Stück Kategorie: Komödie

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    Der Lügner

    Le Menteur (1643/44 von Corneille aus dem Spanischen übertragen und bearbeitet) wird in Frankreich oft gespielt. In Deutschland ist diese frivole Komödie, die als die erste moderne Komödie Frankreichs gilt und von Molière sehr geschätzt wurde, so gut wie unbekannt, wofür man kulturelle Gründe vermuten könnte. Eine Lügner- (und Lügnerinnen-)Komödie, bei der im Schlusswort sogar das Publikum zum Lügen ermuntert wird, scheint nicht so recht ins Land des kategorischen Imperativs und zur deutschen Tradition des Lustspiels, getreu dem Lessing-Motto „Man kann auch lachend sehr ernsthaft sein“, zu passen.

    Aber nein: Corneille passt durchaus, auch heute noch, nicht nur, weil der kategorische Imperativ Kants längst zur politisch korrekten Heuchelei geschrumpft ist. Der Hauptgrund dafür, dass dieses Stück – mit über 900 Vorstellungen eines der meistgespielten Stücke der Comédie-Française überhaupt, die es 2004/05 wieder einmal mit großem Erfolg aufführte – auf den deutschen Bühnen nicht vorkam, war das Fehlen einer spielbaren Übersetzung. Die in den 1920er Jahren entstandene Übersetzung von Hans Schiebelhuth war schon zum Zeitpunkt ihrer Entstehung sprachlich hoffnungslos veraltet, erst recht zur Zeit ihrer Publikation (1954).

    Wenn man sich die Mühe macht, zeilen- und satzgenau zu übersetzen und dabei den französischen Text konsequent in lebendiges Gegenwartsdeutsch umzuwandeln, versteht man, weshalb das Stück an den französischen Theatern so beliebt ist. Es ist ein ausgesprochen rhetorisch-kulinarischer Text, pointen- und tiradenreich, voll hinreißender Szenen und spannend bis zum Schluss. Und durch die Vater-Sohn-Beziehung auch psychologisch interessant. Es ist eine Art Bunbury des 17. Jahrhunderts.

    Corneilles Lügner Dorante ist ein sympathischer Narziss, der sich ständig neu erfindet, der – wie besoffen von Redegewandtheit und Phantasie, und immer auf der Flucht nach vorn – seine eigene Wirklichkeit produziert, sich im Netz seiner Lügen verstrickt und durch noch kühnere Lügen wieder daraus befreit. Ein rhetorischer Don Juan, der in sich selbst und in das Prinzip Frau verliebt ist, ein großes Kind, dem der Dichter Corneille das böse Erwachen erspart. Die Redekunst triumphiert über die Moral, die Phantasie besiegt die Realität.

    Die Leidtragenden sind vermutlich die Frauen, die sich in das fragile Happy End fügen müssen. Aber Corneilles Frauenfiguren sind auch nicht auf den Mund gefallen, aus ihrer Raffinesse und großstädtischen Eloquenz spricht ein emanzipiertes, gescheites Selbstbewusstsein, wie es aus dem deutschen Klassikerstädtchen Weimar kaum zu vernehmen war. Corneilles Figuren sind himmelweit entfernt von Idealismus und opferbereiter Innerlichkeit. Die schöne sprachliche Oberfläche ist die Substanz, ähnlich wie in Mozarts Così fan tutte.

    In der Komödie darf die Anarchie über die Ordnung siegen und daran erinnern, dass ein Leben ohne Kunst und Phantasie eine Erde ohne Himmel wäre. Und so staunt das Publikum mit offenem Mund, wenn sich der Eskapist Dorante am Schluss noch einmal mit einer halsbrecherischen Kehrtwendung aus dem Regen in die Traufe lügt.

    Komödie in 5 Akten

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    Männer sind auch Menschen

    Männer sind auch Menschen. Sie machen Fehler, sie machen Dummheiten, und wenn eine davon auch noch Folgen zu haben scheint, kann es fast zu einer Katastrophe kommen. Männer können nämlich sehr eifersüchtig werden.

    Frauen sind auf dem Vormarsch, sie erobern Positionen, die früher nur den Herren der Schöpfung vorbehalten waren, sie erobern Männer – das war immer schon so -, aber sie verlassen sie auch, das kommt heute immer öfter vor.

