Stück Kategorie: Schauspiel

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    Damen
    7
    Herren

    Hanglage Meerblick

    „Wir befinden uns in einem Immobilienbüro. Ein Wettbewerb um die besten Verkaufsergebnisse geht zu Ende. Die vier Makler haben nur noch wenige Tage, um eine gute Position auf der Wettbewerbstabelle zu erreichen. Der Sieger gewinnt einen Cadillac, der Zweite gewinnt einen Satz Steakmesser, die beiden Tabellenletzten werden gefeuert. Die Hauptsache im Wettstreit sind die Adressen (potentieller Käufer). Jeder versucht verzweifelt, die besten (gewinnversprechendsten) Adressen zu bekommen.“     David Mamet

    Ein Teufelskreis: die guten Adressen der Kundenkartei erhält vom jungen Büroleiter Williamson nur, wer Verkaufserfolge vorzuweisen hat. Vor dem Kampf um die Kunden steht der Kampf um die Adressen, der bis zum Diebstahl der Kundenkartei geführt wird. Und zum Überlebenskampf jeder gegen jeden führt.

    Stück in 2 Akten

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  • 2
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    25
    Herren

    Julius Caesar *

    Die Tragödie von Julius Caesar

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  • Hamlet *

    Die tragische Geschichte von Hamlet, Prinz von Dänemark

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  • 3
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    14
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    Coriolanus

    Die Tragödie von Coriolanus

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  • 4
    Damen
    31
    Herren

    Antonius und Kleopatra *

    Die Tragödie von Antonius und Kleopatra

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  • 6
    Damen
    6
    Herren

    Blut

    Bett an Bett liegen sie, die Frauen auf der gynäkologischen Station. Aus ihren Unterleibern werden in Serie Verwachsungen entfernt, Zysten, Entzündungen und Myome, je nach Bedarf auch ungeborene Kinder herausgerupft, Eileiter und Gebärmutter inklusive. Der Oberarzt führt seine Abteilung – „Beine auf!“ – mit sportlichem Ehrgeiz und dem Feinsinn des Handwerkers, die Operation ist ihm eine „Eins-A-Bastelstunde“, die Patientin nicht mehr als eine namenlose Kopplung von Organen. An seinen Händen klebt das Blut.

    Die Nacht liegt schon bleischwer über der Station, da treten die Krankengeschichten dreier Zimmergenossinnen in die finale Phase ein: Während Angelika, ehemalige Schönheitskönigin, die sich für ihre Schauspielkarriere das Kind wegmachen lässt, flüsternd einen Monolog probt, färbt sich die Decke ihres Nachbarbettes rot. Dort liegt Hanni, die von einer ganz normalen Familie träumt, vier Kinder hat sie schon verloren, jetzt muss endlich Nachwuchs her für den familiären Betrieb. Berta hingegen ist bereits vierfache Mutter, fünf Abtreibungen haben Schlimmeres verhindert – ihre Existenz war der Bauch, jetzt soll der Bauch endgültig ausgeräumt werden. Doch Berta räumt klammheimlich ihren Schrank…

    Scharf wie ein Skalpell und mit bitterem Witz seziert Käthe Kratz den ganz normalen Wahnsinn in den Geburtsfabriken der Krankenhäuser. Die Gynäkologie ist für sie nicht nur tragischer Ort der Tabuisierung und Demütigung, sie ist zugleich ein symbolischer Raum, in dem wie unter dem Vergrößerungsglas das Schicksal der Frau aufscheint: als Brutkasten für den gesellschaftlichen Fortbestand.

    Stück in 3 Akten

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  • 3
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    Ein Triptychon

    Ein Triptychon: ein Dreierbild, bei dem uns der Maler nicht ein charakteristisches Einzelporträt liefern will, sondern auf das Sichtbarmachen von Konstellationen  zwischen  Personen abzielt. Die Technik überträgt Edna O’Brien auf ihr Stück.


