To-Do-Liste, und die Reise wird nur nach ihrer Effizienz bewertet – in „Nur einmal im Leben“ werden die Crawleys und die Browns mit der Frage konfrontiert, wie viel ein Erlebnis noch wert ist, wenn es nur des geplanten Erleben-müssens selbst wegen durchgestanden wird.

    Williams gibt hier ein böses Bild des Amerikanischen Traums wieder. Die Hatz nach dem Wohlstand hinterlässt eine Bürgerschicht, die mit ängstlichen Ressentiments ihre Vorgärten verteidigt und gleichzeitig die Welt nur noch in gefahrenen Meilen und Statusritualen erlebt, beziehungsweise nicht erleben kann. Ganz nebenbei skizziert Williams, wie dieses System die Frauen einfach auf die Rücksitze verbannt.

    „Once in a Lifetime“ wurde 1939 geschrieben und 2011 auf dem Provincetown Tennessee Williams Theater Festival zum ersten Mal aufgeführt.

    Stück in einem Akt

    weiterlesen

  • 3
    Damen
    1
    Herren

    Lieben Sie Ionesco?

    “Und wie geht es dem lieben Mr. Coppitt?”, fragt Francine.
    Delphine weiß nicht, wer Mr. Coppitt ist.
    “Und wie geht es dem lieben Mr. Coppitt?”, fragt Francine.
    Delphine vermutet, dass Francine ihr Gehirn verlegt hat, bevor sie zum Tee gekommen ist.
    “Und wie geht es dem lieben Mr. Coppitt?”, fragt Francine.
    Mr. Coppitt betritt den Raum. Er trägt Ballettstrumpfhosen.
    “Und wie geht es dem lieben Mr. Coppitt?”, fragt Francine.
    Mr. Coppitt beginnt zu tanzen. Er tanzt zu Musik, die nur er hören kann.
    “Und wie geht es dem lieben Mr. Coppitt?“, fragt Delphine.
    Delphine und Francine haben die Rollen getauscht. Das wissen sie selbst.
    Francine fegt den Boden. Francine fegt so leidenschaftlich, dass sie Mr. Coppitt glatt aus dem Zimmer befördert. Dann verlässt sie selbst den Raum.
    Zurück bleibt nur Delphine. Delphine wartet darauf, dass der Vorhang fällt.

    Ein junger Mann in Ballettstrumpfhosen, eine Frage, die sich immer wieder wiederholt, und ein Kleid, das besser fegt als jeder Besen – Francine und Delphine treffen sich in „Lieben Sie Ionesco?“ zu einer turbulenten Teestunde und sind sich ihrer absurden Situation dabei vollständig bewusst.

    „Aimez-vous Ionesco?“ wurde 1975 geschrieben und 2015 auf dem Provincetown Tennessee Williams Theater Festival zum ersten Mal aufgeführt.

    Stück in einem Akt

    weiterlesen

  • 1
    Damen
    1
    Herren

    Iwans Witwe

    „Sie“ ist Iwans Witwe. „Er“ ist ihr Psychiater.
    Als sie seine Praxis betritt, ist sie selbst schon halbtot vor Trauer um ihren verstorbenen Mann.
    Sie lässt ihre Freunde nicht in ihre Wohnung. Sie hat angefangen zu trinken. Und noch immer trägt sie einen altmodischen Trauerschleier.
    Doch gleichzeitig kann sie sich nicht eingestehen, dass Iwan tot ist.

    Ihr Psychiater will sie dazu bringen, die Realität zu akzeptieren. Sonst, so sagt er, kann er die Therapie nicht fortführen.
    Er will ihr helfen. Sie muss ihn nur lassen.
    Doch die Therapie erweist sich als alles andere als einfach. Sie schließt sich im Badezimmer ein, er bittet sie herauszukommen. Sie versucht zu fliehen, er hat die Tür bereits verschlossen. Sie versucht, aus dem Fenster zu springen, er ringt sie zu Boden und gibt ihr eine Spritze. Sie ruft nach Iwan, er erinnert sie daran, dass Ivan tot ist.
    Er fragt sie, wann sie das letzte Mal gegessen hat. Er will sie ausführen, in ein Französisches Restaurant. Oder sie könnte auch in seiner Wohnung essen, falls sie zu schwach ist für den Weg. Er ist geschieden, sagt er.