    Die Malerin Victoria Lichtenstein tut das gerade. Ihr Mann Dieter hat eine große Speditionsfirma. Er arbeitet von morgens bis abends – ja, bis in die Nacht – und ist der festen Ansicht, nach drei gescheiterten Ehen nun mit seiner vierten eine überaus glückliche zu führen. Seine Frau hat ja alles, was sie braucht, glaubt er. Aber sie verlässt ihn – nicht, weil sie von ihm genug hat, sondern weil sie nicht genug von ihm hat. Sie braucht Zuwendung, Verständnis für ihre Arbeit und vor allem Zeit, und die hat er mehr für seine Firma als für seine Frau.

    Gut – oder vielmehr schlecht -, er hat sie einmal betrogen, aber das Kind, das aus dieser kurzen Verbindung – vielleicht 25 bis 30 Minuten höchstens – stammt, muss von ihm sein. Das glaubt er ganz fest, der Verlobte der Mutter leider auch, und der will ihn zur Rechenschaft ziehen. Der Verlobte tritt zwar ein, aber das Schlimmste, das alle befürchtet haben, nicht. Dieter ist nicht der Vater, doch in ihm erwachen zu seiner großen Verwunderung plötzlich väterliche Gefühle. Und da die von ihm vorgesehene Mutter – Victoria – zu ihm zurückkehrt, steht einer erweiterten Familie nichts mehr im Wege.

    Zum Glück taucht, kaum, dass sie ihn verlassen hat, ein Schulfreund von Dieter auf, Professor Dr. med. Steguweit. Die beiden sprechen von alten guten Zeiten, aber als der Professor dann von seiner Ehe mit Ille schwärmt, ist das im Augenblick kein Trost für Dieter. Im Gegenteil. Und als er am nächsten Tag von seiner Frau erfährt, er rede im Schlaf, dass seine erste Frau von seiner zweiten wusste, die zweite von der dritten und die dritte von Victoria, die er ungewollt auch im Schlaf informierte – auch über die Dummheit, die er einmal gemacht hat -, sieht er die Chance, dass sie zu ihm zurückkommt, schwinden.

    Übrigens: Ille, die Ehefrau von Professor Steguweit, erscheint im 5. Bild auch noch, und dabei erfahren wir, dass nicht er, wie er glaubt, sie damals erobert hat, sondern sie ihn.

    Fazit: Männer sind auch Menschen, Frauen sind keine Übermenschen, aber – welch verführerischer Gedanke – wir werden fast immer von ihnen erobert.

    Curth Flatow

    Komödie in 5 Bildern

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    Quotenfieber

    Beim Fernsehen grassiert das Quotenfieber. Wer mit dem Fernsehen zu tun hat, wird unablässig von der Einschaltquote getrieben, sie bedeutet Himmel oder Hölle, sie verheißt Erfolg oder Pleite, sie kann für Produzenten und Schauspieler, Regisseure und Autoren, aber auch für die Auftraggeber in den Anstalten, zum Albtraum werden.

    „Quotenfieber“ ist eine Medienkomödie, ein Stück über’s Fernsehen und die Menschen, die für dieses Medium leben. „Quotenfieber“ vermittelt einen humorvollen Blick hinter die Kulissen einer Serienproduktion, berichtet von Intrigen, Filz und Verrat im Fernsehgeschäft. Das Stück zeigt Produktionspraktiken, von denen der Zuschauer nichts weiß und besser nichts ahnt. Fernsehleute sind chronisch krank – sie haben Quotenfieber.

    „Quotenfieber“ stellt – ebenso komisch wie grotesk – Menschen vor, die in der TV-Mühle zerrieben werden. „Quotenfieber“ erzählt von dem Ehepaar Peter Lansky und Dora Hell, das eine große Belastungsprobe bestehen muß. Die erfolgreiche Schauspielerin muß sich am Ende entscheiden, ob ihr der Erfolg wichtiger ist als ihr anfangs ebenso erfolgreicher Ehemann. Sein Stern in den Medien sinkt, als seine Frau zum Publikumsliebling wird. „Quotenfieber“ zeigt den mächtigen Produzenten Bartsch, der die von ihm Abhängigen manipuliert und beherrscht, bis ihm die Menschen und Entwicklungen entgleiten. Die Ärztin Anette Tomaselli, medizinische Beraterin der Arztserie, ist mit beiden Ehepartnern befreundet und bewirkt trotzdem die Entfremdung von Dora und Peter. Und der „Joker“ kann in fünf Rollen brillieren.

    Dora Hell, mehrfach preisgekrönte Fernseh-Ärztin, vom Publikum vergöttert und deshalb vom Medium verhätschelt, glaubt schließlich, eine echte Chirurgin zu sein. Sie nimmt eine gespenstische Operation am lebenden Serienproduzenten vor: eine Medienkomödie. (Horst Pillau)


    BARTSCH   (studiert düster den gestrigen Quotenausdruck, reicht das Blatt dann dem Autor) Da. sehen Sie sich das an. Schliwski! Was! Unmöglich!