    Dabei muß sie dem Individuum nichts von seiner Einmaligkeit und Unverwechsel-barkeit nehmen, auf die jeder Mensch Anspruch macht, aber sie setzt ihn in einen Rahmen, in ein Geflecht von Beziehungen. Die allerdings sind alles andere als einzigartig: sie sind so wenig originell wie „das Leben“ eben, auch, ist – weil die Grundmuster, nach denen es abläuft, allenfalls Varianten zulassen.


    Darum schickt die Dichterin die Ehefrau Pauline als EHEFRAU durchs Stück, die Geliebte des Mannes der Ehefrau, Clarissa, als GELIEBTE, und die Tochter von Ehefrau und -mann, Brandy, als TOCHTER.


    Daß die Drei für sich selbst dabei vollkommen unverwechselbar persönlich, sozusagen „im eigenen Namen“ handeln, weil jedes Leben von dem, der es lebt, als sein einmaliges eigenes erlebt wird und werden muß: in dieser Ironie liegt die scharfe Grundwürze der Konstruktion.


    Sie ist der entscheidende Grundzug dieses eleganten konzentrierten Dramas. Das WAS, also die Geschichte, wird schon durch die Rollenbezeichnungen als in den Grundzügen jedermann/frau bekannt vorausgesetzt: Als beträfe es nicht jeden, also auch einen selbst, sondern immer bloß die andern, nennt man gern Klischee, was unentrinnbares und ständig sich wiederholendes Grundmuster der Menschenexistenz ist.


    Die Raffinesse steckt im WIE. Da zeigt sich O’Brien als ebenso geistvolle wie scharfe und erbarmungslose Analytikerin von Gefühlen, die so wahr erlebt werden wie sie falsch klingen. Sie zeichnet Figuren, die fortwährend und höchst dramatisch einander über einander aufklären – aber an der Selbstaufklärung scheitern: an den Fallen, die sie sich selber stellen, den Lügen, mit denen sie erlebte Ängste und Enttäuschungen bis zur Erträglichkeit übermalen, an der Poetisierung, die Daseinssinn produzieren muß, weil die schiere Banalität der baren Fakten, unüberhöht, allzu niederschmetternd wäre.


    Edna O’Briens Kunstgriff, um die Figuren zu dieser rücksichtslosen Selbstentäußerung zu treiben: der gemeinsame Bezugspunkt der Frauen, über den sie sich und ihr Verhältnis untereinander definieren, der MANN also, der Ehegatte, Geliebte und Vater, bleibt ausgespart. Er ist der perspektivische Fluchtpunkt in diesem Triptychon. Für den Zuschauer gewinnt er Gestalt nur als Projektionsfigur der Drei, über den sie sich, ihre Wünsche, ihre Träume formulieren.


    Daß er sich am Ende auf eine Weise davonmacht, die ihnen allen und jeder für sich die Möglichkeit läßt, daraus ein auch im Schrecken schönes Bild zu formen, mit dem sie weiterleben können, paßt ins „Bild“. Edna O’Brien hat es mit feinem, hinterhältigem, bösem Witz gemalt.

    Stück in 24 Szenen

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  • 3
    Damen
    2
    Herren

    Das letzte Bild

    Helen und Nick begegnen sich nachts auf einem verlassenen Landflughafen östlich von Berlin. Sie haben sich unabhängig voneinander um ein Ndeup beworben. Ndeup ist ein jahrhundertealtes senegalesisches Ritual zur Austreibung von psychischen Krankheiten. Der Patient wird mit einem stinkenden Ziegenbock zusammengebunden und muss unter einer schweren Felldecke bei glühender Hitze mit dem Tier auf dessen Tod warten. Dann wird er mit Blut eingeschmiert und muss stundenlang tanzen. Zwischendurch werden Snacks und Coca Cola gereicht. Die Wirkung wird von einigen Europäern als eine Art Elektroschock beschrieben, der zumindest für einige Zeit Linderung bringt. Ein Aufheller für die Schwermut.