    Sie sagt, Iwans Tod fühlt sich an wie ein unerträglicher Traum.
    Am Ende ist klar, er kann sie nicht weiter behandeln. Am Ende liegt sie ohnmächtig auf dem Boden.
    In der beengten Atmosphäre der Psychiatrischen Praxis kommt es zu einem regelrechten Tau-ziehen um die Trauer von Iwans Witwe. Während sie sich immer weiter in ihre Vorstellung zurückzieht, überschreitet ihr Psychiater eine Grenze nach der anderen, um sie wieder in die Realität zurückzuholen.

    Beide, Arzt und Patient, ringen um ihre jeweils eigene Realität. Der Arzt will sie auf die Seite der Gesunden zu sich herüber retten, sie beharrt auf ihrer Trauer und dem Recht, sich in ihren Alptraum zu verlieren. Bald schon geht es um weit mehr als eine therapeutische Beziehung. Die Konturen verwischen sich, der Arzt wird Schritt für Schritt in ihre Schattenwelt hinabge-zogen und gerät zu einer Figur ihres inneren Panoptikums. Wer ist im Recht: der Traum oder das Wachen?

    „Ivan’s Widow“ wurde 1982 geschrieben und 2016 von der Tennessee Williams Theatre Company of New Orleans zum ersten Mal aufgeführt.

    Stück in einem Akt

    weiterlesen

  • 2
    Damen
    6
    Herren

    Der Einsiedler und sein Gast

    Nevrikas Reise führt sie immer nur vorwärts, niemals zurück.
    Als sie in Staad ankommt, ausgehungert und ungewaschen, wird sie von der Bevölkerung sofort verstoßen. Nur im Gegenzug für körperliche Gefälligkeiten verrät ein Mann ihr, dass ein Einsiedler am Rande der Stadt wohnt, bei dem sie unterkommen könnte.

    Der Einsiedler Ott will einfach allein gelassen werden. Doch widerwillig lässt er Nevrika in sein Haus mit den zugenagelten Fenstern.
    Schon bald stellt Nevrika Otts gesamtes Leben auf den Kopf. Sie bringt Hennen vom Markt mit, will die Bretter von den Fenstern nehmen, backt Zimtkuchen, wäscht den Dreck von seinem Körper und will sogar mit ihm zum Frühlingsfest gehen. Aber Ott hat kein Interesse daran, sich unters Volk zu mischen.
    Nevrika sagt, sie liebt ihn.
    Ott sagt, um in die Stadt zu gehen, fehlt ihr ein Mantel, der sie warmhält.
    Nevrika sagt, ihr kann gar nicht kalt sein, wenn sie so glücklich ist wie jetzt.

    Beim Frühlingsfest wird Ott von der ganzen Stadt gefeiert und zum schönsten Mann in der Taverne gewählt. Als die Beiden sich auf den Heimweg machen, ist Nevrika überglücklich.
    Bis neben ihnen ein Ziegel zu Boden fällt, der Ott nur knapp verfehlt.

    Unfälle ziehen weitere Unfälle magisch an, das weiß Ott. Der einzige Ort, an dem ein Mann sicher ist, ist allein in seinem eigenen Haus. Deswegen will er Nevrika wegschicken, will, dass sein Leben wieder so ist wie vorher. Wenn es auf den Straßen dunkel wird, soll sie sich auf den Weg machen.
    Erst kurz, bevor die Straßenlaternen ausgehen, kurz, bevor Nevrikas Weg sie hinaus aufs eisige Meer führt, ändert Ott seine Meinung. Da ist immer noch die Henne, die Nevrika vom Markt mitgebracht hat, sagt er. Was man einmal in Schutz genommen hat, kann man nicht einfach alleine lassen.

    In „Der Einsiedler und sein Gast“ treffen mit Ott und Nevrika zwei Einzelgänger aufeinander, die ihr Glück noch nie in der Gesellschaft einer anderen Person gesucht haben. Während Ott mit seinem Gast die Veränderung in sein Leben lässt, findet Nevrika ein Stück Beständigkeit bei einem Einsiedler.
    Nevrika kommt als Flüchtling in eine Welt, die in Wahrheit viel fremder ist, als die Fremde, aus der sie stammt. Freiwillig geht sie auf die Knie vor einer kalten Gemeinschaft, die in ihr nur eine Beute sieht.

    „A Recluse and His Guest“ wurde 1982 geschrieben und 2016 in New York von der Playhouse Creature Theatre Company zum ersten Mal aufgeführt.