    AUTOR   (besorgt) Das sieht nicht so gut aus, Herr Bartsch. (Will es relativieren) Was ist denn gestern gegen uns gelaufen…?

    BARTSCH   Mensch! Bei Ihnen müßten alle Alarmglocken schrillen! Sie müssen doch interessiert daran sein, daß es weitergeht…!  Auch für Sie…

    AUTOR   (hastig) Ja, natürlich.

    BARTSCH   Also.  (Etwas hölzern) Wir müssen, unter Vertiefung der Charaktere, der Werbewirtschaft entgegenkommen. Sonst ist der Ofen aus. Von einem Tag zum anderen.  Was! (Schreit) Dann wird die Serie abgesetzt! Ersatzlos! Jawohl! Die Sender sparen sich ja tot! Brauchen das Geld… für die Pensionen… ihrer pensionierten Intendanten…

    AUTOR   Und was will die Werbewirtschaft?

    BARTSCH   Effektivität. Wir brauchen die mittlere Generation. Schliwski! Die „mittlere“! Die Älteren! Das wird die Zielgruppe. Hören Sie. Der Jugendtrend ist out.

    AUTOR   (erstaunt) Ernsthaft? Die Jugend… ich denke, „wir tragen sie auf Händen?“

    BARTSCH   Unsinn. Die Jugend ist ein alter Hut. Jungsein ist kein Verdienst.

    AUTOR   (hilflos) Ich dachte immer… jeder will jung sein… und bleiben…

    BARTSCH   Davor bewahre mich der Himmel. Was Teens und Twens für Probleme haben…  die Unsicherheiten… die Ausbildungsquälerei. Die Stellensuche. Die Liebeskatastrophen.

    AUTOR   Aber ich denke: der Jugend gehört die Zukunft! (Staunt) Jugend… das war doch immer die Vorgabe –

    BARTSCH   Das ist vorbei. Jugend ist out. Die Alten sind weiser. Komischer. Humorvoller. Erfahrener. Falten sind gefragt. Falten, das sind… Jahresringe!  Gesichter, vom Leben geprägt. Gezeichnet. Gesichtslandschaften, nicht ausdruckslose Milchgesichter! Durchdachte Sätze. Nicht immer „und so“. Wir brauchen eine Generation, die sich differenzierter ausdrückt.

    AUTOR   (hastig) Naja gut… wenn der Sender das absegnet, mit der Jugend… die Redaktion…

    BARTSCH   Blödsinn, Redaktion. Hauptsache, die Werbung segnet das ab.

    AUTOR   (gehorsam) Ja. Und was für ein Milieu? Friedhof?

    BARTSCH   Mensch, Schliwski. Zu teuer! Was das kostet. Kirche. Friedhof. Drehgenehmigung. E-Musik. Komparsen.  Sterben ist nicht umsonst. Drei Drehtage, zwei Minuten im Kasten. Wollen Sie mich ruinieren?

    AUTOR   Aber was sonst?

    BARTSCH   Mensch, Schliwski. Das Bewährte! „Krankenhaus“! Wie immer. Was denn sonst

    Medienkomödie in 11 Bildern

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    Professor FAUST & Gretchen

    Harry Faust ist anfangs ein kompromissloser, frustrierter Intellektueller, der dann aber, teils durch eigene geistig-charakterliche Flexibilität, teils dank der historischen „Wende“, vom ideologiekritischen Rand der BRD in die politische Mitte der postmodernen Gesellschaft rückt, vom universitären Außenseiter zum mediengewandten Kulturminister mutiert und sich mit den Widersprüchen der eigenen Karriere und der Vielfalt seiner bedenklichen ministeriellen Mitarbeiter dynamisch und managerhaft zu arrangieren versteht. Gretchens Karriere verläuft dagegen weniger erfolgreich. Bei der ersten Begegnung mit dem etwas verklemmten Gelehrten ist sie ganz das herzige hessische Dummchen, das von Faust liebevoll unter die Fittiche genommen und im Schnellverfahren intellektualisiert wird. Als sie Fausts sozialrevolutionäre Gedankenspiele naiv-gläubig in die terroristische Praxis umsetzt, landet sie zunächst in der geschlossenen Psychiatrie, bis ihr die Elektroschockbehandlung die Gnade der „Amnesie“ beschert und sie, wenn auch etwas abgetakelt, ungefähr an ihren Ausgangspunkt zurückkehren lässt.