    Helen ist Anfang Vierzig. Sie lebt in Kreuzberg und wird von ihrem Arzt, genannt Doc Schneider, seit vielen Jahren mit Medikamenten in einem stabilen Gleichgewicht gehalten. Helen ist manisch-depressiv. Sie will nicht mehr, dass Woche für Woche ihr Vergaser neu eingestellt wird. Sie will das Leben in Farbe und Cinemascope erleben. Das Ndeup ist ihr letzter Versuch. Gelingt er nicht, will sie sich in den japanischen Vulkan Mihara stürzen oder sonstwie zu Tode kommen. Sie hat sich bis jetzt nur noch nicht das letzte Bild ausgesucht.

    Nick ist Mitte Zwanzig. Er trägt Koteletten, die wie Pfeile auf seinen Mund zeigen, deshalb denkt man, er wird gleich etwas sagen. Aber Nick hält sich bedeckt.

    Es ist tiefe Nacht. Die Lichter des Flughafens sind längst erloschen, irgendwo hört man Kühe. Der Bus der Senegalesen, der die beiden abholen sollte, kommt nicht. In Afrika fahren die Busse erst, wenn sie voll sind, sagt Helen gut gelaunt. Die beiden ziehen schließlich ihre Rollkoffer durch die Nacht und machen sich zu Fuß auf den Weg nach Guckow. Dort angekommen, stellen sie fest, das die Adresse ein Landpuff ist, in dem Malve arbeitet, die das Ritual später auf einem alten Fußballplatz im Wald durchführen wird. In der Nacht davor mach Helen eine Entdeckung…

    Es ist eine Komödie. Ein Road Movie. Wie in jeder Komödie geht es um’s nackte Leben. Es geht um ein Versprechen. Es geht um Horst, den Taxifahrer, dessen Frau gestorben ist und der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jedes Foto von ihr exakt auswendig zu lernen, bis ins kleinste Detail, bis hin zum Schatten des Fingers des Japaners, der für die beiden ein Foto gemacht hat, und den man rechts oben im Bild noch spürt. Es geht um Wahrnehmung, die als Krankheit etikettiert und zurechtgestutzt wird. Und es geht um Malve.


    HELEN   Bald werd‘ ich meinen Doc verlassen. Hat schon die gleiche Frisur wie ich. Sitzt immer hinter mir und atmet. Manchmal habe ich Angst, dass er einfach tot ist. Dann höre ich auf zu reden und horche. Aber ich darf mich nicht umdrehen. Ist verboten. Alles, was wir in der Praxis tun, hat eine zweite Bedeutung. Wie ich gehe, wie ich stehe, wie ich gucke, wie ich lächle, wie ich liege, wie ich schweige. Man müsste an so viele Dinge gleichzeitig denken. Er gibt mir die Hand, und ich nehme sie wie einen einarmigen Banditen. Er sieht mich genau dabei an. Ich darf nicht zu schnell und nicht zu langsam, sonst bricht er ab, so, g u t e n T a g, H e r r S c h n e i d e r, auf und ab, auf und ab, so drei, vier mal, nicht mehr, auf keinen Fall, mein Doc ist hohl, er bricht und bröselt leicht. Wenn ich es richtig mache, setzt er sich hinter meinen Kopf und schweigt. Ich sehe zur Decke hoch. Auf dem Putz laufen Bilder. Wenn man stirbt, bleibt der Film einfach stehen. Nichts weiter. Normalerweise kann man sich das letzte Bild nicht aussuchen. Ich hätte mein Leben gerne auf Kassette. Das Ndeup ist mein letzter Versuch.

    11 Szenen

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  • 5
    Damen
    7
    Herren

    Frank N. Stein oder Die Erschaffung der wahren Liebe

    Der Forscher als selbsternannter Handlanger der Evolution: Frei nach Nietzsches Lehre vom Übermenschen will der junge Molekularbiologe Frank-Norbert Stein einem neuen, besseren Wesen Gestalt verleihen.