    Stück in einem Akt

    weiterlesen

  • 1
    Damen
    4
    Herren

    Die Affäre in der Rue de Lourcine

    Der auch abendfüllend gespielte Einakter Die Affäre in der Rue de Lourcine gilt als eines der besten Stücke von Labiche (und seinen Mitarbeitern) und als einer der bissigsten Klassiker des schwarzen Humors überhaupt. Am Morgen nach einer durchzechten Nacht beweist eine Zeitungs-Nachricht den zwei ehemaligen Schulkameraden Lenglumé und Mistingue, dass ihre alkoholbedingte Gedächtnislücke mit dem gemeinsamen Mord an einer Kohlenhändlerin zusammenhängt. Sie geraten in einen Strudel von grotesken Vertuschungsversuchen, von Spuren- und Zeugen-Beseitigung. Auf dem Höhepunkt der egoistischen Skrupellosigkeit, als sie sich sogar gegenseitig meucheln wollen, entdecken sie, dass die Zeitungsmeldung 20 Jahre alt ist und sie folglich „unschuldig“ sind. Labiche zeigt, wie dünn und brüchig der Lack der bürgerlichen ⹂Normalität” letzten Endes ist, ohne auch nur eine Sekunde lang den moralischen Zeigefinger zu schwingen. Daher wird Labiche in Deutschland oft unterschätzt.

    Die Übersetzung belässt den Dialogen ihre Knappheit. Die neun Gesangseinlagen sind allesamt in ein leicht sangbares Gegenwartsdeutsch übersetzt. Labiches Unmengen von Pausenzeichen im Text sind genauestens beibehalten; sie deuten an, dass in diesem Stück das Körperspiel der ⹂Helden” besonders wichtig ist. Eine Pioniertat in zwerchfellerschütterndem schwarzem Humor, der nicht mehr weit von Kafka entfernt ist.

    Komödie in einem Akt mit Couplets

    weiterlesen

  • 3
    Damen
    3
    Herren

    Edgar und sein Dienstmädchen

    Das erwachsene Muttersöhnchen Edgar führt ein riskantes Doppelleben. Da er sich mit dem etwas ordinären Dienstmädchen Florestine eingelassen und ihr das Blaue vom Himmel versprochen hat, ist er in ihrer Hand. Sie darf auf keinen Fall erfahren, dass er die finanziell attraktive Henriette Veauvardin heiraten wird. Am Tag, als der Ehevertrag unterschrieben werden soll, wird Edgar zu einem wahnwitzigen Krisenmanagement gezwungen, bei dem er immer wieder mit knapper Not davonkommt und sogar in letzter Minute, als alles verloren scheint, durch eine „glückliche“ Verwechslung der Entlarvung entgeht. Alles bleibt unterm Teppich – und die böse alte Moral von der Geschichte mag sein, dass die bürgerlichen Konventionen nur um den Preis von Versteckspielen und Maskeraden zu retten sind. Das Tempo auf der Rutschbahn der turbulenten Situationskomik lässt dem Publikum allerdings kaum Zeit für puritanische Distanz.

    Labiches Dialoge sind knapp und witzig, auch die Nebenfiguren − die Gluckenmutter (Madame Beaudeloche), der dümmlich-forsche Schwiegervater (Veauvardin), die kühle Braut (Henriette), und ein pompöser Notar − sind präzise gezeichnet. Bürgerliches Lachtheater, das sich – vor allem in den herrlich parodistischen Gesangsnummern − grandios selbst auf die Schippe nimmt.

    Komödie in einem Akt mit Couplets

    weiterlesen

  • 2
    Damen
    1
    Herren

    Frisette

    Die Concierge eines Hotels vermietet kurzfristig ein und dasselbe Zimmer jeweils nur für die Nacht oder nur für den Tag an die junge, überzeugt alleinerziehende und männerfeindliche Stickerin Frisette und an den frauenfeindlichen Bäckergesellen Gaudrion. Natürlich passiert schon am dritten Tag die Katastrophe: Beide stehen sich wie Feinde plötzlich gleichzeitig in ⹂ihrem” Zimmer gegenüber. Dass Frisette dann auch noch das Kleinkind ihrer verstorbenen Kusine bei sich aufnimmt, treibt Gaudrion vollends zur Weißglut. Doch er muss die sein Selbst- und Frauenbild erschütternde Entdeckung machen, dass das Kind sein eigenes ist. Jetzt droht ein Machtkampf zwischen der Adoptivmutter Frisette und dem plötzlich glühenden Vater, der die Obhut über seinen Sohn mit allen Mitteln für sich in Anspruch nehmen will.

    Als es schließlich auf Messers Schneide steht, lässt Labiche seine Figuren vom Haken und ermöglicht eine friedliche, auch erstaunlich moderne Lösung: das Zusammenleben der beiden und eine paritätisch geregelte Verantwortung für die Kinderbetreuung.