    Der Teufel ist als Agent nicht mehr nötig, er spielt nur noch als schadenfroher Beobachter und bissiger sängerischer Kommentator eine Rolle. Besteht die Dialektik der Geschichte nicht auch darin, dass jede noch so gute Idee ihre spezifische Teufelei selbst ausbrütet ? Dabei bleiben die Ideen-Gläubigen  und Ideen-Verwirklicher eher auf der Strecke, während die wendigen Zeitgeist-Philosophen bereits der nächsten innovativen Gesellschafts-Theorie hinterherjagen. Das Gespräch zwischen dem Professor und Gretchen in der Heilanstalt zwingt Faust zum Offenbarungseid und zeigt die verteufelte Ausweglosigkeit der Beziehung und Begegnung zwischen den beiden Welten.

    Das Stück verbindet theaterwirksam komische, kabarettistische und erschütternde Momente. Dabei läuft die Handlung immer auf zwei Ebenen gleichzeitig ab. Einerseits ist es die satirisch gefärbte Darstellung der Geschichte eines typischen deutschen Intellektuellen vor und nach der Wende. Andererseits besteht durch eine Reihe von deutlichen oder versteckten Anspielungen ein ständiger pikanter Bezug auf Goethes Faust-Drama, angefangen von der Aktualisierung der Wissenschaftskritik bis zur Emanzipation der Gretchen-Figur von ihrer weimar-klassischen Bravheit und Beschränktheit: An Gretchen gemessen, schrumpft Faust zum autistischen Egomanen. Fausts ministerielle Mitarbeiter (mit den sprechenden Hybrid-Namen „Goetels“, „Hiller“ und „Himboldt“) zitieren und karikieren in drei wahnwitzigen Szenen die Extreme der deutschen Geschichte.

    Das Stück bringt die Zuschauer zum Lachen und zum Nachdenken und treibt ihnen, auch durch die giftigen Lieder des «Mephisto» und die verzweifelt-komische Schluss-Szene, einen nicht leicht zu ignorierenden und zu entfernenden Stachel ins Bewusstsein.

    Deutsches Kammerspiel in 2 Teilen

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  • Kundendienst

    Wenn ein Mann gleichzeitig mit drei Frauen verheiratet ist, dann ist er eigentlich gestraft genug. Aber Gilbert Dumont wurde deshalb auch noch zu Gefängnis verurteilt. Von mir ist er nicht verurteilt worden, denn ich weiß, dass Gilbert im Grunde nichts für seine mehrmaligen Besuche beim Standesbeamten kann, sondern Monsieur Lavallet (Lavallet Frères, alles für die Schönheit der Damen) und Denise, seine von ihm heißgeliebte Ehefrau. Gilbert dachte seit seiner Hochzeit nur an sie und vernachlässigte seine Kundschaft. Er machte zu wenig Umsatz, so dass er beinahe rausgeworfen wurde. Sein Chef gab ihm den Rat, sich doch etwas weniger um Denise, sondern mehr um seine Kundinnen, die Einkäuferinnen der großen Unternehmen, zu kümmern, sie mal einzuladen, zum Essen und Tanzen und so weiter. Aber dieses Undsoweiter erschreckte Gilbert, oder besser gesagt, er war entsetzt über diesen sozusagen erweiterten Kundendienst. Doch Denise fand das Undsoweiter gar nicht so schlimm, ohne an die Folgen zu denken. Ihr Mann würde ja alles, was er tut, nur für sie tun. Hauptsache, er verdiente endlich mal mehr Geld.

    Gilbert gab sich einen Ruck, plünderte sein Sparschwein, kleidete sich chic ein, um schon durch sein Äußeres bei den Kundinnen Eindruck zu machen. Und er machte Eindruck. Und von Kundin zu Kundin gewann er mehr Selbstvertrauen. Er setzte ohne Scham seinen Charme ein. Und er kam an, seine Orderblätter füllten sich, und sein Chef strahlte zufrieden.

    Die Blicke der Einkäuferinnen wurden immer liebenswürdiger, sie spürten instinktiv, an diesem Gilbert muss was dran sein, sein Charme und das andere auch. Zwei Chefinnen von großen Firmen verliebten sich in ihn und machten Riesenbestellungen. Dafür musste Gilbert auch im Bett der Damen Gastspiele geben. Sein Chef baute eine neue Fertigungshalle und verdiente soviel, dass er sich gestattete, sich von seiner „geliebten“ Frau zu trennen.