    Frank stammt aus einem kleinstädtischen Pfarrhaushalt, doch er hat diesen begrenzten Rahmen hinter sich gelassen, zählt zu den größten Wissenschaftlern der Welt. Die von ihm entwickelte Biomasse C.L.A.Y. (Cybernetically Linked Atoms Yonder) aus künstlichen Molekülen ist eine medizinische Revolution: Jedes kranke oder verlorene Element des menschlichen Organismus – Knochen, Gewebe, bis hin zu Gehirnflüssigkeiten – können mit dem modernen „Lehm“ nachsimuliert werden. Nicht nur das Ende des illegalen Organhandels, letztlich der Sieg über alle Krankheiten! Doch in seinem Ehrgeiz schießt Frank über das Ziel hinaus: Es genügt ihm nicht, einzelne Bausteine des Menschen auf künstlichem Wege zu erzeugen. Bedingt durch den tragischen Verlust seiner geliebten Zwillingsschwester Eva in der Kindheit treibt ihn eine größere Vision: Er will die Verstorbene reaktivieren, komplett künstlich, genetisch mit dem Original identisch und doch mit einigen physischen und psychischen Beschönigungen…

    Das Experiment gelingt. E.V.A. (Eternally Vital Anatomy) ist nicht nur körperlich perfekt – resistent gegen Erreger und ohne Alterungsprozess – sondern auch seelisch: Aufgrund ihrer hormonellen Konstruktion ist sie liebreizend und klug; Aggression, Neid, Eifersucht, etc. sind ihr fremd. Doch Frank muss schmerzlich feststellen, dass EVA fast „zu gut“ für diese Welt ist: Die Gesellschaft spricht dem synthetischen Wesen die Menschenrechte ab. EVA stellt nicht nur eine Bedrohung der fundamentalen Werte wie Familie, Elternschaft, Erziehung und christlicher Traditionen dar, sondern unsere gesamte Gattung in Frage: Wenn dereinst künstliche Geschöpfe vollkommener sind als wir selbst, worin besteht dann unsere Daseinsberechtigung? Frank N. Stein zerbricht an der Ablehnung seines Geschöpfes durch die Gesellschaft und an der eigenen Unfähigkeit, sein Wesen zu lieben.

    Mary W. Shelleys Mythos FRANKENSTEIN ist nicht nur etwa zur selben Zeit entstanden wie Goethes FAUST: Wie in einem Brennglas verdichten sich in beiden Stoffen die zentralen Fragen nach menschlicher Verantwortung, Identität und Seele. In FRANK N. STEIN werden diese Themen in klare, heutige Sprache umgesetzt. Szenen und Charaktere erzählen sich leichtfüßig, mit tragikomischem Charme, es „menschelt“ vertraut. Die hehren Ansprüche der Hauptfigur finden ihren banalen Widerpart in der kleinbürgerlichen Personage seiner Herkunft: Frank kann seine Wurzeln nicht abstreifen. Dem übersteigerten Ideal der vollkommenen, im Labor geschaffenen Liebe, stehen vergebliche Versuche der Protagonisten gegenüber, die Liebe auf angemessene, „normale“ Weise zu leben.

    Stück in 11 Bildern

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  • 2
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    3
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    Sechzehn Verletzte