    Die Handlung aus wechselseitiger Annäherung von Macho und alleinerziehender, junger Mutter konstruiert Labiche einmal mehr wie eine künstliche Laborsituation. Die Figuren werden auf die Probe gestellt, in komödiantischen Dialogen, die Satirisch-Kritisches aufblitzen lassen. Der zum Frühwerk zählende Vaudeville-Einakter FRISETTE wird in den letzten Jahren nicht nur in Paris immer wieder gespielt, mit Gesangseinlagen oder ohne, abendfüllend oder um die Hälfte der Zeit beschleunigt. Die in dieser Fassung vorgetragenen Lieder mit genauen Melodievorschlägen sind kabarettistische bis sentimentale Höhepunkte.

    Vaudeville-Komödie in einem Akt

    weiterlesen

  • 2
    Damen
    5
    Herren

    Safari

    Der Schriftsteller Ferdinand Vaněk, der in Tschechien zur persona non grata erklärt und mit einem Aufführungsverbot belegt worden ist, wacht eines Morgens in einem Schlafsack am Ufer der Donau in Österreich auf. Wie er hierher kam, weiß er nicht, aber dass er nicht mit Hilfe imperialistischer Agenten freiwillig aus der ČSSR geflohen ist, glaubt ihm niemand. In Prag verurteilt man ihn daher kurzerhand in Abwesenheit wegen Republikflucht zu einer Gefängnisstrafe.

    Im Exil stürzt sich das Fernsehen neugierig auf den Dissidenten und seine angebliche Fluchtgeschichte. Hier soll er im Kreise westlicher Kollegen von seinen Lebenserfahrungen „aus dem Osten“ berichten. Der bescheidene Vaněk erlebt, wie die Studiogäste seine Geschichte als Bühne für ihren Jahrmarkt der Eitelkeiten nutzen, dem auch die hilflose Moderatorin nicht Einhalt gebieten kann. Man ergeht sich in Selbstdarstellungen, bestätigt sich gegenseitig seine Vorurteile oder verfestigt sein Halbwissen, während der Gast zur dekorativen Nebensache wird. Als alle politischen Themen bis hin zu der simplen Frage „Wie macht man eigentlich böhmischen Obstknödel?“ kleingekocht worden sind, verschwindet Vaněk unbemerkt inmitten des Getöses und schwimmt durch die Donau zurück in die ČSSR…

    Die Figur des Dissidenten Ferdinand Vaněk hat Pavel Kohout sich von Vaclav Havel geliehen. Sie tritt ebenfalls in den Einaktern „Attest“ und „Morast“ auf.

    Einakter aus dem Leben des Schriftstellers Ferdinand Vaněk

    weiterlesen

  • 1
    Damen
    5
    Herren

    Morast

    Unter Anwendung von Gewalt wird der Schriftsteller Ferdinand Vaněk in das Staatsgefängnis gebracht und drei Ermittlungsbeamten vorgeführt. Von einer gewaltsamen Festnahme wollen diese nichts gewusst haben, er sei lediglich als Zeuge hier. In wechselnder Konstellation befragen sie ihn und suchen offensichtlich nach Gründen, ihn fest zu halten. Mal freundlich und Harmlosigkeit vortäuschend, mal erniedrigend, mal bedrohlich oder erpresserisch wird Vaněk mit immer wieder neuen Facetten und Tricks psychologischer Gewalt konfrontiert. Es kommt zu keiner körperlichen Gewalt, doch die unerbitterliche Ziel- und Grundlosigkeit des Verhörs und die Absurdität der Vorwürfe nehmen Vaněks ganze Kraft in Anspruch. Als sich herausstellt, dass er seiner scheinbaren Zerbrechlichkeit zum Trotz alldem standhält und langsam die Begründungen fehlen, ihn vor Ort festzuhalten, windet man sich mit einem lächerlichen Trick aus der Affäre: Vaněk muss im Gefängnis bleiben, um wegen eines Verkehrsdeliktes aus dem vergangenen Jahr seine Kraftfahrzeugprüfung zu wiederholen.

    Wie auch in den Einaktern „Attest“ und „Safari“ hat Pavel Kohout die Figur des Dissidenten Ferdinand Vaněk von Vaclav Havel übernommen, mit dem ihn eine enge politische und künstlerische Beziehung verband.

    Einakter aus dem Leben des Schriftstellers Ferdinand Vaněk

    weiterlesen