    Nach einer gewissen Zeit wurde die Situation dramatisch. Gilberts beide besten Kundinnen wollten ihn für sich allein, sozusagen exklusiv. Aber nicht nur das, sie wollten ihn auch noch heiraten. Gilbert hatte Gewissensbisse, aber er wusste, dass eine Ablehnung riesige Umsatzverluste bedeuten würde und seine Denise, die sich gerade einen neuen Sportwagen bestellt hatte, sollte nicht unter seinen Schwierigkeiten leiden. So sah er sich gezwungen, nicht nur mit Madame Isabelle, sondern auch mit Jeanne Renard zum Standesamt zu gehen.

    Nun musste er sich seine Zeit einteilen. Dass er Vertreter war und viel unterwegs sein musste, kam ihm dabei gelegen. Zwei Tage in der Woche war er Isabelles Gatte, zwei Tage Jeannes Gemahl und zwei Tage der richtige Mann seiner richtigen Frau. Eine Weile ging das gut, aber dann musste er ins Krankenhaus, sich die Mandeln rausnehmen lassen, und durch einen Fehler seines Pflegers kam heraus, wo er lag. Und weil er liegen musste, musste er sitzen. Denn seine drei Frauen besuchten ihn natürlich, lernten sich kennen, und jede merkte, dass sie nicht die einzige war. Wütend zeigten sie Gilbert an, und nun saß er im Knast, verständnisvoll betreut von Thibaut, dem Gefängniswärter, dem er alles erzählt hat, was wir erleben. Aber dann passierte etwas Merkwürdiges. Seine einst auf ihn so wütenden Frauen schrieben ihm Liebesbriefe, jede wollte ihn abholen und „heimholen“, und vor dem Gefängnistor stießen sie mit ihren Autos zusammen.

    Gilbert musste das Gefängnis durch die Hintertür verlassen, um zu der Frau zu gelangen, die er auf seinen Reisen kennengelernt hatte und die an ihn keine standesamtlichen Bedingungen stellte.

    Eine Farce

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    Dornröschen und der Scheibenwischer

    Zuallererst ein Geständnis. Die Hauptrolle dieses Stückes spielt ein Schwein. Es ist dramaturgisch äußerst wichtig, ich möchte fast sagen, gewichtig, aber – vornehmlich zur Beruhigung der Direktion und des Inspizienten – kann ich Ihnen mitteilen, dass das Schwein nie persönlich auf der Bühne erscheint. So, jetzt muss ich Ihnen noch den Liebhaber vorstellen: Sebastian Berger, Anfang 20, ist ein sportlicher Typ, schwindelfrei und putzt für einen ehemaligen Kollegen, der einen Hexenschuss hat, die Fenster der Hohmeyerschen Wohnung, die im 4. Stock liegt. Sebastians Vater ist der Chef einer großen Hausreinigungsfirma und war schon früher, das erfahren wir von Frau Schlüter, der Wirtschafterin, ein toller Hecht.

    „Dornröschen“, so wird Franziska von Frau Schlüter genannt, liebt Tiere über alles. Um mit möglichst vielen Tieren zusammenzukommen, arbeitet sie auf einem Gutshof nahe der Stadt. Sie striegelt die Pferde, melkt die Kühe, aber am liebsten mistet sie den Schweinestall aus. Franziska ist bildhübsch, aber sehr zurückhaltend, und Margot Hohmeyer, ihrer Mutter, gelingt es nicht, sie an den Mann zu bringen. Franziska lehnt alle ab, obwohl Margot Männer aus höchsten Kreisen anschleppt, weil sie sich selbst liebend gern in diesem Bereich bewegen möchte.

    Eberhard Hohmeyer – Damenwäsche en gros – produziert bezaubernde Slips und lächelt über die Versuche seiner Frau, Schwiegermutter zu werden. Sie glaubt, dass sich ihr Mann nur für Slips und nicht für deren Inhalte interessiert.

    In dieser Beziehung unterschätzt sie ihn, denn er hat eine. Mit einer Mitarbeiterin.

    So, jetzt habe ich Ihnen die Personen vorgestellt. Die Handlung beginnt damit, dass die Hohmeyers in die Oper gehen wollen, und Franziska kommt wieder einmal zu spät vom Bauernhof, muss auf Wunsch ihrer Mutter ein Bad nehmen, denn gerade heute hat ihre Erzeugerin wieder einen Eheaspiranten an Land gezogen, einen echten Prinzen.