    Backen ist hauptsächlich eine Sache der Geduld. Unter diesem Motto betreibt Hans, ein älterer Junggeselle, eine kleine Bäckerei in Amsterdam; dabei hilft ihm Nora, eine junge Frau, die sich langsam von ihrem Traum, Tänzerin zu werden, verabschiedet. Einmal die Woche bekommt er Besuch von Sonja, einer russischen, nicht mehr ganz so jungen, Prostituierten. Sein Leben verläuft in ruhigen Bahnen, bis seine vermeintlich heile Welt in einer Winternacht gestört wird, als ein junger Mann von Fußball-Hooligans durch seine Schaufenster-scheibe geschmissen wird. Er kümmert sich um den Verletzten, der auf keinen Fall ins Krankenhaus gebracht werden will, weil er sich illegal in den Niederlanden aufhält. Mahmoud – nur widerstrebend gibt er seinen Namen preis – stammt aus Palästina, wo er aus Geldnot sein Medizinstudium abbrechen mußte. Behauptet er jedenfalls.  Und nach Amsterdam ist er gekommen, weil Ajax sein Lieblingsfußballverein ist. Hans teilt seine Liebe zum Fußball, wie auch zum Backgammon, das arabisch Shesh-besh heißt. Und als Mahmoud beim Backgammon nicht das Geld erspielt, mit dem er Hans die Scheibe bezahlen wollte, macht dieser ihm das Angebot, in seiner Bäckerei zu arbeiten, erinnert er sich doch daran, wie er selbst einmal von Nills, dem früheren Bäcker, aufgenommen worden war.

    Mahmoud nimmt das Angebot an. Doch als er am Ende des ersten Arbeitstages an der Innenseite der Tür – nicht an der Außenseite, wie es jüdischer Brauch vorschreibt – die Mesusa sieht, wirft er Hans den ersten Tageslohn wutentbrannt vor die Füße, weil er es nicht ertragen kann, daß ihm ein Jude hilft. Es paßt nicht in sein Weltbild. (Und daß die Ajax-Fußballer von ihren Verächtern als Juden geschmäht werden, hat er auch nicht gewußt.) Allerdings kehrt er reumütig zurück, weil er wohl keine andere Wahl hat und weil Hans erklärt, er sei Bäcker und nicht Jude.

    Und so nimmt die Geschichte ihren zivilisierten westeuropäischen Lauf. Mahmoud lernt Backen. Nora und Mahmoud verlieben sich ineinander. Selbst als klar wird, warum Mahmoud untergetaucht ist – er hat ein Attentat mit tödlichem Ausgang begangen – kann das die Eintracht nicht nachhaltig stören. Und als Nora schwanger ist, erklärt sich Hans auf Mahmouds Bitte sogar bereit, dem Kind nach seiner Geburt das Azan zu sprechen, sozusagen Pate zu werden. Auf privater Ebene lassen politische Konflikte sich lösen, so scheint es.

    Doch dann taucht Ashraf auf, der über Mahmouds Leben vollständig im Bilde ist. Ashraf erinnert seinen Bruder Mahmoud erpresserisch an seine Pflichten als Palästinenser. Mahmoud muß sich entscheiden: Privates Glück oder Dienst an der vermeintlich guten Sache?

    Eines Nachts wird Mahmoud von Hans mit Sprengstoff und Zünder in der Bäckerei überrascht. Der Bäcker verspricht ihm, für sein noch ungeborenes Kind zu sorgen, falls… Und als am nächsten Morgen Amsterdam von einer Explosion in einer Synagoge erschüttert wird – zeitgleich, wie die Fernsehnachrichten melden, mit Explosionen in anderen europäischen Städten – weiß Hans, was die Stunde geschlagen hat. Die Geschichte hat ihn, der das Konzentrationslager überlebte und nur Bäcker sein wollte, eingeholt.

    Kraiems verstörendes Stück wirft die Frage auf, ob seine Figuren Subjekte oder Objekte der Geschichte sind. Hätte sich Mahmoud befreien können aus den angeblichen Zwängen der Vergangenheit, seiner Vergangenheit, der politischen Vergangenheit? Fest steht am Ende nur, was der Nachrichtensprecher verkündet: „Überlebende berichten, sie hätten gesehen, wie kurz vor der Explosion ein Mann mit schwarzem Rucksack die Synagoge betreten habe. Der bisher noch nicht identifzierte mutmaßliche Täter riß mindestens zehn Menschen mit sich in den Tod, sechzehn wurden verletzt.”

    Stück in 2 Akten

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