    Die Hohmeyers gehen vorher noch ins „Ritz“ essen, und ihre Tochter soll nachkommen. Sebastian putzt die Fenster, und plötzlich durchquert Franziska, in ein Badetuch gehüllt, den Raum. Sie entdeckt Sebastian nicht, aber Sebastian sie. Er ist hingerissen, teilt gleich über Handy seinem Freund mit, dass er eben die Frau seines Lebens gesehen hat. Er putzt sogar die Rahmen der Fenster so langsam, dass er ein paar Mal wieder ins Haus kommen kann, um ihr zu begegnen.

    Margot Hohmeyer mag ihn. Nachdem sie hört, dass er Musik studiert und auf dem besten Wege zum Generalmusikdirektor ist, findet sie ihn als Schwiegersohn akzeptabel, und sie überlegt schon, welchen Schmuck sie dann bei der Premiere tragen soll.

    Dann wird es dramatisch. Das Gut verzichtet aus gutem Grund einige Tage auf Franziskas Mitarbeit. Es wird nämlich geschlachtet. Aber Franziska fährt dennoch hin, und Mutter Hohmeyer schickt vor Angst, dass ihrer Tochter etwas passiert – natürlich passiert etwas – Sebastian hinterher: Ein Gewitter zieht auf, Franziska versucht, Carlos in die Scheune zu bugsieren, das Schwein soll doch nicht nass werden, sie allerdings wird es und Sebastian, der ihr hilft, auch. Sebastian hat kein Cabriolet, sein Wagen hat auch eine viel bessere Heizung, und die beiden, die sich inzwischen schon mögen, rubbeln sich gegenseitig ab. Es wird ihnen warm, und im Gegensatz zu den Gebrüdern Grimm küsst der Prinz Dornröschen erst wach, nachdem er mit ihr geschlafen hat. Das Ende verrate ich Ihnen nicht. Sie können es sich ja denken.

    Curth Flatow

    Ein modernes Märchen

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    Tartuffe

    Molières Stück über den religiös-fundamentalistischen Heuchler ist die seit Jahrhunderten aktuelle Satire auf den Wolf im Schafspelz, der die Religion als Vorwand benutzt, um seine erotischen und habgierigen Ziele zu verbergen.

    Tartuffe gewinnt in der Maske der Frömmigkeit das uneingeschränkte Vertrauen von Orgon und dessen bigotter Mutter, er spekuliert auf die Heirat mit Orgons Tochter Mariane und geht gleichzeitig Orgons junger Frau Elmire skrupellos an die Wäsche. Und als Elmire ihrem unter dem Tisch versteckten Ehemann die Verlogenheit Tartuffes unwiderleglich vor Augen und Ohren führt, ist es zu spät: Tartuffe dreht den Spieß um und beweist, dass er selbst der Herr im Hause ist. Erst in allerletzter Minute kommt es zu der bekannten Deus-ex-machina-Wendung, wodurch der Heuchler unschädlich gemacht wird.

    Tartuffe ist das meistgespielte und meistdiskutierte Molière-Stück überhaupt, es verbindet deftige Charakter- und Situationskomik mit schneidender Satire. Anfänglich verboten, weil es vor allem als Angriff auf die Macht der Kirche verstanden wurde, wird es seit langem so gespielt, dass es auf alle möglichen Heuchler passt. Und wer könnte behaupten, heute gäbe es keine erheuchelten Eheschließungen oder Erbschaften oder Karrieren mehr? Das Thema des Stückes ist jedenfalls zeitlos.

    Die Neuübersetzung versucht, ohne Anbiederung und ohne inhaltliche Verbiegung, die Figuren des Stückes sprachlich zu unseren Zeitgenossen zu machen. Sie sprechen eine an Molières Rhetorik und Versen orientierte deutsche Gegenwartssprache. Dabei bestehen aber zwischen der Sprechweise der Figuren Molières erhebliche Unterschiede, die auch der Übersetzer beachten muss. Die süßliche Rhetorik Tartuffes, der Elmire in einer heuchlerischen Mischung aus religiösen Floskeln und erotischer Sinnlichkeit anschmachtet; Orgons machistisches Auftrumpfen, womit er seine Schwäche und Isolierung in der Familie übertönt; Elmires elegant-kühle Damenhaftigkeit; Madame Pernelles geradezu bäuerlich-grobe Verbohrtheit; Damis‘ unüberlegtes Draufgängertum; Marianes eingeschüchterte Indirektheit; Valères hilflose Neigung zur Gekränktheit im 2. Akt, sein atemloses Hilfsangebot im 5. Akt; Cléantes eloquent-intellektuelle Argumentationsbögen; Dorines sprachliche Beziehungskunst, der es auf so amüsante Weise gelingt, alle Register der Kommunikations-Diplomatie und einer emanzipierten Weiblichkeit auszureizen; Monsieur Loyals aalglatter Sadismus; der massive Ton des Polizeibeamten am Schluss.

    Je genauer man als Übersetzer die polyphone Stimmenvielfalt Molières im gegenwärtigen Deutschen imitiert, desto deutlicher zeigt sich das Rätselhafte und Moderne des Stücks: „die Zersplitterung der Figurenwelt, das Nebeneinander ohne Miteinander“. Einzig und allein die Zofe Dorine versucht, die Familie zusammenzuhalten. Aber zwischen Orgon und Elmire herrscht Kälte, zwischen den Generationen ebenfalls, und die rhetorischen Glanzleistungen von Cléante verraten nicht gerade emotionales Engagement. Der Auftritt des königlichen Polizeibeamten am Schluss macht zwar den Kriminellen unschädlich, stellt aber keine heile Welt her, sondern lässt die erwachsenen Hauptfiguren (Orgon, Elmire, Madame Pernelle, Cléante) in ihrem beziehungslosen existentiellen Vakuum zurück.

    Die Polyphonie der Figuren ist aber zugleich die Quelle der Molièreschen Komik. Der rührend-komische Zank der Liebenden, die Auseinandersetzung zwischen Dorine und Orgon, das raffinierte Spiel zwischen Elmire und Tartuffe, die Auseinandersetzungen mit Madame Pernelle, das Gegeneinander zwischen Orgon und Cléante usw. – all das sind Szenen mit wundervollem Komikpotential, wobei man aber zwischen der „Anästhesie des Herzens“ (Bergson) und lebhaftem Mitgefühl hin- und hergerissen werden kann.

    Das sprachliche Nebeneinander der Figuren ist eines der kreativen Rätsel für den Regisseur; hier ist ein großer Spielraum für die dramaturgische Ausgestaltung und schauspielerische Verkörperung des bis heute nicht ausgereizten Beziehungsgeflechts.

    Das zweite große (oder eher: größere) Rätsel des Stückes ist, wie man mit dem in letzter Minute erzwungenen Happy End umgehen soll. Je nach der Lösung, die der Regisseur wählt (historischer oder pseudohistorischer Realismus; Ironisierung; faschistischer Kontext usw. usf.), erscheinen alle Figuren und alle Beziehungen in einem anderen Licht.

    Molières „Tartuffe“ ist für unsere Theater eine der fruchtbarsten dramatischen Rätselaufgaben, weil die Geschichte vom Wolf im Schafspelz zu jeder Zeit spielen kann – und dabei sowohl zu amüsieren als auch zu erschrecken vermag.

    Komödie in 5 Akten

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    Die Sieben Todsünden
    oder
    Die Hochzeit der Wetterfee

    Dass Frauen und Sünde zusammengehören, ist schon seit Adam und Eva kein Geheimnis mehr. Deswegen gehören in „Die Sieben Todsünden“ selbige auch zu sieben Frauen, die noch dazu unterschiedlicher nicht sein könnten.

    Anlässlich der eigentlich perfekt geplanten Traumhochzeit des Konzernerben Rex Reinmann mit Wetterfee Vanessa Schulte treffen sie alle auf der Damentoilette des dafür angemieteten Märchenschlosses zusammen.

    Nicht aus Vergnügen. Freiwillig würde sich Brautmutter und Supermarktmagnatin Pia Reinmann keine zwei Minuten mit Proletenbräuten vom Kaliber einer Mutter bzw. Oma Schulte unterhalten. Doch es herrscht Ausnahmezustand: Vanessa hat sich kurz vor der Zeremonie in einer der WC-Kabinen eingeschlossen. Durch nichts und niemanden lässt die Braut sich jetzt dazu bewegen, wieder herauszukommen oder wenigstens den Grund für ihr Verhalten zu äußern.

    Eine Katastrophe – nicht nur, weil die Hochzeit im Begriff ist zu platzen. Auch deshalb, weil jede der Frauen ihr eigenes, schmutziges Geheimnis mit sich herumträgt, das durch den Eigensinn der Braut aufgedeckt zu werden droht. Je mehr die Zeit drängt, desto gnadenloser legen die sieben Heroinen ihre manikürten Finger in die Wunden der anderen – um gekonnt von den eigenen Verfehlungen abzulenken. Gemeinschaftlich werden Handtaschen gefilzt, sexuelle Vorlieben gebeichtet, Psychotests ausgefüllt und ganze Großfamilien nach der Hellinger-Methode aufgestellt – Abgründe tun sich auf!

    Doch überraschenderweise lassen sich gerade deshalb die Abgründe zwischen den so unterschiedlichen Familien und Charakteren letzten Endes überwinden. Denn nur wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein… (Luci van Org)

    Komödie

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    Adam & Eva

    Was passiert, wenn Subkultur auf Bürgertum trifft? Es knallt, und ein obdachloser Transvestit landet mit blutiger Nase in der Wohnung einer selbstmordgefährdeten Romantikerin.


    ADAM  Ach du heilige Mutter Gottes, wo sind wir denn hier gelandet?

    EVA  Ich wohne hier.

    ADAM  Hast du die Möbel noch von der Flucht aus Schlesien? Das glaubt einem doch kein Mensch.

    EVA  Das sind alles Erbstücke. Meine Großmutter hat sehr an dieser Einrichtung gehangen, und bevor sie starb, habe ich ihr versprochen mich gut darum zu kümmern. Aber woher wissen Sie, dass meine Großmutter aus Schlesien stammt?

    ADAM  Ne alte Trümmerfrau erkennt so was auf den ersten Blick.


    Trotz unterschiedlicher Lebensläufe und Einstellungen nähern sich beide einander an und bilden eine Zweckgemeinschaft: ein Dach über dem Kopf im Tausch gegen eine Typverbesserung vom altbackenen Hausmütterchen zum Vamp. Anhaltende Arbeitslosigkeit und Rufmord führen zu einer gemeinsamen Geschäftsidee: Großmutters stillgelegter Buchladen soll mit einem frischen Konzept in neuem Glanz wiederauferstehen. Gesagt, getan! – würde nicht die Liebe dazwischenfunken. Eifersucht, Sorge und unerwünschte Spionagetätigkeiten beim ersten Date führen schließlich zum Bruch.


    EVA   Und was wird aus unserem Laden?

    ADAM   Bleiben wir bei den Tatsachen – es ist dein Laden, und was du damit machst, ist nicht meine Angelegenheit.


    Wochenlange Funkstille bis zur Entschuldigung, Versöhnung und schließlich doch ein Abschied auf längere Zeit. Was bleibt, ist die Gewissheit, sich durch den anderen weiterentwickelt und in dessen Herzen ein Zuhause gefunden zu haben, also das, was eine wahre Freundschaft wirklich ausmacht.


    EVA   Ich hab so ein komisches Gefühl im Bauch, kann es aber nicht genau beschreiben.

    ADAM   Geht mir genauso … Du merkst, dass etwas zu Ende geht und gleichzeitig anfängt.

    EVA   Ja, es ist wie Schweben, so wie luftleerer Raum. Eigentlich möchte ich vor Freude lachen und bin aber so traurig, dass ich weinen könnte.

    ADAM   Ich glaub, das ist Glück, Eva.

    Zwei Welten treffen aufeinander

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    Männer, Mütter und Moneten
    oder
    Erben für Fortgeschrittene

    Marianne van Dassel ist in Not. Bis zum 35sten Geburtstag ihres Sohnes Alexander muss sie sicher stellen, dass er einen Nachkommen zeugt, da sonst ihr Anspruch auf das Millionenerbe der Familie entfällt. Alexander steht bereits kurz vor seinem 34sten und denkt nicht im Traum daran, ein Kind in die Welt zu setzen. Also bleibt Marianne keine andere Wahl, als seinen seit drei Jahren vor ihr verheimlichten Freund Felix durch psychische und finanzielle Erpressung vor ihren Karren zu spannen. Felix macht sich via Internet daran, die passende Leihmutter zu finden, doch das erste „Müttercasting“ entwickelt sich zu einer Katastrophe, bis Susanna, Felix‘ älteste Freundin, sich zur Austragung des Kindes bereit erklärt. Während Felix jedoch zu Besuch bei seiner herzkranken Mutter ist, kommt Alexander hinter diese engagierten Quertreibereien, und die Mission „Erben für Fortgeschrittene“ droht zu scheitern. Ein schneller Strategiewechsel ist vonnöten, und zu Weihnachten besteht kein Zweifel mehr: Die Nachkommenschaft ist gesichert! – wäre da nicht ein kleiner Haken…

    Marianne van Dassel ist in Not. Bis zum 35sten Geburtstag ihres Sohnes Alexander muss sie sicher stellen, dass er einen Nachkommen zeugt, da sonst ihr Anspruch auf das Millionenerbe der Familie entfällt. Alexander steht bereits kurz vor seinem 34sten und denkt nicht im Traum daran, ein Kind in die Welt zu setzen. Also bleibt Marianne…

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